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Reaktionen auf Kritik Trumps : „Besser, einige Ratten zu haben, als eine zu sein“

  • -Aktualisiert am

Sieht sich mit neuen Rassismusvorwürfen konfrontiert: der amerikanische Präsident Donald Trump Bild: AP

Mit seiner Kritik an einem afroamerikanischen Abgeordneten lenkt der amerikanische Präsident Donald Trump von seinen eigenen innenpolitischen Erfolgen ab. Doch er spielt lieber das Unschuldslamm.

          Eigentlich wäre es ein guter Zeitpunkt gewesen, Urlaub zu machen. Pünktlich zum Beginn der parlamentarischen Sommerpause konnte der amerikanische Präsident zwei Erfolge vermelden. Zum einen hatte der Oberste Gerichtshof ihm erlaubt, die Gelder, die er per Notstandsverordnung aus dem Bundeshausalt umgeleitet hatte, schon für den Bau der Grenzmauer zu verwenden, während die Verfassungsrichter in dem haushaltsrechtlichen Kompetenzstreit noch über einer Entscheidung in der Sache brüten. Zum anderen hatte Donald Trumps kommissarischer Heimatschutzminister Kevin McAleenan soeben im Oval Office gemeinsam mit dem Innenminister Guatemalas eine Drittstaatregelung unterzeichnet, welche die Migrantenzahl erheblich reduzieren soll und um die beide Staaten über Monate gerungen hatten.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Ein guter Zeitpunkt, golfen zu gehen? Trump juckte es in den Fingern. Kurz nachdem er auf Twitter den „großen Erfolg“ vor dem Obersten Gerichtshof gefeiert hatte, tippte er am Samstagmorgen: Der Abgeordnete Elijah Cummings sei ein „brutaler Rüpel“, der die großartigen Leute des Grenzschutzes wegen der Zustände an der Grenze zu Mexiko anbrülle. Dabei gehe es in dessen Kongressbezirk viel schlimmer zu. Sodann: „Cummings Bezirk ist ein widerlicher, von Ratten und Nagetieren verseuchter Saustall.“ Kein Mensch wolle da leben. Wenn er, Cummings, mehr Zeit in Baltimore verbringen würde, könnte er vielleicht helfen, diesen gefährlichen und verdreckten Ort aufzuräumen. Cummings vertritt seit 1996 den 7. Kongressbezirk in Maryland, der Teile Baltimores, der größten Stadt des Bundesstaates, umfasst.

          Auch am Sonntag legte Trump noch einmal nach und wies die Rassismusvorwürfe von sich: „Es ist nichts rassistisch daran, auszusprechen, was die meisten Menschen ohnehin wissen: Dass Elijah Cummings einen furchtbaren Job für die Menschen in seinem Bezirk und Baltimore gemacht hat“, schrieb er auf Twitter.

          59 Prozent der Bevölkerung des Wahlkreises sind Afroamerikaner – wie Cummings. Es ist ein heterogener Bezirk, mit sozialen Brennpunkten in der Stadt, in der in den vergangenen 20 Jahren Kriminalität und Drogenhandel erheblich zugenommen haben. Das Durchschnittseinkommen und der Akademikeranteil in dem Bezirk liegen aber über den Werten des Bundesstaates. Es ist gewiss nicht falsch zu behaupten, dass die Dinge in Baltimore in die falsche Richtung laufen. Dass Trump dafür Cummings verantwortlich macht, passt indes zu den Attacken, die der Präsident seit zwei Wochen gegen dunkelhäutige Abgeordnete fährt.

          Auslöser war eine Sitzung des Kontrollausschusses des Repräsentantenhauses vor wenigen Tagen. Ausschussvorsitzender Cummings grillte McAleenan wegen der desolaten Zustände in den Übergangsunterkünften für Migranten in Texas, vor allem in einer Einrichtung für unbegleitete Minderjährige in Clint nahe El Pasos. „Sie glauben doch, Sie tun Ihr Bestes, nicht wahr?“, so Cummings. McAleenan: „Wir tun unser Möglichstes.“ Cummings, nunmehr schreiend: „Was heißt das? Was heißt das, wenn ein Kind in seinem eigenen Kot sitzt und nicht duschen kann? Come on, man!“

          Trumps Angriffe vom Samstag erwiderte Cummings mit der Bemerkung, er wache jeden Morgen auf und kämpfe für seine Nachbarn. Nancy Pelosi, die „Sprecherin“ der ersten Kammer, äußerte, sie weise die „rassistischen Attacken“ zurück. Wie im Falle der Angriffe auf die vier linken Parlamentarierinnen schwieg die republikanische Kongressführung. Man stellt sich nicht gegen den Präsidenten, unterstützt ihn aber auch nicht.

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