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Die Welt unter Trump : Merkel gegen Bannon

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Größer könnte der Kontrast im Naturell kaum sein: Angela Merkel ist blutleer pragmatisch. Nur selten entschließt sie sich zu einer weitreichenden, dramatischen politischen Wende. Bild: AFP

Das Schicksal der westlichen Welt, wie wir sie kennen, könnte davon abhängen, wer sich am Ende durchsetzt: Trumps kriegsbesessener Chefberater Steve Bannon oder die deutsche Kanzlerin. Ein Gastbeitrag.

          Der bestimmende ideologische Kampf unserer Zeit wird am ehesten verständlich, wenn man ihn als Wettstreit zwischen zwei Personen betrachtet: zwischen dem Präsidentenberater Stephen Bannon und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das Schicksal der westlichen Welt, wie wir sie kennen, könnte durchaus vom Ausgang dieses Wettkampfs abhängen.

          Bannon, der einflussreichste und mächtigste Berater Donald Trumps, sieht die westliche Zivilisation in einem ewigen Kampf mit dem Islam. „Wir erleben gerade die Anfangsphase eines sehr brutalen und blutigen Konflikts“, erklärte er 2014 vor den Teilnehmern einer Konferenz konservativer Kirchenführer im Vatikan. „Blickt man zurück auf die lange Geschichte des Kampfs des jüdisch-christlichen Westens gegen den Islam, hielten unsere Vorväter, wie ich glaube, die Stellung, und ich denke, sie taten das Richtige.“ Bannon ist besessen vom Krieg. In fast all seinen Reden und Interviews finden sich vielfältige Bezüge darauf. „Ein großer Krieg kündigt sich an, ein jetzt schon globaler Krieg“, erklärte er 2014, „ein Krieg gewaltigen Ausmaßes“, ein „globaler Krieg gegen den islamischen Faschismus“.

          Anders als Bannon, der den Glauben von 1,7 Milliarden Muslimen leichtfertig mit einer radikalen, auf Gewalt und Unterjochung versessenen Abart dieses Glaubens gleichsetzt, ist Merkel der Ansicht, dass der Islam mit westlicher Demokratie vereinbar sei. Auf dem Höhepunkt der „Pegida“-Proteste in Dresden brachte die Kanzlerin ihre Überzeugung zum Ausdruck, dass der Islam zu Deutschland gehöre, und beklagte mit Blick auf die Teilnehmer der wöchentlichen Demonstrationen den „Hass in deren Herzen“. Im weiteren Verlauf des Jahres öffnete Merkel die deutschen Grenzen für knapp eine Million vornehmlich muslimische Flüchtlinge – ein Schritt, der ihr die unsterbliche Feindschaft Bannons und der damals von ihm geleiteten rechtsnationalistischen Website Breitbart.com einbrachte. Was immer man von dieser Entscheidung halten mag (und ich persönlich glaube, sie war falsch), entsprang sie doch den besten Absichten, nämlich der Überzeugung, dass der demokratische Westen die Pflicht habe, den Notleidenden unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit beizustehen.

          Als Donald Trump im Oval Office Ende Januar zum ersten Mal mit Angela Merkel telefonierte, war Steven Bannon (r.) natürlich dabei – hier im Gespräch mit Trumps Stabschef Reince Priebus

          Bannon vertritt eine Geschichtstheorie, die er aus dem 1997 erschienenen Buch The Fourth Turning von William Strauss und Neil Howe entlehnt hat; danach kommt es in Amerika etwa alle achtzig Jahre zu grundstürzenden Veränderungen, und zwar jeweils durch eine große Krise, die die bestehende Ordnung zerstört und durch eine neue ersetzt. Der erste dieser weltgeschichtlichen Augenblicke war die Amerikanische Revolution, der zweite der Amerikanische Bürgerkrieg, gefolgt von der Weltwirtschaftskrise und dem Zweiten Weltkrieg. Nach dieser Hypothese ist Amerika (und damit die Welt) heute reif für einen weiteren erderschütternden Umsturz.

          Ein zyklisches Geschichtsverständnis

          Angesichts dieses zyklischen und sogar dem dialektischen Materialismus verpflichteten Geschichtsverständnisses kann es kaum überraschen, dass Bannon sich selbst als Leninisten bezeichnet, wie er es einmal gegenüber meinem Freund, dem Historiker Ronald Radosh, getan hat. Und damit sind wir beim nächsten großen Unterschied zu Merkel, einem Unterschied des Temperaments. Merkel ist – vielleicht allzu – blutleer pragmatisch. Nur selten entschließt sie sich zu einer weitreichenden, dramatischen politischen Wende, wobei ihre Entscheidungen zur Aufnahme der Flüchtlinge und zur Abkehr von der Atomkraft eher die Ausnahme als die Regel waren.

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