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Früherer Trump-Vertrauter : Amerikas Rechte weint Steve Bannon keine Träne nach

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Raus aus dem Spiel: Steve Bannon hat einen beachtlichen Abstieg hinter sich. Bild: AP

Für viele Anhänger der Alt-Right-Bewegung in Amerika war Steve Bannon schon länger erledigt. Die Rechten reagieren auf seinen Abgang aus dem Rampenlicht pragmatisch – denn sie haben noch andere Freunde in wichtigen politischen Positionen.

          „Bannonfreude“ – die konservative Seite „Redstate“ gab der Schadenfreude über Steve Bannons tiefen Fall den passenden Namen. „Breitbart“, die Seite, die er zum Sprachrohr des Trumpismus gemacht hatte, trennte sich ebenso von Bannon wie „SiriusXM“, wo er eine Radioshow hatte. Und auf Nachfrage erklärte der Fernsehsender Fox News, man habe keine Absicht, mit Bannon zusammenzuarbeiten.

          Nachdem Bannon bei Donald Trump in Ungnade fiel, weil er dem Buchautor Michael Wolff nicht nur Interna verriet, sondern auch das Trump-Team des Verrats bezichtigte, kamen die offiziellen Distanzierungen schnell. Niemand wollte auf der Seite des Mannes stehen, der dem Präsidenten unlautere Russland-Kontakte unterstellte und sich anschließend mit einer halbgaren Entschuldigung  zu retten versuchte. Doch Steve Bannon hatte nicht nur „Breitbart“ zur Plattform der rechten Trump-Basis gemacht, er war auch deren wichtigstes Verbindungsglied ins Weiße Haus. Das fehlt nun. Wie gehen die Rechte und die „Alt-Right“ damit um?

          Nach wie vor hauptsächlich online

          Wer wissen wolle, was die Basis denke, müsse nur in die Kommentarspalten von „Breitbart“ schauen, sagte Steve Bannon einst. Die Seite sollte ihm zufolge die Plattform für die „Alt-Right“ sein. Tatsächlich ist es schwer einzuschätzen, wie einflussreich die „Alt-Right“ ist, wie viele Menschen sich mit ihr identifizieren und wo die Grenze zur althergebrachten Rechten verläuft. Die „alternative Rechte“ findet nach wie vor hauptsächlich online statt, auch wenn die öffentlichen Auftritte ihrer Protagonisten zahlreicher werden, wie zuletzt an den Universitäten Berkeley und der Columbia Universität in New York.

          Die „Alt-Right“ hat eine ihrer stärksten Wurzeln in der „Manosphere“, dem Internet der „Männerrechtler“ also, mit ihren Themen Antifeminismus und Anti-Liberalismus. Rassismus spielt je nach Medium eine dominante Rolle – etwa, wenn es um Beziehungen weißer Frauen mit schwarzen Männern oder um die als unfair dargestellte Bevorzugung von Minderheiten im Zuge der „Affirmative Action“ geht. Die „Alt-Right“ gruppiert sich heute immer noch um Internetseiten – nicht nur um „Breitbart“, sondern auch um „Infowars“ oder den „Daily Caller“. Es gibt jede Menge persönliche Animositäten und Konkurrenzverhältnisse, die die Szene zersplittern. Dass Steve Bannon half, die Rechten hinter Donald Trumps Kampagne zu einen, gilt vielen als seine größte Leistung.

          Steve Bannon hatte die Seite „Breitbart“ zur bekanntesten und vielleicht wichtigsten Stimme der neurechten Szene gemacht. Das Erbe des 2012 verstorbenen Gründers Andrew Breitbart war eine Art Sponti-Mentalität von rechts – gegen das „System“, gegen das Establishment, hier definiert als liberal-feministisch-„gleichmacherische“ Vorherrschaft, die es zu brechen gelte. In einem berühmten Video saß Breitbart vor der Kamera, blickte den Zuschauer direkt an und sagte nur: „Fuck. You.“ Dann starrte er eine Weile wütend vor sich hin und flüsterte: „War“, Krieg.

          Diese Wutpose des weißen Mannes war anknüpfungsfähig sowohl für die in sich vielfältigen ideologischen Bedürfnisse des Publikums als auch für Steve Bannon. Der rührte nach Andrew Breitbarts Tod seine eigenen ideologischen Versatzstücke in die disparate „Breitbart”-Mixtur – Protektionismus, Islam-Hass und eine düstere Vision vom Untergangskampf des Abendlandes. Mithilfe des Geldes der Mercer-Milliardärsfamilie und eines guten Marketings brachte Bannon die zerstrittene Redaktion wieder nach vorn – und sich selbst schließlich in die erste Reihe des Trump-Orbits.

          Breitbarts Kampf

          Die Mercers distanzierten sich inzwischen schnell von Bannon, werden aber wohl „Breitbart“ weiter finanzieren. Für das Internetportal geht es um Schadensbegrenzung und den künftigen Erfolg als eines der wichtigsten Medien der Rechten. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Distanzierung bereits vor Bannons offiziellem Rückzug begann. Mehrere „Breitbart“-Artikel nahmen Bannon nicht in Schutz, sondern zitierten den Präsidenten und seine Leute in ihren Schlagzeilen. Bereits am vergangenen Donnerstag nahm Autor John Nolte zustimmend Bezug auf Donald Trump Jr., der Bannon die Schuld an der Wahlniederlage in Alabama gab und dessen Zeit im Weißen Haus bei Twitter einen „Albtraum“ nannte.

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