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Trump-Kommentar : Amerika will nicht mehr Polizist sein

Donald Trump sieht die Vereinigten Staaten nicht in der Rolle als „Weltpolizist“. Bild: Bloomberg

Wenn Amerika „Weltpolizist“ gespielt hat, dann vor allem, weil es in seinem eigenen Interesse war. Doch wird es den Vereinigten Staaten nutzen, wenn sie im Rückzugmodus sind?

          Donald Trump hat kein Urheberrecht, wenn er darauf besteht, die Vereinigten Staaten sollten ihre Rolle als Weltpolizist an den Nagel hängen. Sein Vorgänger im Präsidentenamt, Barack Obama, sah diese Rolle ebenfalls mit wachsender Skepsis. Man kann verstehen, warum: Viele Freunde haben sich die Vereinigten Staaten damit nicht gemacht. Von den einen werden sie kritisiert, weil sie zu viel, von anderen, weil sie zu wenig täten. In die Bresche springen will ohnehin niemand. Ordnung stiften ist teuer, bindet Ressourcen und ist gefährlich. Der Erfolg ist nicht immer messbar, dafür schmerzen die eigenen Verluste umso mehr.

          Dennoch hat Trump nicht (ganz) recht. Denn es ist ja nicht so, als täten die Vereinigten Staaten mit dem, was sie militärisch, politisch oder sonst wie auf der Welt unternehmen, nur anderen einen Gefallen; als seien sie immer die Einzigen, die Lasten trügen. Es soll sogar europäische Bündnispartner geben, die sich in Syrien, im Irak und in Afghanistan in der einen oder anderen Weise engagieren, auch Deutschland. Wenn Amerika „Weltpolizist“ war, dann vor allem deshalb, weil das in seinem Interesse lag, und nicht, weil eine gutmütige, leicht übers Ohr zu hauende Supermacht Welt-Caritas sein wollte. So ist es nicht. Es hat Konsequenzen, wenn die Vereinigten Staaten, zum Beispiel, aus Syrien abziehen und damit anderen das Feld überlassen, vor allem jenen, die ihre geopolitischen Gegner sind. Ist das in ihrem Interesse? Wird Amerika schon deshalb groß, wenn es im Rückzugsmodus ist?

          Den Verbündeten muss es zu denken geben, dass Trump so sehr auf der Meinung beharrt, Amerika werde ausgenutzt. Nicht wenige Amerikaner werden es genauso sehen wie ihr Präsident: Sollen doch die anderen die Knochen hinhalten, vor allem im Nahen und Mittleren Osten, dem freudlosen Dauerkrisenschauplatz der Welt. Wenn also Trump den Kritikern seiner Rückzugsentscheidungen das Argument der Überforderung entgegenhält, dann müssen diejenigen, die besonders an regionaler und globaler Ordnung interessiert sind – und besonders leiden, wenn beides fehlt –, ihr Engagement verstärken. Für Ordnung sorgen kann man auch im Kollektiv, in der Partnerschaft, im Bündnis.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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