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China und Trump : Pekings neue Angst vor einem Handelskrieg

  • -Aktualisiert am

Diese chinesische Zeitung macht mit Trump auf. Bild: AP

Ganz so entspannt, wie zunächst dargestellt, sieht Chinas Führung den Wahlsieg von Donald Trump nicht. Peking weiß, was alles auf dem Spiel steht.

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          Am Tag nach der Wahl war Donald Trumps Sieg nicht allen chinesischen Zeitungen und Websites die Hauptschlagzeile wert. Noch wichtiger schien zu sein, dass Staatspräsident Xi Jjping mit den Astronauten des chinesischen Raumfahrtmoduls im All telefoniert hat und damit zeigen konnte, wie China nach den Sternen greift, während Amerika mit sich selbst beschäftigt ist. Doch ganz so entspannt, wie die Medien es darstellen wollen, sieht die chinesische Führung den Wechsel in Washington nicht.

          Das ist allein daraus ersichtlich, dass Staats- und Parteichef Xi Jinping gleich nach der Wahl zum Telefon griff, um Donald Trump zu gratulieren und eine gute Zusammenarbeit zu beschwören. Die chinesische Führung weiß, dass einiges auf dem Spiel steht. Vor allem die Wirtschaftsbeziehungen könnten schwierig werden. Ein Handelskrieg droht, wenn Präsident Trump tatsächlich, wie angekündigt, Strafzölle in Höhe von 45 Prozent auf chinesische Produkte erhebt. Doch da in Peking wie auch in anderen Hauptstädten der Welt noch niemand vorauszusagen wagt, wie weit Trump seine Wahlkampfankündigungen auch umsetzen oder ob ein Pragmatismus obsiegen wird, hält sich die offizielle Reaktion noch in Grenzen.

          Leicht hoffnungsvolles Frohlocken

          Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua spricht gezwungen positiv von einem neuen Anfang in der Beziehung zwischen den beiden Großmächten. Die Global Times schreibt von einem vorsichtigen Optimismus über die Zukunft der chinesisch- amerikanischen Beziehungen und hebt hervor, China sei stark genug, um mit dem Führungswechsel in Amerika umzugehen. Als einer der ersten jubelte dagegen der Kommentator des Hongkonger Fernsehsenders Phoenix, der der chinesischen Regierung nahesteht, aber etwas mehr Freiheit hat als die inländischen Medien, von einer großen Gelegenheit für den Aufstieg Chinas.

          Auch aus chinesischen think tanks und von politischen Kommentatoren ist ein leicht hoffnungsvolles Frohlocken zu hören. Trumps Sieg sei positiv für China, heißt es. China werde weniger Druck von den Vereinigten Staaten zu spüren bekommen, weil die Supermacht ihre Aufmerksamkeit auf sich selbst richten wird oder im Streit mit anderen Handelspartnern zu kämpfen haben. Nach dem Rückzug Amerikas könne China eine größere Rolle bei der Förderung der Globalisierung übernehmen. Es besteht nach Meinung vieler chinesischer Beobachter auch die Aussicht, dass eine Regierung Trump sich weniger im Konflikt um das Südchinesische Meer engagieren wird, wo Amerika bislang die Anrainer gegen Territorialansprüche Chinas unterstützt. Trump hat sich zwar nicht eindeutig über die Obama-Strategie der Rückwendung zu Asien geäußert, er hat sich aber eindeutig gegen das Handelsabkommen der Transpazifischen Partnerschaft TPP ausgesprochen, aus dem China ausgeschlossen war, und das China als Teil dieser Strategie sieht, die in chinesischen Augen nichts anderes ist als ein Versuch der Supermacht, den Aufstieg Chinas aufzuhalten.

          Trump hat auch gefordert, dass Amerikas Verbündete selbst mehr zu ihrer Verteidigung beitragen müssten. Damit würde – sehr zur Freude Pekings – der Schutzschild Japans und Südkoreas löchrig werden. Wenn das allerdings dazu führen würde, dass Japan und Südkorea sich angesichts einer Bedrohung aus Nordkorea selbst nuklear bewaffnen, wäre das für China eine neue Herausforderung.

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