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Faktencheck : Wie aufrichtig waren Trump und Clinton?

  • -Aktualisiert am

Weltweites Interesse: Auch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul verfolgten viele Menschen das erste TV-Duell zwischen Clinton und Trump Bild: AP

Vor allem Donald Trump, mitunter aber auch Hillary Clinton stehen wegen ihres lockeren Umgangs mit der Wahrheit immer wieder in der Kritik. Wer sagte beim TV-Duell öfter die Unwahrheit? Der FAZ.NET-Faktencheck.

          Fakten spielen im Wahlkampf manchmal eine untergeordnete Rolle – zumal, wenn es um die amerikanische Präsidentschaft geht. Das zeigte auch das erste TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump. Besonders der Republikaner ließ es sich nicht nehmen, die Wahrheit wiederholt zu seinen Gunsten auszuschmücken – obwohl seine Gegnerin Clinton die Zuschauer mehrmals dazu aufrief, sich durch Faktenchecks im Internet zu informieren.

          Nach dem Vorbild zahlreicher amerikanischer Medien haben auch wir einen Faktencheck zusammengestellt und die wichtigsten Aussagen der Präsidentschaftskandidaten während der Debatte auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Die Bilanz: Vor allem der Republikaner Donald Trump nimmt es immer noch nicht sehr genau mit der Wahrheit, oft verdreht oder präsentiert er die Fakten unvollständig oder aus dem Zusammenhang gerissen. Aber auch Hillary Clinton beweist bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt mit Trump, dass sie der politischen Schwindelei ebenfalls nicht ganz abgeneigt ist.

          Trump: „Wir zahlen in etwa 73 Prozent der Nato-Kosten“

          Stimmt nicht: Die amerikanischen Militärausgaben repräsentieren nach Angaben der Nato ungefähr 73 Prozent der gesamten Militärausgaben aller 28 Mitgliedsstaaten des Verteidigungsbündnisses. Das ist kaum überraschend, schließlich gab die amerikanische Regierung alleine im Jahr 2015 fast 600 Milliarden Dollar für militärische Zwecke aus. Zum Vergleich: Nach den Daten des International Institute for Strategic Studies lag der deutsche Verteidigungsetat im selben Jahr bei rund 44 Milliarden Dollar. Die Mehrausgaben der amerikanischen Regierung bedeuten allerdings nicht, dass sie auch 73 Prozent der Nato-Kosten trägt. Ausgaben wie die laufenden Betriebskosten für die Zentrale in Brüssel sind beispielsweise nicht in diese Berechnung mit einbezogen.

          Was interessieren mich meine Fakten von gestern? Donald Trump nach dem ersten TV-Duell mit Hillary Clinton

          Trump: „Wir haben eine negative Handelsbilanz von fast 800 Milliarden Dollar pro Jahr mit sämtlichen Ländern, mit denen wir Geschäfte machen.“

          Stimmt nicht: Nach Angaben des amerikanischen statistischen Bundesamts gaben die Vereinigten Staaten im Jahr 2015 zwar für Importe etwa 762 Milliarden Dollar mehr aus, als sie durch Exporte wieder einnahmen – diese Zahl gilt allerdings nur für den Warenhandel. Im Dienstleistungssektor erreichte Amerika 2015 eine positive Handelsbilanz von etwa 262 Milliarden Dollar. Damit lag das Handelsdefizit lediglich bei rund 500 Milliarden Dollar und nicht, wie von Trump behauptet, bei 800 Milliarden.

          Trump: „Laut einem Bericht, den ich gerade gesehen habe, haben wir sechs Billionen Dollar in Nahost ausgegeben.“

          Stimmt: In einer Studie aus dem Jahr 2013 hat die Harvard-Wissenschaftlerin Linda Bilmes berechnet, dass die Einsätze im Irak und in Afghanistan die Amerikaner zwischen vier und sechs Billionen Dollar gekostet haben. Damit wären diese beiden Nahost-Interventionen nach Bilmes die „teuersten Kriege in der Geschichte der Vereinigten Staaten“. Mit seiner Aussage liegt Trump also in etwa richtig – obwohl es in der Studie genau genommen „vier bis sechs“ Billionen Dollar heißt.

          Das erste Aufeinandertreffen zwischen Clinton und Trump war mit großer Spannung erwartet worden

          Trump: „Fast 4.000 Menschen wurden (in Chicago) getötet, seit Barack Obama Präsident geworden ist.“

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