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China und Trump : Warum Peking sich jetzt Berlin zuwendet

  • -Aktualisiert am

Donald Trump auf dem Cover der chinesischen Zeitschrift „Global People“ Bild: AFP

China bereitet sich auf harte Zeiten vor. Ein Handelskrieg mit den Vereinigten Staaten scheint möglich. Davon könnte Deutschland profitieren.

          Während Chinas Staatspräsident Xi Jinping sich die vergangenen Tage beim World Economic Forum in Davos feiern ließ, bereiten seine Berater daheim in Peking Krisenpläne vor. Nach dem Amtsantritt Donald Trumps rechnen Chinas Vordenker, so ihre übereinstimmenden Voraussagen, mit schwierigen und konfliktreichen Zeiten.

          Trump hat sich wiederholt kritisch über China geäußert, zuletzt im Interview mit der Londoner „Times“ und der „Bild“-Zeitung, in dem er China als großes Problem beschrieb. Das Land, so Trump, vernichte Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten und manipuliere seine Währung, um einen Handelsüberschuss zu erzielen. Trump hat drei ausgewiesene China-Kritiker mit wirtschaftsrelevanten Kabinettspositionen bedacht.

          Taiwan-Frage ist „Büchse der Pandora“

          Zur Durchsetzung seiner Forderung nach für Amerika vorteilhafteren Konditionen hat Trump ein schweres Geschütz aufgefahren: die Taiwan-Frage. Er werde Pekings Alleinvertretungsanspruch nur anerkennen, wenn es sich auf einen besseren „Deal“ einlasse. Sein Infragestellen der Ein-China-Politik hat in der Pekinger Politik weithin Entsetzen ausgelöst.

          Die Zeitung „China Daily“ bezeichnete die Taiwan-Frage am Freitag als „Büchse der Pandora mit tödlichem Potential“. Dann hat sein designierter Außenminister Rex Tillerson auch noch Chinas Vorgehen im Südchinesischen Meer mit der Annexion der Krim durch Russland verglichen und gefordert, China solle von den künstlichen Inseln abgeschnitten werden, die es selbst an Atollen aufgeschüttet hat.

          Noch hoffen manche in Peking, dass einige Ankündigungen Trumps und seiner Mitstreiter nicht in die Tat umgesetzt werden, und offizielle Äußerungen sind noch gezwungen optimistisch, doch hinter den Kulissen muss sich auch Peking auf das Schlimmste vorbereiten. Wird Trump tatsächlich Taiwan anerkennen? Trotz lauten Protestes aus Peking ist eine Delegation aus Taiwan zur Amtseinführung Trumps nach Washington geflogen.

          Wird der neue Präsident wirklich entschiedener als sein Vorgänger Barack Obama in der Frage des Südchinesischen Meeres agieren? Wird Trump von Peking mehr Sanktionen gegen Nordkorea wegen dessen Atom- und Raketenprogramms fordern? Die Regierung Obama hatte sich um eine minimale Zusammenarbeit mit China im Konflikt mit Nordkorea und im Klimaschutz bemüht. Auch das steht jetzt in Frage, nachdem Trump angekündigt hat, den Klimaschutz den Wirtschaftsinteressen der Vereinigten Staaten unterzuordnen, und nachdem er China für das Nuklearprogramm der Nordkoreaner verantwortlich gemacht hat.

          Chinesische Kommentatoren weisen darauf hin, dass die meisten amerikanischen Präsidenten zu Amtsbeginn eine China gegenüber kritische Haltung zeigten, diese dann aber bald ablegten. Doch deutlicher hört man jetzt Stimmen, die dazu aufrufen, eine Strategie zur Konfliktbewältigung vorzubereiten. Fast schon beschwörend klingt es, wenn Leitartikler jetzt schreiben, China solle die Lage erst einmal in Ruhe beobachten und seine Haltung wahren.

          Furcht vor Handelskrieg

          Während des Wahlkampfes hatte Trump davon gesprochen, 45 Prozent Einfuhrzoll auf chinesische Importe erheben zu wollen. Nun fürchtet man in China, dass es dem neuen Präsidenten ernst mit dieser Drohung sein könnte. Peking hat schon indirekt angekündigt, dass es in diesem Fall mit Gegenmaßnahmen kontern würde. Sowohl in China als auch in den Vereinigten Staaten warnen Ökonomen davor, dass wegen ihrer engen Verflechtung beide Staaten in einem Handelskrieg verlieren könnten.

          Chinesischer Witz auf Trumps Kosten? Ein gigantisches Huhn vor einem Einkaufszentrum in Taiyuan, China

          Eine Ausweichstrategie zeichnet sich schon ab: Seit Trumps Wahl wendet sich China noch mehr Europa und besonders Deutschland zu. Beobachter sagen, dass auf chinesischer Seite schon jetzt das Bemühen zu erkennen ist, die Reizthemen, die in letzter Zeit die Beziehungen zu Deutschland belastet haben, zu vermeiden und stattdessen auf gemeinsame Interessen wie etwa die Bewahrung des Freihandels oder des Klimaschutzes hinzuweisen.

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