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Keine Abriegelung : Angst vor den Corona-Flüchtlingen aus New York

  • -Aktualisiert am

Gute Reise: Trump schickt ein Hospitalschiff von Norfolk nach New York. Bild: Reuters

Viele New Yorker suchen anderswo Schutz vor dem Virus. So verbreiten sie es. Trump drohte mit Abriegelung, konnte sich aber nicht durchsetzen. Jetzt wackelt sein Plan für den Neustart der Wirtschaft.

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          Im Bundesstaat Rhode Island werden seit einigen Tagen Fahrzeuge mit New Yorker Nummernschild von der Polizei angehalten. Angehörige der Nationalgarde ziehen zudem von Haus zu Haus und erkundigen sich, ob die Bewohner in jüngster Zeit ihren Bundesstaat verlassen haben. Gouverneurin Gina Raimondo hatte diese Maßnahmen angeordnet. Und sie bestimmte: Wer in den vergangenen 14 Tagen in New York war, muss sich für zwei Wochen in häusliche Quarantäne begeben.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Providence, die Hauptstadt des kleinsten Neuenglandstaates, liegt für New Yorker gleichsam um die Ecke. Viele Bewohner des Epizentrums der Pandemie suchen anderswo Schutz. Manche haben ein Ferienhaus in New Hampshire. Andere versuchen es in dem Örtchen in Vermont, das man vom Skifahren kennt, zwei Autostunden von Albany entfernt. Neuengland ist ein beliebter Fluchtpunkt, zumal Florida nicht mehr so leicht zu erreichen ist.

          Dorthin hatten sich viele New Yorker abgesetzt, als die Krise in ihrem Bundesstaat ihren Anfang nahm. Gouverneur Ron DeSantis reagierte darauf mit einer Quarantäne-Anordnung für Coronavirus-Flüchtlinge aus New York und New Jersey. Die Verordnung wurde nun auf die Einwohner Louisianas ausgeweitet.

          Cuomo wusste nichts von Trumps Plänen

          DeSantis ist ein politischer Verbündeter Donald Trumps, des New Yorkers, dem Florida zur zweiten Heimat geworden ist. Am Samstag telefonierte der Präsident mit dem republikanischen Gouverneur. Das muss nach einem Telefonat Trumps mit Andrew Cuomo, dem Gouverneur von New York, gewesen sein. Doch dem hatte Trump nicht verraten, was er später DeSantis zusagte: Während Cuomo seine morgendliche Pressekonferenz zum Krisenmanagement in New York gab, liefen erste Meldungen, Trump erwäge, kurzfristig New York, New Jersey und Connecticut abzuriegeln. Teile der drei Bundesstaaten, zusammen Tristate genannt, bilden gemeinsam die Metropolregion New York mit Hunderttausenden Berufspendlern. Cuomo reagierte überrascht: Er wisse nichts von derartigen Plänen. Diese seien auch nicht umsetzbar.

          Trump befand sich gerade auf dem Weg nach Norfolk in Virginia, von wo aus sich das Lazarettschiff „Comfort“ mit tausend Betten nach New York auf den Weg machte, um Entlastung zu bringen. Es werde wohl nötig sein, die drei Bundesstaaten abzuriegeln, sagte er. Er werde zügig darüber entscheiden. Als Cuomo später erfuhr, dass Trump es ernst meinte, wandte er sich ein weiteres Mal an die Presse: Das sei illegal, schimpfte er nun. Es gebe dafür keine Rechtsgrundlage. Sodann: „Das ist eine Kriegserklärung an die Bundesstaaten.“ Chaos werde die Folge sein. Und die Börse werde sinken wie ein Stein.

          Rückzieher des Präsidenten auf Twitter

          Bevor der Streit weiter eskalierte, berieten das Weiße Haus und die Gouverneure noch einmal. Am Samstagabend folgte Trumps Rückzieher: „Eine Abriegelung wird nicht notwendig sein“, schrieb er auf Twitter. Stattdessen werde die Behörde für Seuchenbekämpfung neue Reisewarnungen aussprechen. Das „Center for Disease Control“ veröffentliche noch am Samstagabend die Aufforderung an die Bewohner der drei Bundesstaaten, in den nächsten 14 Tagen auf alle entbehrlichen Reisen zu verzichten.

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