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Cynthia Nixon : Die „Sex and the City”-Kandidatin für New York

  • -Aktualisiert am

Will Gouverneurin in New York werden: die Schauspielerin Cynthia Nixon Bild: AFP

Cynthia Nixon will Gouverneurin von New York werden. Was ihr an politischer Erfahrung fehlt, will sie mit einem linken Programm und einer enthusiastischen Kampagne wettmachen.

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          Miranda Hobbes war die Intellektuelle mit dem weichen Herzen in der Serie „Sex and the City“ – und wenn die Zuschauer hätten raten sollen, wer von den vier Freundinnen eine politische Karriere anstrebt, hätten wohl die meisten auf sie getippt. Purer Zufall, dass Cynthia Nixon, die die Anwältin verkörperte, nun tatsächlich Gouverneurin des amerikanischen Bundesstaates New York werden will.

          In der international erfolgreichen Serie verhandelte sie mit ihren Freundinnen beim Brunch die Höhen und Tiefen des Lebens und Datings in New York. Sexszenen, die ihre republikanischen Gegner für lustige Videos nutzen könnten, gibt es genug, sogar gelegentlich oben ohne. Ob Nixon diese Szenen nun selbst gedreht oder ein Bodydouble genutzt hat – Kampagnenmaterial aus dieser Richtung würde ihr wohl nicht erspart bleiben, wenn sie den Gouverneur Andrew Cuomo in der demokratischen Vorwahl für die eigentliche Gouverneurswahl im November schlagen könnte.

          Vorerst ignorieren die meisten Republikaner die Schauspielerin – dafür arbeiten sich aber viele Demokraten an Nixon ab. Der Gouverneur reagierte erst spöttisch auf ihre Kandidatur und sagte, er hoffe, dass Billy Joel, Brad Pitt und Angelina Jolie nun nicht auch noch kandidierten. Mittlerweile ist Cuomo Berichten aus seinem Umfeld zufolge allerdings verärgert, weil Nixon mehr Aufmerksamkeit erfährt und ernster genommen wird, als vorauszusehen war. Das liegt auch daran, dass sie besonders in der Stadt New York beliebt ist und dort auf ähnliche Themen setzt wie Bürgermeister Bill de Blasio.

          Mit linken Wahlversprechen punkten

          Nixon will mit linken Wahlversprechen punkten: Sie will Marihuana legalisieren, die öffentliche Kinderbetreuung ausbauen und die Situation von Einwanderern ohne Papiere verbessern. Dass sie kandidiert, schreibt sie vor allem der Präsidentschaft von Donald Trump zu. „Mir wurde klar, dass wir mehr tun müssen, wenn wir gegen die Agenda von Donald Trump kämpfen wollen. Ich glaube, wir müssen uns persönlich einmischen, und zwar bis hin zu Kandidaturen für die höchsten Ämter“, sagte die 52 Jahre alte Nixon in einer Titelgeschichte, die das „New York Magazine“ ihr kürzlich widmete. New York sei zwar ein demokratisch regierter Bundesstaat, „aber wir sind der Staat mit der größten sozialen Ungleichheit im ganzen Land, und er ist unter Andrew Cuomo noch ungleicher geworden“.

          Nixons Plattform ist Twitter: Ähnlich wie Präsident Trump setzt sie auf den direkten Draht zu ihren Unterstützern. Vor kurzem twitterte sie über den Streik von Mitarbeitern der Columbia Universität. Am Internationalen Tag der Arbeit postete sie ein Foto eines Protests gegen private Betreiber von Abschiebegefängnissen in Manhattan und schrieb: „Wir schicken eine Botschaft an die Wall Street: Hört auf, Trumps Gefängnisse zu finanzieren und seine rassistische Agenda zu unterstützen. Niemand sollte mit der Verzweiflung von Menschen Geschäfte machen.“

          Nixons Kandidatur für die Vorwahl am 13. September begeistert so vor allem linke Demokraten. Bei ihnen ist der Gouverneur, der Anfang November wiedergewählt werden will, besonders unbeliebt. Seine Gegner werfen Andrew Cuomo vor, dass er zu viele Kompromisse mit Republikanern mache. Besonders übel nehmen sie ihm, dass er die Steuern für Vermögende im Staat gesenkt habe und der „Independent Democratic Conference“ zu viel Macht gebe – das ist eine kleine Gruppe von Demokraten im Landesparlament, die häufig mit den Republikanern abstimmt.

          Der 60 Jahre alte Cuomo ist seit 2011 Gouverneur. Sein Vater Mario Cuomo hatte das Amt von 1983 bis 1994 inne. Andrew Cuomos Unterstützer gaben der Nixon-Kampagne gleich am Anfang einen kräftigen Sympathie-Schub. Seine Unterstützerin Christine Quinn nannte die Herausforderin eine „unqualifizierte Lesbe“. Nixon parierte via Twitter: „Faktisch lag sie richtig. Ich habe kein Zertifikat vom Ministerium für Lesbische Angelegenheiten, aber zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass man dafür auch viel Papierkram erledigen muss.“

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