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Kongress-Anhörung : Alles gesagt

  • -Aktualisiert am

Sonderermittler Robert Mueller sagt vor dem Justiz und Geheimdienstausschuss aus. Bild: Daniel C. Schmidt

Ohne viele Worte: Sonderermittler Robert Muellers Aussage vor dem Justiz- und Geheimdienstausschuss nach Abschluss eines Untersuchungsberichts brachte wenig neue Erkenntnisse zutage. Der Tag der Anhörung aus dem Kapitol.

          Manchmal ist das Buch vielleicht doch besser als die Verfilmung.

          Lang dauerte es nicht am Mittwochmorgen im Raum 2141 des Rayburn House Office Building am Fuße des amerikanischen Kapitols in Washington, bis noch einmal klar wurde, was Robert Mueller in seinem kurzen Statement vor der Presse bereits im Mai angekündigt hatte: Bei einer möglichen Anhörung vorm Kongress würde nicht viel vom ehemaligen Sonderermittler zu hören sein.

          Alles, was er zu sagen habe, hatte er vor zwei Monaten in einer sehr kurzen Pressekonferenz angekündigt, stehe in seinem Abschlussbericht. Und so hielt sich die Überraschung in Grenzen, dass Robert Mueller an diesem Mittwoch, 797 Tage nach seiner Ernennung zum Sonderermittler, um Russlands Einflussnahme auf die Präsidentschaftswahl im November 2016 zu untersuchen, vor dem Justiz- und Geheimdienst-Untersuchungsausschuss nicht viel mehr sagte, als man seinem 448 Seiten lange Bericht ohnehin entnehmen kann.

          Ein wortkarger Sonderermittler

          Nach 90 Minuten hatte Mueller 41 Mal Fragen der Abgeordneten im Justizausschuss entweder mit “Ja”, “Nein”, oder “Korrekt” beantwortet, wie der Sender CBS in der Mittagspause errechnet hatte. CNN zählte am Ende des Tages 206 dieser Nicht-Antworten. Ein Geschichtenerzähler, dachte man, wenn man ihn dort in seiner Einsilbigkeit so sitzen sah, wird dieser 74 Jahre alte Mann mit dem akkuraten Scheitel, der aussieht, als ob er sich zweimal am Tag nass rasieren würde, und immer ein weißen Button-Down-Hemd zur Krawatte trägt, damit der Kragen nicht verrutschen kann, wohl nicht mehr.

          Ähnlich wortkarg hatte der Tag am Kapitol begonnen: Um kurz vor 6 Uhr, zweieinhalb Stunden vor Beginn der Anhörung, als Washington noch in der Morgendämmerung lag und nur ein paar Jogger mit Kopfhörern um die Südseite des Kapitols kreisten, standen bereits knapp 100 etwas müde wirkende Menschen vor dem Rayburn House Office Building gegenüber auf der anderen Straßenseite und warteten auf Einlass um 7 Uhr.

          Die ganz Ausgeschlafenen, die dieser Schlange zuvorgekommen waren und diesem Morgen aber nicht ganz so ausgeschlafen aussahen, waren drei Sommerpraktikanten von zwei Kongressabgeordneten, die sich um sechs Uhr am Vorabend vor den Eingang des Anhörungssaals gesetzt hatten, wie sie einigen umher schwirrenden Journalisten bei kalter Frühstückspizza erzählten, und somit um 8:15 Uhr als erste in den Saal durften, um sich in die Publikumsreihen zu setzen.

          Zehn Minuten später, als Müller den Saal betrat, klickten die Kameras, die direkt vom Anhörungstisch aufgebaut waren, wie ein Schwarm Zikaden. Um 8:42 Uhr hob er den rechten Arm. Jerry Nadler, der Ausschussvorsitzende und Demokratische Abgeordnete aus Donald Trumps Heimatstadt New York, vereidigte ihn. In seinen Eröffnungsworten sagte Mueller: “Der Bericht ist meine Aussage”, und hätte damit eigentlich wieder aufstehen und gehen können.

          Aber es an diesem Punkt war noch nicht alles gesagt – nicht von Seiten der Demokraten, für die die Anhörungen vor dem Justiz- und nach der Mittagspause vor dem Geheimdienstausschuss dazu nutzen wollten, die Öffentlichkeit für die für Präsident Donald Trump teils verheerenden Ergebnisse des Mueller Report noch einmal zu sensibilisieren; nicht von Seiten der Republikaner, die sich im Laufe des Tages nicht ganz entscheiden konnten, ob sie den Bericht als parteiisch gegen den Präsidenten darstellten wollten oder ihn derart gründlich finden sollten, um klar zu machen, dass er den Präsidenten zweifelsohne von den Anschuldigungen freispricht, mit den Russen kooperiert zu haben und infolgedessen die Justiz behindert zu haben.

          Obama bat ihn, seinen Vertrag zu verlängern

          Was Mueller davon hielt, kitzelte Jerry Nadler, der als Ausschussvorsitzender mit der Befragung loslegte, nach zwei Minuten aus ihm heraus: Ob der Bericht, wie Trump überall nach dessen Veröffentlichung im April mitteilte, den Präsidenten “total freispricht”, wollte Nadler wissen. “No”, antwortete Mueller kurz, schmerzlos, und unaufgeregt. Das Nein, das durch die Lautsprecher in den Saal hallte, kam ganz ohne Ausrufezeichen aus, weil in dem Ansehen dieses Mannes allein schon genug Ausrufezeichen mitschwingt. Juristen mit einem ähnlichen Ruf uneingeschränkter Gesetzestreue wie Mueller, der eine Woche vor dem 11. September 2001 zum FBI-Direktor ernannt und 2010 von Barack Obama gebeten wurde, seinen normalerweise nach zehn Jahren auslaufenden Vertrag ausnahmsweise um zwei Jahre zu verlängern, gibt es D.C. nicht sehr viele. Dass die Wahl bei der Suche nach einem unabhängigen Sonderermittler auf ihn im Mai 2017 fiel, wurde damals im politischen Washington mehrheitlich begrüßt.

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