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Cohen gegen Trump : Die Bombe platzt gleich zu Beginn

Michael Cohen vor dem Ausschuss Bild: AFP

Mit der Aussage von Trumps früherem Anwalt Michael Cohen kommt die Russlandaffäre auf die parlamentarische Bühne. Cohen und seine Rechtsberater haben einen Sinn für Dramaturgie.

  • -Aktualisiert am

          Der Vorsitzende des Kontrollausschusses wusste, was ihm am Mittwoch bevorstehen würde. Sekunden nachdem Elijah Cummings die Sitzung eröffnet, stellen die Republikaner den Antrag, die Anhörung zu verschieben. Darin sollte Michael Cohen, der langjährige Anwalt Trumps, eine frühere Aussage gegen den Präsidenten korrigieren. Das Eröffnungsstatement war zuvor an die Öffentlichkeit durchgestochen worden, was die Republikaner als Beleg für eine Missachtung des Kongresses durch den Geladenen betrachtet. Aufregung im Saal. Es kommt zur Abstimmung. Die Demokraten lehnen das Ansinnen der Gegenseite ab. Sie haben jetzt die Mehrheit. Endlich kann die Russland-Affäre, die bislang ausschließlich in den Händen von Sonderermittler Robert Mueller lag, auf die parlamentarische Bühne gehoben werden.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Cohen und seine Rechtsberater haben einen Sinn für Dramaturgie. Eine Bombe lässt der Geladene gleich zu Beginn seiner Aussage platzen. Gerade hat er mit einem Dreiklang eine Art Gliederung seiner folgenden Aussage über Trump vorgetragen: „Er ist ein Rassist. Er ist ein Hochstapler. Er ist ein Betrüger.“ Dann folgt gleichsam ein Vorspann, der dem Publikum den Mund wässrig machen soll: Der Präsidentschaftskandidat habe gewusst, dass Roger Stone, sein langjähriger Vertrauter, mit Julian Assange, dem Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, über die bevorstehende Veröffentlichung von E-Mails der Demokraten gesprochen habe – E-Mails, die nach Erkenntnissen der amerikanischen Nachrichtendienste von russischen Stellen gehackt wurden. Er werde das gleich ausführen, trägt Cohen vor, als wolle er eine kurze Werbepause ankündigen.

          TV-Event bei Bier und Snacks

          Die Aussage ist ein Medienereignis. Bars in Washington haben eigens früher geöffnet, um Leuten, die im Regierungsviertel arbeiten, die Möglichkeit zu geben, ihre Büros für einige Zeit zu verlassen und das TV-Event bei Bier und Snacks zu verfolgen.

          „Breaking News“: Die Anhörung wird in einem Irish Pub gezeigt.

          Die Aussage zur Wikileaks-Affäre belastet den Präsidenten schwer. Sie hat inzwischen zur Anklage von Stone geführt, der im Wahlkampf 2016 zeitweilig als Berater für Trump arbeitete. Trump hat mehrfach öffentlich erklärt, nichts von den Kontakten zwischen Assange und Stone gewusst zu haben – Kontakten, die mittelbar eine Zusammenarbeit mit russischen Stellen darstellen. Bislang hieß es stets, Stone habe ein ranghohes Mitglied aus dem Umfeld Trumps informiert. Der Name Steve Bannon war in diesem Zusammenhang bislang immer wieder genannt worden, jener Mann, der im August 2016 Paul Manafort als Wahlkampfleiter abgelöst hatte.

          Nun sagt Cohen: Im Juli des Jahres, wenige Tage vor dem Parteitag der Demokraten, auf dem Hillary Clinton formell zur Präsidentschaftskandidatim gekürt wurde, sei er in Trumps Büro gewesen. Da habe seine Sekretärin gesagt, Stone sei am Telefon. Dieser habe Trump, der den Anruf auf Lautsprecher gestellt habe, mitgeteilt, er habe soeben mit Assange gesprochen. Der habe ihm gesagt, es werde in den Tagen eine „riesige Ladung“ an E-Mails aus dem Clinton-Team geben. Trump habe erwidert: „Wäre das nicht großartig?“

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