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Ehemaliger Anwalt : Cohen verklagt Trump-Organisation auf Millionenbetrag

Michael Cohen vor einem amerikanischen Gericht in Washington Bild: Reuters

Michael Cohen fordert von Donald Trumps Organisation einen Millionenbeitrag zurück. Es handele sich dabei um Anwaltskosten – auch im Fall Stormy Daniels. Paul Manafort muss derweil eine hohe Gefängnisstrafe befürchten.

  • Aktualisiert am

          Der frühere Anwalt von Amerikas Präsident Donald Trump, Michael Cohen, verklagt die Trump-Organisation auf Zahlung von rund 1,9 Millionen Dollar Anwaltskosten. Nach der am Donnerstag bei einem Gericht im Bundesstaat New York eingereichten Klage handelt es sich dabei um Ausgaben, die Cohen für seinen Rechtsbeistand in zahlreichen Anhörungen und Verfahren aufwenden musste. Cohens Anwälte werfen der Trump-Organisation Vertragsbruch vor. Sie argumentieren, die Trump-Organisation habe im Juli 2017 vereinbart, die Kosten für Cohens Anwälte bei den diversen Untersuchungen zu übernehmen.

          Der 52 Jahre alte Cohen hat sich nach fast einem Jahrzehnt Zusammenarbeit von Trump abgewandt und vor Gericht und dem amerikanischen Kongress schwere Vorwürfe gegen den Präsidenten erhoben. Im vergangenen Jahr hatte sich Cohen selbst vor Gericht wegen mehrerer Vergehen schuldig bekannt, unter anderem wegen einer Falschaussage vor dem Kongress und wegen Verstößen gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung. Bei letzterem handelte es sich um Schweigegeldzahlungen, die Cohen nach eigener Aussage im Auftrag von Trump ausgeführt hatte. Im Dezember wurde der ehemalige Anwalt zu drei Jahren Haft verurteilt, die er im Mai antreten soll.

          In der Klage heißt es nun, trotz der Vereinbarung weigere sich die Trump-Organisation seit Mai vergangenen Jahres, Cohens Anwaltskosten zu bezahlen. Die offenen Rechnungen und damit zusammenhängende Kosten summierten sich auf etwa 1,9 Millionen Dollar, darunter falle etwa auch die vermeintliche Schweigegeldzahlung für die Pornodarstellerin Stormy Daniels. Durch den Vertragsbruch sei Cohen zudem weiterer Schaden entstanden, den die Trump-Organisation ebenfalls erstatten müsse. Die endgültige Summe solle bei dem Gerichtsverfahren bestimmt werden.

          Zusammen mit Mueller gegen Trump

          Cohen arbeitet mit FBI-Sonderermittler Robert Mueller zusammen. Trump hat ihn deswegen öffentlich als „Ratte“ bezeichnet. Eine Sprecherin seiner Organisation äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen, wie die New York Times berichtet. Bei den Untersuchungen von Sonderermittler Robert Mueller geht es unter anderem um die Frage, ob es im Präsidentschaftswahlkampf 2016 Geheimabsprachen des Trump-Lagers mit Russland zugunsten des Republikaners gegeben hat und ob Trump die Justiz behindert hat.

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          Am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) sollte vor einem Gericht in der Nähe der Hauptstadt der Vereinigten Staaten, Washington, das Strafmaß für Trumps früheren Wahlkampfmanager Paul Manafort verkündet werden. Der 69 Jahre alte Lobbyist und Politikberater war bereits im vergangenen August von Geschworenen in dem Prozess in Alexandria (Bundesstaat Virginia) unter anderem wegen Steuerhinterziehung und Bankbetrugs schuldig gesprochen. Ihm droht eine lange Haftstrafe, womöglich sogar für den Rest seines Lebens. Sein Strafmaß bewegt sich laut Staatsanwaltschaft im Rahmen von 19 bis 24 Jahren. Manafort wird 70 Jahre alt im kommenden Monat. Dieser Prozess hat nicht direkt etwas mit der Russland-Affäre um Trump zu tun.

          In einem weiteren Prozess muss sich Manafort vor einem Gericht in Washington verantworten. In diesem Verfahren, das mit seiner früheren Beratertätigkeit in der Ukraine zusammenhängt, soll in der kommenden Woche das Urteil verkündet werden. Manafort werden darin Verschwörung und Behinderung der Justiz vorgeworfen. Im vergangenen September hatte Manafort die Zusammenarbeit mit dem Mueller-Team vereinbart. Nach Überzeugung des Gerichts in Washington hat Manafort Muellers Team aber bei dessen Ermittlungen belogen und damit gegen eine Vereinbarung für Strafminderung verstoßen. Auch in diesem Verfahren droht Manafort eine lange Haftstrafe.

          Spekuliert wird, dass Manafort womöglich auf eine Begnadigung durch Trump hoffen könnte. Trump hat mehrfach kritisiert, Manafort werde ungerecht behandelt. Trump selbst weist vehement zurück, dass es im Wahlkampf 2016 geheime Absprachen mit Russland gab. Der Präsident nennt die Mueller-Ermittlungen eine „Hexenjagd“.

          Die Trump-Organisation umfasst die vielen verschiedenen Unternehmen der Firmengruppe Trumps. Mit seinem Amtsantritt im Januar 2017 zog sich der Präsident zwar aus der operativen Führung zurück, die er seinen beiden ältesten Söhnen überließ. Er ist aber weiterhin Besitzer der Trump-Organisation.

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