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Buttigieg in Iowa vorn : Suche nach der Mitte

Das neue Wunderkind der Demokraten? Pete Buttigieg Bild: AFP

Pete Buttigieg liegt in den Umfragen zur demokratischen Vorwahl in Iowa erstmals vorn. Ist er der Hoffnungsträger für die Zentristen oder nur der Aufreger des Monats? In jedem Fall verfügt er über ein gut gefülltes Konto.

  • -Aktualisiert am
          5 Min.

          Für manche linke Demokraten war es ein Ärgernis, als der ehemalige Präsident Barack Obama in der vergangenen Woche auf einem Podium saß und gut gelaunt darauf hinwies, dass der durchschnittliche amerikanische Wähler doch recht weit entfernt sei von dem, was „in gewissen linken Twitter-Feeds oder dem Aktivisten-Flügel unserer Partei“ besprochen werde. Donald Trumps Vorgänger versicherte allerdings auch, dass er sich für jeden Kandidaten „meinen Hintern abarbeiten“ werde.

          Der nächste Präsident sei dazu da, mehr zu erreichen als er, so Obama. Die Krankenversicherung, die umgangssprachlich seinen Namen trägt, sei ein Schritt in die richtige Richtung, doch nach wie vor seien Millionen Amerikaner unversichert. Wer Trump für die Demokraten besiege, müsse weiter gehen. Das war zumindest kein Aufruf zu einem „Weiter so“. Viele lasen es dennoch als Wahlempfehlung für die zentristischen Kandidaten. Doch konkreter wurde es auch diesmal nicht: Obama hält sich nach wie vor zurück.

          Unterdessen ist ein Kandidat im Aufwind, über den sich der ehemalige Präsident des Öfteren lobend geäußert haben soll: Pete Buttigieg, der Bürgermeister von South Bend in Indiana, der mit einem Mann verheiratet ist und als Soldat in Afghanistan war. In Iowa, wo am 3. Februar die erste Vorwahl der Demokraten stattfindet, ließ Buttigieg in einer Umfrage zum ersten Mal alle anderen Kandidaten hinter sich. CNN und die Zeitung „Des Moines Register“ sahen ihn mit 25 Prozent vor Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts mit 16 Prozent. Senator Bernie Sanders aus Vermont und der ehemalige Vizepräsident Joe Biden kamen demnach auf je 15 Prozent. Zwei Drittel der Wählerinnen und Wähler gaben allerdings an, dass sie ihre Wahl noch nicht endgültig getroffen hätten.

          Buttigieg gilt als linksliberal. Er ist nicht für die Abschaffung privater Krankenversicherungen zugunsten eines „Medicare for All“ und kein Unterstützer des „Green New Deal“ der linken Abgeordneten im Kongress. Sein Erfolg hängt auch mit einer groß angelegten Medienkampagne zusammen, die dafür sorgt, dass er in Magazinen wie „New York“ und „Vanity Fair“ Platz bekommt. In glänzenden Porträts schwärmen Journalisten von seiner Hochbegabung, seinen akademischen Erfolgen, davon, dass er als schwuler religiöser Veteran Gegensätze integriere. Der 37 Jahre alte Bürgermeister könnte für die Zentristen und Parteirechten sein, was eigentlich Biden sein sollte: die Integrationsfigur, die Arbeiter und Bauern im Mittleren Westen und Reiche in den Küstenstädten vereinen soll. Allerdings fehlt ihm, was Biden bietet, nämlich der Draht zu den Arbeitern, aus deren Reihen dessen eigene Familie kommt, und die Unterstützung einiger Gewerkschaften.

          Und von Beginn an hatte Buttigieg Schwierigkeiten bei den schwarzen Wählern, die zwischen 20 und 25 Prozent bei den Vorwahlen ausmachen sollen. Ohne ihre Unterstützung kann kein Kandidat Präsident werden. Einige Beobachter unkten, Buttigiegs Homosexualität könne ältere schwarze Wähler abschrecken, da die häufig religiös seien. Dafür fehlen Belege.

          Wahrscheinlicher ist, dass viele Afroamerikaner keine Fans von Buttigieg sind, weil ihm der Ruf vorausgeht, als Bürgermeister nicht viel gegen Rassismus und Armut getan zu haben. Die zusammen 40 Prozent Afroamerikaner und Latinos in South Bend protestierten gegen seinen Umgang mit Polizeigewalt ebenso wie gegen einen Stadterneuerungsplan, bei dem eintausend Hauseigentümer verfallende Häuser entweder renovieren oder an die Stadt verkaufen sollten. Das war, wie Buttigieg später zugab, ein klassischer Fall von Politik, die auf Daten basierend schnelle Erfolge präsentieren wollte – er sei sich nicht sicher, „ob wir das hundertprozentig richtig hinbekommen haben“, so der Bürgermeister.

          In South Bend lebt ein Viertel der Einwohner in Armut, dennoch ist Buttigieg darauf angewiesen, seine beiden Amtszeiten seit 2012 als Erfolgsgeschichte darzustellen. Tatsächlich wählten ihn 2015 über 80 Prozent der Bürger wieder, die Stadt erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung – der erreichte eben nur längst nicht alle.

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