https://www.faz.net/-gpf-9x54f

Superwahltag in Amerika : Das „JoeMentum“ ist schwer zu stoppen

  • -Aktualisiert am

Joe Biden am Dienstagabend in Los Angeles Bild: AP

Joe Biden triumphiert am „Super Tuesday“, Bernie Sanders hält in Kalifornien dagegen. Den Demokraten steht in den nächsten Wochen und Monaten ein harter Zweikampf bevor.

          5 Min.

          „Ich kann euch mit absoluter Zuversicht sagen, dass unsere Kampagne die demokratische Nominierung holen wird“, ruft Bernie Sanders seinen Anhängern im Örtchen Essex Junction im Bundesstaat Vermont zu. Ganz klar, er werde „Trump besiegen“, sagt der linke Senator gleich mehrmals unter großen Applaus. Immer wieder branden „Bernie, Bernie“-Rufe auf.

          Sanders ist gerade fertig mit seiner Rede, da steigt in Los Angeles Joe Biden auf die Bühne. Biden, bekannt für seine immer mal wieder etwas chaotisch anmutenden Auftritte, verwechselt unter dem Gelächter des Publikums zunächst seine Schwester und seine Ehefrau, die hinter seinem Rücken offenbar die Plätze getauscht haben, kommt dann aber immerhin schnell zur Sache.

          „Das ist ein guter Abend“, ruft der frühere Vizepräsident. „Sie nennen den Tag nicht umsonst Super Tuesday.“ Biden schreit ins Mikrofon, der Ton ist völlig übersteuert. Das allerdings stört offenbar weder ihn noch seine seine Fans. „Auf geht’s Joe“, jubeln die Anhänger. „Donald Trump kann einpacken“, sagt Biden heiser.

          Wenn sich zwei Bewerber zu Gewinnern erklären, liegt die Vermutung nahe, dass es keinen klaren Sieger gibt. Wie viele große amerikanische Wahlnächte, ist auch dieser Super-Tuesday-Abend für alle Beteiligten eine emotionale Achterbahnfahrt. Da die Wahllokale in den jeweiligen Bundesstaaten zu unterschiedlichen Zeiten schließen, werden ständig neue Hochrechnungen und Auszählungsergebnisse veröffentlicht. „Und Kalifornien kommt ja erst noch“, sagen die Fernsehkommentatoren über lange Strecken des Abends etwa alle fünf Minuten.

          Bernie Sanders am Dienstagabend in Essex Junction

          Für Joe Biden verläuft vor allem die erste Hälfte des Abends äußerst erfolgreich. Sowohl in Virginia als auch in North Carolina, zwei vergleichsweise großen Staaten, in denen zusammen insgesamt mehr als zweihundert Delegiertenstimmen zu holen sind, werden schnell klare Biden-Siege verkündet. Auch in den anderen Staaten des Südens, in Alabama, Arkansas, Tennessee und Oklahoma, landet der frühere Vizepräsident teils mit deutlichem Abstand auf dem ersten Rang. Aus dem Wort „Momentum“ ist in den Statements der Biden-Kampagne zu diesem Zeitpunkt längst der Kunstbegriff „JoeMentum“ geworden.

          Es ist eine politische Auferstehungsgeschichte, die ihresgleichen sucht. Noch vor wenigen Tagen stand Biden mit dem Rücken zur Wand. Dann feierte er in South Carolina einen Erdrutschsieg und viele namhafte Demokraten machten sich auf einmal für seine Kandidatur stark. Auch die Empfehlungen der aus dem Rennen ausgeschiedenen ehemaligen Konkurrenten Pete Buttigieg und Amy Klobuchar scheinen ihm viel Rückenwind beschert zu haben. Vor allem aber zeigt sich am Super Tuesday einmal mehr eindrucksvoll, wie beliebt Biden bei afroamerikanischen Wählern ist. In den meisten Staaten, in denen er triumphiert, kann er auf die Unterstützung dieser Bevölkerungsgruppe zählen.

          Gleichzeitig dürfte es Biden besonders freuen, dass er nicht nur im Süden, sondern auch in anderen Staaten wichtige Ausrufezeichen setzt. In Maine, unweit von Sanders‘ Heimatstaat Vermont, liefert er sich mit seinem Rivalen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. In Massachusetts gewinnt Biden sogar überraschend, obwohl er dort so gut wie überhaupt keinen Wahlkampf gemacht hat. Auch in Minnesota siegt Biden, wobei sein Erfolg dort vor allem auf die Unterstützung von Lokalmatadorin Klobuchar zurückzuführen sein dürfte.

          Generell fällt auf, dass Biden überall deutlich besser abschneidet, als es die letzten Umfragen vor dem Wahltag noch vermuten ließen. Wenn es allein um die Erfüllung oder das Übertreffen von Erwartungen gehen würde, Biden wäre ohne Zweifel der unangefochtene Sieger des Abends.

          Und doch: Auch Bernie Sanders kann sich an diesem turbulenten Dienstag zumindest ein bisschen als Gewinner fühlen, was wiederum vor allem mit der zweiten Hälfte des Abends zusammenhängt. Während er östlich des Mississippi nur das Heimspiel in Vermont mit einem klaren Ergebnis für sich entscheiden kann, holt er im Westen immerhin Siege in Colorado und Utah. In Texas sieht es zunächst nach einem Erfolg für ihn aus, dann aber schmilzt der Vorsprung auf Biden. Irgendwann liegt Sanders dann sogar hinten, am späten Abend dann wird klar, dass Biden Texas gewonnen hat. Mit 228 zu vergebenden Delegiertenstimmen ist Texas der zweitwichtigste Wettkampf des Tages.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gut gelaunt mit amerikanischen Soldaten am Truppenstützpunkt Ramstein: Amerikas Präsident Donald Trump im Jahr 2018.

          Trumps Abzugspläne : Ein weiterer Tiefschlag

          Sollten Tausende amerikanische Soldaten Deutschland verlassen, würde das vor allem dem Pentagon selbst zu schaffen machen. Für das transatlantische Verhältnis aber verheißt er nichts Gutes.
          Nicht nur Gnabry (links) und Goretzka trafen für den FC Bayern in Leverkusen.

          4:2 in Leverkusen : Der FC Bayern ist eine Klasse für sich

          Die Münchner meistern die wohl größte Hürde, die auf dem Weg zum Titel noch zu nehmen war, mit dem klaren Sieg in Leverkusen souverän. Die fußballerische Perfektion erinnert an die besten Phasen unter Pep Guardiola.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.