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Befragung des früheren FBI-Chefs : Trump will nach Comey-Befragung kämpfen

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„Mein Eindruck war, er wollte etwas von mir dafür, dass ich meinen Job behalten kann“: James Comey vor dem Senatsausschuss Bild: Reuters

In seiner Anhörung vor dem Geheimdienstausschuss macht der geschasste FBI-Chef James Comey dem amerikanischen Präsidenten schwere Vorwürfe. Trumps Äußerungen über ihn und das FBI seien „schlicht und einfach Lügen.“ Das Weiße Haus widerspricht.

          Der entlassene frühere FBI-Chef James Comey hat die Haltung von Präsident Donald Trump zu den Ermittlungen in der Russland-Affäre als „sehr beunruhigend“ bezeichnet. Es sei jedoch nicht seine Aufgabe zu beurteilen, ob sich Trump mit seinem Vorgehen der Behinderung der Justiz schuldig gemacht habe, sagte Comey am Donnerstag während seiner Anhörung durch den Geheimdienstausschuss des Senats in Washington. Diese Frage müsse der FBI-Sonderermittler Robert Mueller klären.

          In der sogenannten Russland-Affäre geht es um möglicherweise illegale Kontakte und Absprachen von Trumps Vertrauten mit Russland, die vom FBI derzeit untersucht werden – einst unter der Führung Comeys. Haben Trumps Mitarbeiter mit Hilfe Russlands die amerikanische Präsidentschaftswahl beeinflusst und sich so kompromittierende Informationen über die Demokraten beschafft?

          Comey wirft Trump „Diffamierung“ vor

          Der Anfang Mai von Trump völlig überraschend gefeuerte Comey warf dem Präsidenten zu Beginn seiner Aussage vor, ihn selbst sowie seine frühere Behörde „diffamiert“ zu haben: Die Regierung habe „Lügen“ verbreitet, indem sie nach seiner Entlassung behauptet habe, die Bundespolizei sei „in Unordnung“ und „schlecht geführt“ worden.

          Trump reagierte mit Kampfbereitschaft auf die Aussagen von Comey. „Wir werden kämpfen und gewinnen", sagte der Präsident
          am Donnerstag vor Anhängern in Washington. Das Weiße Haus wies Comeys Vorwürfe zurück. „Der Präsident ist kein Lügner", sagte Sprecherin Sarah Huckabee Sanders. Dies könne sie „mit Gewissheit sagen".

          Comey erklärte während der Anhörung, er habe von fast allen seiner neun Begegnungen mit Trump – teilweise am Telefon, teilweise persönlich – unmittelbar Gesprächsnotizen angelegt. „Ich hatte den Eindruck, es könnte sein, dass ich die Aufzeichnungen brauchen werde, nicht nur um mich selbst zu verteidigen, sondern auch das FBI“, sagte Comey. Er habe die Befürchtung gehabt, dass Trump später nicht die Wahrheit über den Inhalt der Unterredungen sagen würde. Comey gab auch zu, dass er selbst Informationen über ein Gespräch mit Trump über einen Freund an die Medien geleitet hatte, um so die Einsetzung eines Sonderermittlers zu erreichen.

          Comey führte an, dass die von der Regierung vorgebrachten „wechselnden Erklärungen“ für seine Entlassung ihn „verwirrt und zunehmend in Sorge versetzt“ hätten. Der Präsident hatte zunächst verschiedene Gründe angegeben und dann später in einem Interview gesagt, er habe auch „diese Russland-Sache“ im Kopf gehabt.

          Der gefeuerte FBI-Chef hält es daher für wahrscheinlich, dass er wegen der Russland-Ermittlung von Trump entlassen wurde. Auf die Frage, ob er glaube, dass die Untersuchung des FBI eine Rolle gespielt habe, sagte Comey am Donnerstag: „Ja, denn ich habe gehört, wie der Präsident das gesagt hat.“ Er wisse es nicht sicher, nehme Trump aber beim Wort.

          Diese Begründung sowie diverse Medienberichte über die Vorgeschichte von Comeys Rauswurf hatten in den vergangenen Wochen den Verdacht geschürt, dass sich Trump der Justizbehinderung schuldig gemacht haben könnte.

          Comey verstand Trumps Bitte als klare Aufforderung

          Der frühere FBI-Direktor gab diesem Vorwurf neue Nahrung, indem er in einem langen schriftlichen Statement für den Ausschuss bestätigte, dass Trump ihn gebeten habe, die wegen der Russland-Affäre über seiner Präsidentschaft hängende „Wolke“ zu vertreiben und die Ermittlungen gegen den zurückgetretenen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn einzustellen.

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