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Demokraten in Sorge : Ersatz für Hillary Clinton?

  • -Aktualisiert am

Sie hätte nicht mehr viel zu lachen, falls es doch zur Anklage kommt: Hillary Clinton. Bild: AP

Wer geht für die Demokraten ins Rennen, wenn Hillary Clinton wegen ihres E-Mail-Skandals für die Partei nicht mehr tragbar wäre? Es muss nicht unbedingt Bernie Sanders sein. Eine Analyse.

          Hillary Clinton wird es werden. Kandidatin der Demokraten, erste Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika, die mächtigste Frau der Welt. Oder etwa doch nicht? Es gibt da ja noch diese scheinbar nebensächliche Affäre, die zwar von der Schlagzeile zur kleinen, kaum wahrnehmbaren Kontroverse geschrumpft ist, aber immer noch im Raum steht: Hat sich Clinton während ihrer Zeit als Außenministerin mit der Nutzung ihres privaten E-Mail-Servers auch für dienstliche Nachrichten strafbar gemacht? Selbst im Falle einer Anklage ist es zwar unwahrscheinlich, dass sie ihre Kandidatur freiwillig zurückzieht. Aber ist Clinton dann für die Demokraten noch tragbar? Die Partei könnte sich über sie hinwegsetzen und einen anderen Kandidaten nominieren.

          Clintons Aus – Sanders Sieg?

          Bernie Sanders ist Clintons einziger Gegenkandidat im Rennen um die Nominierung der Demokraten. Aber bedeutet ihr Aus auch automatisch seinen Sieg? Nicht unbedingt, wird in Amerika spekuliert. Für den für amerikanische Verhältnisse weit links stehenden Senator aus Vermont spricht, dass ihm sogar nicht einmal so schlechte Chancen gegen Donald Trump eingeräumt werden. In neuesten Umfragen schlägt sich Sanders sogar besser als Clinton gegen den rechtspopulistischen Republikaner – um rund sieben Prozentpunkte im Schnitt.

          Bernie Sanders: Zu links für die Nominierung?

          Aber das Blatt könnte sich schnell wenden, sobald die Republikaner beginnen, Sanders direkt zu attackieren. Bisher haben sie den Senator weitgehend in Ruhe gelassen; klar, denn je stärker sich ihr parteiinterner Widersacher im Nominierungsrennen schlägt, desto schwächer wirkt Hillary Clinton, die sich durch den unerwartet kräftezehrenden Vorwahlkampf noch nicht ganz auf das Duell gegen Trump konzentrieren kann. Wird Sanders den Angriffen Trumps standhalten? Ist der selbsternannte „demokratische Sozialist“ zu links, um die Stimmen der gemäßigten Liberalen zu gewinnen? Wird er als Präsident seine fast schon radikalen Ideen überhaupt durchsetzen können, muss er doch mit dem Kongress zusammenarbeiten? Sanders ist ein Wackelkandidat. Die Nominierung bei den Demokraten hätte er im Falle von Clintons Ausscheiden keineswegs sicher.

          „Ich wäre der beste gewesen, wäre ich angetreten“

          Im Gespräch ist Joe Biden, seit acht Jahren Vize-Präsident an der Seite Barack Obamas. Im vergangenen Oktober sagte Biden zwar, nachdem er sich für seine Entscheidung monatelang Zeit gelassen hatte, dass er nicht antreten werde. Als Grund nannte er allerdings den emotionalen Stress, unter dem seine Familie seit dem Tod ihres Sohnes Beau leide, nicht etwa mangelnde Nervenstärke. Im Mai behauptete Biden in einem Interview sogar: „Ich wäre der beste Präsident geworden, wäre ich angetreten.“

          Joe Biden: Hätte er es nur einfach selber gemacht.

          Auch hätte Biden schon jemanden als „running mate“ im Visier: Mit Elizabeth Warren, Senatorin in Massachusetts, liebäugelte der  Vize-Präsident bereits, als er sich noch nicht offiziell gegen eine Kandidatur entschieden hatte. Elizabeth Warren, die 2013 in einem überraschenden Rennen den Senatorensitz in Massachusetts von den Republikanern für die Demokraten zurückeroberte, gilt in den Vereinigten Staaten als „Heldin“ der Linksliberalen und heiße Kandidatin für Clintons Vizepräsidenten-Nominierung. Mit Biden hat sie allerdings mehr gemeinsam – auch war sie seinen damaligen Überlegungen über eine gemeinsame Kandidatur der beiden nicht abgeneigt, schreibt das amerikanische Politikmagazin „Politico“. Außerdem ist Warren eine der schärfsten Kritikerinnen des Super-Machos Trump. Selber antreten möchte sie nicht, das verkündete sie schon im März 2015.

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