https://www.faz.net/-gpf-9u9ne

Impeachment : Was die Demokraten Trump vorwerfen

  • Aktualisiert am

„Niemand steht über dem Gesetz“: Führende Demokraten geben bei einer Pressekonferenz die Anklagepunkte gegen Präsident Trump bekannt. Bild: EPA

Führende Demokraten wollen Donald Trump in zwei Punkten anklagen. Der Präsident spricht auf Twitter von „politischem Wahnsinn“.

          2 Min.

          Die Demokraten im amerikanischen Repräsentantenhaus wollen Präsident Donald Trump im Rahmen eines Amtsenthebungsverfahrens wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen des Parlaments anklagen. Der Vorsitzende des Justizausschusses, Jerrold Nadler, stellte die Anklagepunkte am Dienstag vor. Dieser Schritt ist eine Voraussetzung für eine Abstimmung zu Trumps möglicher Amtsenthebung (Impeachment) im Plenum der Parlamentskammer. Hintergrund des Vorgehens gegen Trump sind Vorwürfe aus der Ukraine-Affäre.

          „Eines ist klar: Niemand, auch nicht der Präsident, steht über dem Gesetz“, sagte Nadler. Der Justizausschuss werde sich noch diese Woche formell mit den Anklagepunkten befassen. Im Anschluss kann es im Plenum des Repräsentantenhauses zur eigentlichen Abstimmung über die Anklagepunkte kommen. Dem Vernehmen nach soll auch das noch vor Weihnachten geschehen.

          Die Demokraten stellen im Repräsentantenhaus die Mehrheit, eine Anklage gegen Trump scheint daher sehr wahrscheinlich. Trump wäre erst der vierte Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten, gegen den ein Verfahren zur Amtsenthebung beginnt.

          Trump: „politischer Wahnsinn“

          Nach dem Repräsentantenhaus wird das Verfahren im Senat weitergeführt, wo Trumps Republikaner eine komfortable Mehrheit besitzen. Eine Verurteilung und Amtsenthebung durch den Senat, für die es eine Zweidrittelmehrheit braucht, gilt aber als unwahrscheinlich, denn dafür müssten 20 republikanische Senatoren das Lager wechseln.

          Die Demokraten beschuldigen Trump, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu Ermittlungen gegen seinen politischen Rivalen Joe Biden gedrängt zu haben, um die Präsidentenwahl 2020 zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Sie sehen es als erwiesen an, dass Trump von der Ankündigung solcher Ermittlungen ein Treffen mit Selenskyj im Weißen Haus und die Freigabe von Militärhilfe für die Ukraine abhängig gemacht habe. Die Demokraten werfen Trump außerdem vor, die Ermittlungen des Repräsentantenhauses zu den Vorgängen behindert zu haben.

          Trump bezeichnete die von den Demokraten vorangetriebene Amtsenthebung noch kurz vor der Bekanntgabe der Anklagepunkte als „schieren politischen Wahnsinn“. Seine bisherige Amtszeit sei eine der „erfolgreichsten Präsidentschaften“, der Wirtschaft gehe es blendend und er habe sich absolut nichts zuschulden kommen lassen, schrieb Trump auf Twitter.

          Bei einer Anhörung im Justizausschuss am Montag hatten die Demokraten wieder schwere Vorwürfe erhoben und von „überwältigenden Beweisen“ gegen Trump gesprochen. „Präsident Trump hat sich selbst über sein Land gestellt“, sagte der Ausschussvorsitzende Nadler zum Abschluss der Sitzung. Trump habe seinen Amtseid verletzt. „Die Tatsachen sind klar. Die Gefahr für unsere Demokratie ist klar. Und unsere Pflicht ist klar.“ Die Verfassung sehe ein Mittel gegen ein solches Verhalten vor. „Dieses Mittel ist Impeachment.“ Nadler kündigte an: „Dieser Ausschuss wird entsprechend voranschreiten.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.