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Corona-Pandemie in Amerika : Plötzlich ist Trump doch für Masken

Bloß nicht aufsetzen, nur vors Gesicht halten: Präsident Trump auf Besuch in einer Fabrik in Michigan im Mai 2020 Bild: Reuters

Bislang weigerte sich Trump, eine Maske zum Schutz vor dem Coronavirus zu tragen. Jetzt erleben die Amerikaner bei ihrem Präsidenten einen Sinneswandel – der mit einem Rekord bei den täglichen Neuinfektionen zusammenhängen könnte.

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Lange machte Donald Trump keinen Hehl daraus, was er von Masken zum Schutz vor dem Coronavirus hält: nichts. Bereits im April, als die Gesundheitsbehörde CDC Amerikanern das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit empfahl, distanzierte sich Trump sogleich davon. Er werde keine Maske tragen, es handle sich um eine freiwillige Maßnahme, keine Vorschrift, sagte er. Auch, als im Mai eine Maskenpflicht für alle öffentlichen Bereiche des Weißen Hauses eingeführt wurde, weigerte sich Trump, einen solchen Schutz anzulegen. Seine Begründung: „Ich komme niemandem so nahe.“ Öffentliche Auftritte absolvierte Trump seither ostentativ ohne Mundschutz. Gegenüber dem „Wall Street Journal“ behauptete er vor ein paar Wochen, manche Menschen trügen ihn nur, um ein politisches Statement gegen ihn zu setzen.

          Doch jetzt klingt der Präsident plötzlich ganz anders: „Ich bin für Masken“, sagte Trump am Mittwoch dem Sender Fox Business News. Natürlich würde er eine Maske tragen, wenn er auf engem Raum mit anderen Menschen zusammen sei, schob er hinterher, „auf jeden Fall“. Und natürlich habe er „kein Problem“ damit, in der Öffentlichkeit einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

          Präsident Trump im Mai 2020 in Michigan. Wird er die Maske aufziehen?

          Ist der Präsident plötzlich zur Besinnung gekommen? Das dürfte sich mancher Amerikaner gefragt haben – bis er Trumps Begründung für seine neu entdeckte Liebe zum Mundschutz hörte: „Ich hatte sogar eine Maske auf (und) ich mochte irgendwie, wie ich ausgesehen habe. Es war eine dunkle, schwarze Maske und ich fand, es sah in Ordnung aus.“ Er habe ausgesehen wie „Lone Ranger", eine fiktive Figur, die unter anderem aus Westernfilmen bekannt ist – und eine Augenmaske trägt.

          In Wirklichkeit dürfte Trumps Kehrtwende aber weniger mit Westernfiguren zu tun haben als vielmehr mit den zuletzt rasant gestiegenen Infektionszahlen, vor denen der oberste amerikanische Immunologe Anthony Fauci seit Tagen warnt. Innerhalb von 24 Stunden wurden in den Vereinigten Staaten 52.898 neue Ansteckungsfälle verzeichnet, teilte die Johns-Hopkins-Universität in der Nacht zu Donnerstag mit. Dies ist die höchste Zahl seit dem Ausbruch in Amerika. Schon in den letzten Tagen hatte Fauci davor gewarnt, die Zahl der Neuinfektionen in Amerika könnte bald bei 100.000 pro Tag liegen. Insgesamt sind in den Vereinigten Staaten mittlerweile fast 2,7 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert.

          Der Mann ohne Maske: Donald Trump im Mai mit dem obersten Immunologen Anthony Fauci (r.) und Deborah Birx, Koordinatorin der Coronavirus-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses

          Trotz dieser Zahlen findet Trump, das Tragen einer Maske müsse in den Vereinigten Staaten keine Pflicht sein, weil es im Land „viele Orte“ gebe, an denen die Menschen weit voneinander entfernt lebten, wie er „Fox Business News“ sagte. „Wenn die Leute sich gut damit fühlen, sollen sie eine Maske tragen.“

          Überhaupt glaube er noch immer, schob er auf Nachfrage dann hinterher, dass das Coronavirus „irgendwann“ von allein verschwinden werde. Und das war dann trotz „Lone Ranger“ doch wieder der Donald Trump, den die Amerikaner kennen.

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