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D-Day-Feiern : Trumps „unglaublicher Erfolg“ in Großbritannien

  • -Aktualisiert am

Donald und Melania Trump in Southhampton auf dem Weg zur Air Force One Bild: AFP

Donald Trump war im Buckingham-Palast, er hat mit den Royals diniert und wertet seinen Besuch als großen Erfolg. Seine Kritiker sagen, er sei beim wichtigsten Verbündeten vor allem durch Lügen und Pöbeleien aufgefallen.

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          Zum Abschluss seines Besuchs in London und bevor er zur Feier des 75. Jahrestages des D-Day in Portsmouth aufbrach, sagte Donald Trump auf die Frage, warum er nicht in Vietnam gekämpft habe: „Ich hätte nichts dagegen gehabt, ich hätte mich geehrt gefühlt.“ Trump hatte sich seinerzeit wegen eines Fersensporns zurückstellen lassen. Durch seinen Dienst an der amerikanischen Nation mache er nun wett, was er damals verpasst habe, sagte der Präsident: „Ich denke, ich mache das jetzt wieder gut.“ Er habe schließlich auch das Verteidigungsbudget erhöht. Kurz vor den Feierlichkeiten wurden Amerikaner und Briten also wieder einmal daran erinnert, dass es für Donald Trump vor allem um eins geht: um sich selbst.

          So gab er in dem Interview nochmals zum Besten, wie „spektakulär“ seine mehr als zwei Jahre zurückliegende Vereidigungsfeier gewesen sei – und dass der Westen ihm sehr viel verdanke: „Ich habe den IS erledigt“, sagte Trump mit Bezug auf den militärischen Kampf gegen den „Islamischen Staat“. Fernsehjournalist Piers Morgan war stolz auf das „weltexklusive Interview“ und fragte entsprechend harmlos – er war 2007 Gewinner von Trumps Show „The Apprentice“.

          „Habe noch keine Proteste gesehen“

          In gewohntem Ton schloss Trump seinen Besuch in London bei Twitter ab: Die Reise sei „ein unglaublicher Erfolg“ gewesen, zitierte er eine bekannte Journalistin seines Lieblingssenders Fox News, Laura Ingraham. Der Sender hatte sich in den vergangenen Tagen alle Mühe gegeben, Trumps London-Trip so darzustellen. Doch für viele andere war er vor allem ein weiteres Beispiel dafür, dass der Präsident dem Ansehen Amerikas schade.

          Trump selbst nannte die amerikanisch-britischen Beziehungen unverdrossen das „großartigste Bündnis, das die Welt je gesehen hat“ und bezeichnete Königin Elizabeth gegenüber Journalisten als „great woman, great woman“. Die Konflikte zwischen beiden Staaten versuchte er zum Teil herunterzuspielen. Dafür beleidigte er den Bürgermeister von London, Sadiq Khan, als „Verlierer“ und tat so, als hätten Journalisten die Demonstrationen gegen seinen Besuch erfunden, als er twitterte: „Habe noch keine Proteste gesehen, aber ich bin sicher, die Fake News werden hart daran arbeiten, welche zu finden.“

          Der Präsident ärgerte die Briten bei diesem Besuch nicht nur dadurch, dass er beleidigte und log wie zu Hause. Trump sprach bei der Pressekonferenz mit Premierministerin Theresa May am Dienstag auch über deren mögliche Amtsnachfolger – auf eine Art, die die „New York Times“ an seine Castings in der Fernsehshow „The Apprentice“ erinnerte. Über den ehemaligen Außenminister Boris Johnson sagte Trump: „Ich mag ihn schon lange.“ Zu Hause gefiel das manchen: Das konservative Magazin „National Review“ titelte ohne erkennbare Ironie: „Warum wir Boris Johnson, einen von Trumps Favoriten für das Amt des Premierministers, nicht unterschätzen sollten“.

          Irritationen gab es auch bei anderen Themen. So wiederholte Trump etwa die Überlegung, dass auch der britische National Health Service (NHS) Teil eines neuen bilateralen Handelsabkommens sein könne. Amerikanische Pharmaunternehmen hätten gern einen besseren Zugang zum Markt in Großbritannien – das öffentliche Gesundheitssystem dort funktioniert jedoch über die Regulierung der Arzneimittelpreise. Nachdem viele britische Politiker Trumps Anmerkung kritisierten, ruderte der im Interview zurück.

          Viele Trump-Kritiker in den Vereinigten Staaten betonten, sein ganzes Auftreten schade nicht nur den Beziehungen mit den Verbündeten, sondern auch dem Ansehen Amerikas in der Welt. Angesichts seines Auftritts bei den D-Day-Feiern erinnerten manche daran, dass Trump schon oft autoritäre Herrscher lobte, die eben jene Werte bedrohten, die am D-Day verteidigt würden. Jüngstes Beispiel war der Besuch des rechtsnationalistischen ungarischen Premierministers Viktor Orbán – Trump lobte ihn im gleichen gönnerhaft-grandiosen Tonfall, den er auch der Queen zuteil werden ließ. Für „Washington Post“-Kolumnistin Jennifer Rubin war der Besuch in Großbritannien ein „neuer Tiefpunkt“, weil Trump beim wichtigsten Verbündeten vor allem durch Lügen und Pöbeleien aufgefallen sei. Manche Journalisten interpretierten das Geschenk der Königin an Trump, eine Originalausgabe des Churchill-Werkes „Der Zweite Weltkrieg“, als subtile Aufforderung, sich der Wichtigkeit und der Fundamente der gemeinsamen Partnerschaft bewusst zu werden.

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