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Prepper in Amerika : Eine Ranch für Apokalyptiker

  • -Aktualisiert am

Drew Miller, Betreiber der Fortitude Ranch Bild: Fortitude Ranch

Was, wenn das Coronavirus nur der Anfang ist? Drew Miller bietet Ängstlichen Unterkunft und Verpflegung für tausend Dollar im Jahr. Notfalls gibt er den Schießbefehl.

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          Wer von Amerikas Hauptstadt Washington mit dem Auto mehr oder weniger geradeaus nach Westen fährt, landet nach etwa zweieinhalb Stunden in einem Dorf, das den vielsagenden Namen Lost City trägt. Hier, gleich hinter der Grenze des Bundesstaates West Virginia, steht ein auf den ersten Blick unscheinbares Gehöft. Von der Straße aus sieht man weder die Bunker in der Erde, noch die Waffen, die einige der anwesenden Männer bei sich tragen, um die Gebäude zu bewachen.

          „In ruhigen Zeiten ist es ein Ort, an dem man einfach Urlaub machen kann. In unruhigen Zeiten aber ist es ein Ort, an dem man Tod und Untergang entgehen kann.“ Drew Miller macht am Telefon trotz der dramatischen Wortwahl einen recht unaufgeregten Eindruck, wenn er über sein ungewöhnliches Unternehmen spricht. Der frühere Luftwaffenoberst mit einem Doktortitel der Universität Harvard ist Geschäftsführer einer Firma, die sich auf apokalyptische Szenarien spezialisiert hat.

          Angriffe mit Nuklearwaffen, Bürgerkriege, tödliche Epidemien – das sind laut Eigenwerbung im Internet nur einige der Gefahren, denen „Mitglieder“ auf Millers „Fortitude Ranches“ (auf deutsch etwa „Farmen der Standhaftigkeit“) entgehen können sollen. Neben der Zweigstelle in West Virginia gibt es noch eine Ranch in Colorado, auf der Miller gerade die meiste Zeit verbringt. In Wisconsin und Nevada seien weitere Höfe in Planung und in absehbarer Zeit soll es insgesamt zwölf Zufluchtsstätten im ganzen Bundesgebiet geben. „Wir sind Prepper und helfen anderen Preppern“, sagt Miller.

          Prepper werden Menschen genannt, die sich auf das Überleben nach katastrophalen Ereignissen, aber auch für den Fall, dass die staatliche Ordnung zerfällt, vorbereiten. Bei den Preppern dreht sich alles um die Fragen: Wie und wo finde ich Schutz, wenn die Heimat von einer Katastrophe heimgesucht wird und Behörden, Regierung oder Markt nicht mehr helfen können?

          In Deutschland stand der Begriff in den vergangenen Jahren vor allem mit Reichsbürgern und anderen Rechtsextremen in Verbindung. In den Vereinigten Staaten, wo Eigenverantwortung und Pioniergeist kulturhistorisch eine große Rolle spielen, hat das Konzept eine längere Tradition, ist vielleicht auch gesellschaftlich eher akzeptiert. Wobei auch unter amerikanischen Preppern die Übergänge zwischen unpolitischen Abenteurern, Verschwörungstheoretikern und Systemgegnern fließend sind.

          Die Fortitude Ranch in West Virginia

          „Wir wollen mit Spinnern nichts am Hut haben“, sagt Miller, der Teile seiner Militärkarriere in Deutschland verbracht hat und fließend Deutsch spricht. Dass auch er und seine Mitstreiter von den Behörden wahrscheinlich kritisch beäugt würden, belaste ihn nicht. Es gehe ihm schließlich allein um die Frage, wie man als Gruppe „nach einem Kollaps“ am besten überleben könne. „Im Ernstfall werden wir auf der Ranch genug Vorräte haben, um bis zu fünfhundert Mitglieder ein Jahr lang zu ernähren“, versichert er. Wenn die Lage es zulasse, Gemüse anzubauen oder jagen zu gehen, könnte man auch deutlich länger durchhalten. „Dann würden wir etwas ganz Neues aufbauen.“

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