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Das Fernsehduell bei Twitter : „Mit Pferden und Bajonetten“ gegen Romney

  • -Aktualisiert am

An Bord des ausgemusterten Schlachtschiffes „USS Wisconsin“: Mitt Romney und der republikanische Vizepräsidentenkandidat Paul Ryan wollen bei der Marine nicht kürzen. Bild: REUTERS

Der Debatte im Fernsehen folgt der Schlagabtausch bei Twitter. Romneys Klage über die angeblich so schwache Marine nutzte Obama zur Freude der Netzgemeinde zum verbalen Hieb.

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          Im dritten Fernsehduell zwischen Barack Obama und Mitt Romney hat der amerikanische Präsident gegen seinen Herausforderer mit einer sarkastischen Bemerkung gepunktet. Die Stichelei hatte ihren Ursprung in einem Lamento Romneys, die Marine der Vereinigten Staaten sei kleiner als je zuvor seit dem Jahr 1917. Sie habe weniger Schiffe als zu jedem anderen Zeitpunkt seit dem Ersten Weltkrieg. Weitere Kürzungen seien mit ihm nicht zu machen.

          Obamas Konter: „Nun ja, Gouverneur, wir haben auch weniger Pferde und Bajonette, weil sich das Wesen unseres Militärs geändert hat.“ Ebenso spöttisch fuhr er fort: „Wir haben diese Dinger, die Flugzeugträger heißen und auf denen Flugzeuge landen können. Und wir haben diese Schiffe für Unterwasser, atomar betriebene U-Boote“, dozierte Obama. Seine Botschaft sollte lauten: Romney versteht nichts von den militärischen Bedürfnissen der Vereinigten Staaten im 21. Jahrhundert. Damit taugt er nicht zum Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte, die der Präsident qua seines Amtes anführt.

          Internetnutzer griffen in den sozialen Medien vor allem diese Verbalattacke auf. Allein der Kurznachrichtendienst Twitter zählte in der Nacht zu Dienstag mehr als 105.000 Meldungen zu diesem Thema. Zwischenzeitlich wurde Obamas Bemerkung mehr als 60 000 Mal pro Minute getwittert, wie die Internetzeitung „Huffington Post“ berichtete.

          Auch Stunden später gehörte das Schlagwort „horsesandbayonets“ noch zu den am häufigsten verwendeten Worten unter Twitternutzern, die über den Dienst kurze öffentliche Nachrichten ins Netz schicken können.

          Für Twitternutzerin Carole Myers versinnbildlichen Pferde und Bajonette Romneys Unterlegenheit. Nonchalant weist sie auf Romneys missglückte Äußerung während des zweiten Fernsehduells hin. Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts hatte beim Thema Chancengleichheit davon gesprochen, er habe umgehend Ordner voller Frauen (“binders full of women“) erhalten, als er damals weibliche Kandidaten für sein Kabinett gesucht habe. Diese Formulierung wurde dem fünffachen Familienvater als Macho-Gehabe ausgelegt. Zudem weist Myers auf die „Bigbird“-Debatte und Romneys 47-Prozent-Patzer hin.

          Offensichtlich ließ sich auch Eche Madubuike von der Rhetorik Obamas überzeugen. Er nahm Obamas Äußerung zum Anlass, um Romneys Denkweise als ein Relikt der 1917er Jahre zu bewerten.

          Liz Heron, die Sozial-Media-Direktorin der amerikanischen Tageszeitung „Wall Street Journals“, schreibt, wie Romneys Anhänger konterten. Sie versuchen Obamas Äußerung als einen Fauxpas aussehen zu lassen. Die amerikanischen Marineinfanterie benutzt immer noch Bajonette, Obamas Kritik an Romney zeige deswegen, der amtierende Präsident verstehe nichts vom Militär.

          Obamas Sarkasmus sorgte dennoch größtenteils für Häme gegen Romney.

          Der ehemalige demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry ergriff die Gelegenheit, um staatsmännisch seinen Parteifreund Obama zu unterstützen. POTUS ist die Abkürzung für „Präsidenten der Vereinigten Staaten“. Sowohl Republikaner als auch Demokraten haben dafür gesorgt, dass die Marine weniger Schlachtschiffe zur Verfügung habe, sagte er.

          Trotz Obamas Verbalattacke ließ die Außenpolitik zwei Wochen vor der Wahl am 6. November - bisher eher Randthema im Wahlkampf - bei der Debatte in Boca Raton im amerikanischen Bundesstaat Florida keine weitreichenden Kontroversen und Emotionen aufkommen. Ob Syrien, Iran oder China - trotz unterschiedlicher Rhetorik waren sich Obama und Romney in vielen Fragen im Kern einig. Vielleicht erregte deswegen „horsesandbayonets“ so viel Aufmerksamkeit.

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