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Gegner des Präsidenten : „Trump ist eher ein nationaler Sozialist“

  • -Aktualisiert am

Populist? Donald Trump im Januar 2016 während einer Wahlkampfrede Bild: AFP

Der amerikanische Präsident sei ein Demagoge in Reinform und ein Kulturkrieger, der mit der republikanischen Partei nichts zu tun hat, findet Philip Zelikow. Im FAZ.NET-Interview spricht der amerikanische Historiker über die Folgen der Trump-Jahre.

          Sie waren 2016 einer der Unterzeichner des Aufrufs, der unter dem Namen „Never Trump“ berühmt wurde. Damals haben Sie gemeinsam mit anderen Republikanern davor gewarnt, dass Donald Trump der unberechenbarste Präsident aller Zeiten werden könnte. Ist es besser oder schlimmer geworden, als Sie dachten?

          Es ist in etwa genauso, wie ich dachte. Donald Trump ist ungefähr so schlimm wie wir vorausgesagt haben. Der Brief hat sich ja damals weniger mit seiner voraussichtlichen Politik, sondern mehr mit seinem Charakter befasst. Und da denke ich nicht, dass er uns bislang überrascht hat. Er ist ein offenes Buch und es ist kein besonders schwer zu lesendes Buch, es ist sogar ein Buch mit vielen Bildern. Es ist ein Comicheft. Jeder, der Trump genau beobachtet oder seine Interviews liest, kann sich selbst ein Bild machen, wenn er einfach so ohne Skript losredet. Ich habe dabei bislang nichts gesehen, was meine damalige Sicht auf ihn verändert hätte.

          Die Unterzeichner waren damals Konservative und Liberale aus der republikanische Partei. Was spricht aus dieser Perspektive gegen ihn?

          Er ist in meinen Augen kein konservativer Präsident. Wenn man das ideologisch präzise beschreiben wollte, würde man ihn wahrscheinlich eher einen nationalen Sozialisten nennen können.

          Was meinen Sie mit dem Begriff „nationaler Sozialist“?

          Gegen Trump: Philip Zelikow

          Bei Trump reden wir über einen unverhüllten Nationalismus kombiniert mit einem Staatsinterventionismus und dem Bestreben, dass der Staat größere Kontrolle haben soll über die Wirtschaft, aber auch über die Gerichte und die Presse. Das ist rein formal betrachtet die Definition von nationalem Sozialismus. Natürlich ist es ein anderer Kontext als der deutsche, wo es die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei gab. Aber wenn man sich ansieht, warum die Partei in den 1920er Jahren diese Bezeichnung wählte, dann ging es eben gerade darum, die Rechte und die Linke zu verbinden – etwas, dass der italienische Faschismus unter Mussolini auch tun wollte.

          Aber was Trump mit diesen Ideologien verbindet ist weniger, wofür sie sind, als wogegen. Man sieht eine ähnliche Tendenz, den klassischen Liberalismus und die Institutionen der Demokratie zu missachten und schwächen zu wollen – Gerichte, die freie Presse, das Parlament. Es gibt eine Verachtung für die Idee der Herrschaft des Rechts, und eine Festlegung von Staatsbürgerschaft und Bürgerrechten anhand nationaler Identität. Die wiederum wird für Trump und seine Anhänger von der ethnischen Herkunft bestimmt, Deutsche hätten das „völkisch“ genannt.

          Man sieht also diese gemeinsamen Linien – und diese Leute dann Konservative zu nennen, damit erweist man vielen Konservativen und klassischen Liberalen, wie zum Beispiel den europäischen Freien Demokraten, einen echten Bärendienst. Konservative und klassische Liberale fordern ja eher eine Beschränkung des Staatseinflusses.

          Das ist vielleicht eine sehr theoretische Betrachtungsweise, aber ich denke, sie ist nützlich. Wenn wir zum Beispiel den Begriff „Populist“ für Trump verwenden, ist das schon fast ein Euphemismus. Das ist eine Art Codewort – die Leute denken, sie wüssten, was Populist heißt. Aber man muss die Dinge präzise beschreiben und aufhören, Euphemismen zu verwenden.

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