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Gescheiterter Kim-Trump-Gipfel : „Die Kunst des Deals ist nicht sein Ding“

  • -Aktualisiert am

Donald Trump besteigt nach dem abgebrochenen Gipfel die „Air Force One“ in Hanoi. Er ist an die Grenzen einer diplomatischen Fähigkeiten gestoßen, urteilt die Washington Post. Bild: Reuters

Das zweite historische Treffen zwischen Donald Trump und Kim Jong-un blieb ergebnislos. Der Abbruch ruft bei Beobachtern in Amerika Enttäuschung hervor und erhält doch selbst bei den Demokraten Zuspruch.

          Bei seinen „großzügigen Gastgebern in Hanoi“ bedankte sich der amerikanische Präsident Donald Trump am Donnerstag noch über Twitter. Doch hatte er es offenbar eilig, aus Vietnam abzureisen. Bereits eine Stunde nach dem überraschend abgebrochenen Gipfel mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un stieg Trump in seinen Flieger. Die Reaktionen in seiner Heimat auf das gescheiterte Treffen offenbaren Enttäuschung, doch erhält der Abbruch Zuspruch von liberaler wie konservativer Seite.

          Der demokratische Minderheitsführer Chuck Schumer lobte Trump am Donnerstag in einer Rede im Senat. Er habe den Unwillen Nordkoreas, ein umfassendes Abkommen auszuhandeln, erkannt. „Der Präsident hat das Richtige getan, indem er die Gespräche abbrach und auf einen schlechten Deal für ein gutes Foto verzichtete.“ Schumer wünsche sich zwar ein Abkommen mit Nordkorea, doch müsse es das richtige sein: „Ein Deal, der nicht die komplette, überprüfbare Denuklearisierung beinhaltet, würde Nordkorea nur stärker machen und die Welt unsicherer.“ Der Demokrat erhofft sich von Trump, dass er mit China genauso verfährt, und notfalls Verhandlungen abbricht, wenn die Volksrepublik amerikanische Handelsinteressen missachtet.

          Die „Washington Post“ schreibt, dass Trumps unkonventionelle Strategie für die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel einen herben Rückschlag erlitten hat: „Der Gipfel in Hanoi zeigte die Grenzen von Trumps Fähigkeit auf, Charisma und Gauner-Instinkte aus der New Yorker Immobilienwelt in den nuancierten Raum internationaler Diplomatie zu übersetzen.“

          Ein Kommentar der „New York Times“ hält den Abbruch der Verhandlungen für richtig, wenn keine Aussicht auf eine zufriedenstellende Einigung bestand. Trump habe sich überschätzt: „Was auch immer das Genie Trump im Spiegel sehen mag, 'die Kunst des Deals' ist nicht sein Ding“, heißt es in der Kolumne. Sie wirft Trump vor, im Vorfeld zu energisch den Erfolg des Gipfels heraufbeschworen zu haben. Das habe Kim vermutlich dazu verleitet, mit hohen Forderungen in das Treffen zu gehen. Dass Trump von dem nordkoreanischen Diktator als „Freund“ und „großartigen Führer“ spricht, sei „geschmacklos“. Letztendlich, so der Kommentar, habe die Vereinigten Staaten nichts aus dem Treffen gewonnen. Kim allerdings habe durch die Gespräche auf Augenhöhe das „enorme Geschenk der Legitimität“ erhalten.

          Der konservative „Fox News“-Moderator Sean Hannity, dem von Kritikern politische Nähe zu Trump vorgeworfen wird, hat ein exklusives Interview mit dem Präsidenten kurz nach dem Gipfel ergattert. In einer Vorschau dazu vergleicht er das Ereignis mit dem Treffen zwischen Ronald Reagan und dem sowjetischen Generalsekretär Michail Gorbatschow 1986, das ebenfalls ohne Abkommen endete: „Und danach kollabierte ein bösartiges Regime“, so Hannity. Er glaubt, dass Trump die Stärke gezeigt hat, die die Amerikaner sehen wollen: „Entweder wir kriegen, was wir bekommen oder es gibt keinen Deal. Das ist kluge Verhandlungstaktik auf hohem Niveau.“ Er bezieht sich hierbei auf Trumps Forderung, dass Kim sein Land nuklear komplett abrüstet. Dieser bot aber nur einen teilweisen Abbau an, gegen die Aufhebung der amerikanischen Sanktionen, wozu die amerikanische Regierung nicht bereit war.

          Für Joseph Yun, einem ehemaligen, ranghohen Diplomaten der Vereinigten Staaten für Nordkorea, ist das abrupte Ende des Treffens Ausdruck von mangelnder Vorbereitung. „Ich war auf vielen Gipfeln. Normalerweise bedeuten sie viel Arbeit. Dieses Mal sahen wir nur wenig Vorbereitung, was mich besorgt hat.“ sagte Yun CNN.

          Die Hoffnungen darauf, dass Trump und Kim einen Friedensvertrag unterschreiben würden, der den offiziellen Kriegszustand zwischen ihren Ländern aufhebt, sind zerstoben. Doch wo der Präsident kein Ergebnis erzielte, könnte der amerikanische Kongress noch etwas bewegen. Bereits am Dienstag legten 19 Demokraten des Repräsentantenhauses einen Gesetzesentwurf vor, der die Trump-Administration dazu drängt, den Korea-Krieg endlich formell beizulegen. Seit dessen Ausbruch im Juni 1950 ist er nun offiziell im 68. Jahr. Die Resolution wird vom früheren Präsidenten Jimmy Carter befürwortet.

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