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Trudeau und Trump : Zwei Männer üben Harmonie

  • Aktualisiert am

Bild: AFP

Schulterschluss statt Konfrontation: Als Kanadas Premier Trudeau den amerikanischen Präsidenten Trump besucht, passt zumindest nach außen kein Blatt zwischen die beiden. Unterschiede bleiben, vor allem beim Thema Einwanderung.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump und Kanadas Premier Justin Trudeau haben ein überraschend harmonisches Bekenntnis zu gemeinsamen Werten und Zielen abgelegt. Trotz unterschiedlicher Auffassungen etwa in der Einwanderungspolitik demonstrierten beide am Montag im Weißen Haus aufs Engste ihre Verbundenheit. „In gefährlichen Zeiten wie diesen ist es wichtiger als jemals zuvor, unsere Allianz zu stärken“, sagte Trump. Trudeau sprach von einer wechselseitigen Abhängigkeit der beiden Länder.

          Mit Blick auf die vielen Konflikte weltweit sagte Trump: „Wir haben zusammen Blut vergossen“. Zum Thema „Islamischer Staat“ fügte er hinzu: „Die Vereinigten Staaten sind Kanada für seinen Beitrag zur Anti-IS-Koaliton zutiefst dankbar.“ In einer gemeinsamen Erklärung Trumps und Trudeaus hieß es, die beiden Länder seien miteinander unter anderem durch ihre Geschichte, ihre Werte, ihre Wirtschaft und ihre Umwelt tief verbunden. „Kanada und die Vereinigten Staaten werden einander immer die wichtigsten Partner bleiben“, sagte Trudeau.

          „Millionen amerikanischer und kanadischer Arbeitsplätze hängen an unserer Partnerschaft“, betonten Trump und Trudeau. Man bekräftige, auf der Grundlage des vorhandenen starken Fundaments für Handel und Investitionen aufbauen zu wollen. Die Beziehungen sollten vertieft werden, die Stärkung der Mittelklasse und die Schaffung von Arbeitsplätzen sei ein gemeinsames Ziel.

          Trump relativiert Kritik an Nafta-Abkommen

          Mit den Äußerungen relativierte Trump seine bisherige harsche Kritik am Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (Nafta). Durch das Abkommen sind die Vereinigten Staaten und Kanada zusammen mit Mexiko seit 1994 in einer Freihandelszone zusammengeschlossen. Trump will das Abkommen neu verhandeln, womit die Regierungen in Kanada und Mexiko grundsätzlich einverstanden sind.

          Der amerikanische Präsident sagte nun bei seinem Treffen mit Trudeau, mit Kanada hätten die Vereinigten Staaten viel geringere Probleme innerhalb von Nafta als mit Mexiko. Der Handel mit dem südlichen Nachbar habe über viele Jahre hinweg zu für Amerika „extrem unfairen“ Bedingungen stattgefunden. Dies solle nun bereinigt werden. Die Handelsbeziehungen zu Kanada bezeichnete Trump hingegen als „sehr überragend“. Sie sollten durch einige Nachbesserungen optimiert werden.

          Trudeau hob hervor, dass von den engen Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada Millionen von Jobs auf beiden Seiten der Grenze abhingen. Der freie Fluss von Waren und Dienstleistungen müsse weiter zugelassen werden, da er „extrem positive“ Effekt für beide Länder habe. Dies werde auch der Fokus der Verhandlungen beider Länder in den kommenden Wochen und Monaten über die Handelsbeziehungen sein.

          Trudeau: Ich will Trump nicht belehren

          Unterschiedliche, wenn auch nicht konfrontativ ausgetragene Meinungen gab es auch beim Thema Einwanderung: „Wir setzen unsere Politik der Offenheit fort, ohne Sicherheit aufs Spiel zu setzen. Wir werden weiterhin Flüchtlinge aus Syrien bei uns willkommen heißen“, so Trudeau. Es sei nicht seine Aufgabe, Amerika zu belehren, wie man regiere. Trumps geplante Abschottungspolitik wird beim nördlichen Nachbarn mit Argwohn und Kritik begleitet, wenn auch die Grenzsicherheit von beiden als eines der obersten Ziele genannt wurde. Trump und Trudeau betonten, sie wollten ihre Maßnahmen an ihrer über eintausend Kilometer langen Grenze ausbauen.

          Trump verteidigte indessen seine harte Linie in der Einreisepolitik. Diese entspringe dem „gesunden Menschenverstand“. Die Nordgrenze zu Kanada sei zwar sicher, aber man könne niemals ganz sicher sein. Einer Frage, ob er syrische Flüchtlinge als Sicherheitsrisiko empfinde, etwa wenn sie aus Kanada einreisten, wich Trump aus. Unter Trudeau hat das Land bisher 40.000 syrische Flüchtlinge aufgenommen. Der kanadische Premierminister sagte, Sicherheit und Einwanderung müssten sehr gut zusammenpassen und auch mit den eigenen Werten vereinbar sein: „Freie offene Gesellschaften, die gleichzeitig sicher sind.“ Der amerikanische Präsident versprach, auch in Zukunft die „wirklich bösen Typen“ aus dem Land zu schaffen.

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