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Clinton vs. Trump : Was wirklich in dieser TV-Debatte zum Vorschein kam

  • Aktualisiert am

Sieg mit zweifelhaftem Nutzen: Donald Trump fiel Hillary Clinton deutlich häufiger ins Wort als umgekehrt Bild: AP

Die Strategien der Kandidaten beim TV-Duell waren klar: Clinton zeigte sich als herzliche Frau aus kleinen Verhältnissen – und Trump versuchte alles, um nicht auszurasten. Das ist ihm nur fast gelungen. Acht Erkenntnisse aus der Nacht.

          Hillary Clinton hat gewonnen. Zu diesem Ergebnis kommen nach dem ersten TV-Duell mit Donald Trump die meisten politischen Kommentatoren. Wie kam es dazu? Schaut man sich die Debatte genauer an, scheinen die Strategien der Kampagnen-Manager durch, einstudierte rhetorische Figuren werden deutlich und kurze Momente sichtbar, in denen die Kandidaten das Gesicht verlieren. Acht Beobachtungen aus der TV-Debatte.

          1. Mann gegen Frau: Trump versucht freundlich zu bleiben

          Zu Beginn der Debatte geben sich die beiden Kandidaten die Hände, so ist es üblich. Trump berührt dabei Hillary Clintons Arm, tätschelt ihr kurz die Schulter. Er lächelt. Man könnte meinen, es handele sich dabei um eine „Touchdown" – wer den anderen berührt, der erhebt sich über ihn. Katharina Walkling-Spieker, Expertin für verbale Strategien bei TV-Duellen, glaubt eher: „Trump versucht lediglich freundlich rüberzukommen.“

          Nachdem sich während des gesamten Wahlkampfes gezeigt hat, dass Trump offenkundig ein Problem mit Frauen hat – einige hat er verspottet, andere direkt beschimpft –, muss er jetzt demonstrativ die Form wahren. Bei Trump kommt hinzu, dass er üblicherweise eher aggressiv auftritt. Beides zusammen hätte zum Vorteil für Hillary Clinton werden können. „Wäre Trump zu hart zu ihr gewesen, hätte das zum Bumerang-Effekt für ihn selbst werden können“, meint Katharina Walkling-Spieker.

          2. Clinton in der Präsidentenrolle

          Einmal wirft Trump seiner Gegnerin vor, sie habe etwas einstudiert. Clinton gibt daraufhin überraschend zu, sich tatsächlich auf die Debatte vorbereitet zu haben. „So wie ich vorbereitet bin, Präsidentin zu sein. Und ich glaube, das ist gut so.“ Einen Angriff auf ihre Fähigkeiten und ihre Vorbereitung verwandelt Clinton also in ein Kompliment. „Hillary Clinton setzt sich hier selbstbewusst in Beziehung zum angestrebten Amt. Das ist eine typische Strategie für amerikanische Präsidentschaftskandidaten", sagt Katharina Walkling-Spieker. Vermutlich handelt es sich um eine einstudierte rhetorische Figur. Trump reagiert auf den Konter nicht mehr. Er wirkt geplättet und zieht bloß die Augenbrauen hoch.

          Clinton nimmt damit zugleich eine Form der Abgrenzung vor, die sich später fortsetzt: Trump zeigt sich, wie auch im restlichen Wahlkampf, eher impulsiv – Clinton dagegen gibt die besonnene, gut vorbereitete Bewerberin auf das Amt.

          3. Clinton stilisiert sich als einzige Erwachsene auf der Bühne

          Es gibt einen bezeichnenden Moment in der Debatte. Donald Trump echauffiert sich verhältnismäßig lange über Politiker, seine Rede wirkt ziellos. Am Ende sagt Clinton bloß: „Wuh, okay.“

          Walkling-Spieker hält das für eine kluge Reaktion. „Damit hat Clinton gezeigt: ‚Lass ihn das mal alles sagen, er muss es mal rauslassen.‘ Sie zeigt Humor, er dagegen übererklärt sich und manövriert sich damit in die Defensive“, so die TV-Duell-Expertin. „An anderen Stellen belächelt Clinton ihn amüsiert. Sie demonstriert ihre eigene Überlegenheit.“

          Trump wirkt dadurch stellenweise wie ein schlecht erzogenes Kind. Während Clinton redet, unterbricht er sie häufig, Clinton spricht aber unbeirrt weiter. Im letzten Drittel der Debatte nennt Clinton Beispiele dafür, wie unkontrolliert Trump ist. So jemand dürfe keine Macht über Nuklearwaffen haben und auf keinen Fall Commander in Chief sein. „Es ist Clinton mehrfach gelungen, ihn subtil aus der Reserve zu locken", sagt Walkling-Spieker.

          4. Trump bleibt verhältnismäßig kontrolliert

          Zu einem der typischen Trump-Ausfälle, die den bisherigen Wahlkampf bestimmt haben, ist es beim TV-Duell nicht gekommen. Gut möglich, dass ihm sein neues Team eingeschärft hat, auf keinen Fall die Haltung zu verlieren. Wähler könnten, wie Clinton argumentiert, die mangelnde Selbstbeherrschung als Indiz für Trumps Unberechenbarkeit werten. „Am Anfang bleibt Trump noch gut kontrolliert, als würde er sich an die Ratschläge halten. Nach etwa einer halben Stunde wird sein Stil aggressiver", sagt Walkling-Spieker. Er wirkt etwas fahrig, gestikuliert, trinkt häufiger und sucht teilweise nach Worten. „Vor allem unterbricht er Clinton ständig.“ Clinton reagiert darauf nicht, Trump steht im Regen.

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