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Neues Buch über Trump : Nur eine weitere Bestätigung für die Opposition

Glauben, zu wissen, dass die Medien nur Lügen verbreiten: Trump-Anhänger im Juni in South Carolina Bild: AFP

Ein neues Buch gewährt einen Blick hinter die Kulissen des Weißen Hauses unter Donald Trump – wieder einmal. Seine Anhänger dürften die pikanten Details aber kaum irritieren.

          Bob Woodward ist eine Legende unter amerikanischen Reportern. Die Berichte, die er mit seinem Kollegen Carl Bernstein für die „Washington Post“ über die Watergate-Affäre verfasste, erhellten das ganze Ausmaß der Geschichte, führten mittelbar zum Rücktritt des damaligen Präsidenten Richard Nixon und brachten den beiden Autoren einen Pulitzerpreis ein. Seitdem hat Woodward weiter für die Zeitung gearbeitet – mittlerweile ist er einer der Herausgeber – und vielbeachtete Bücher geschrieben, unter anderem über George W. Bush und Barack Obama. Nun gerät der Journalismus-Veteran wieder ins Rampenlicht, denn sein neues Buch „Fear – Trump in the White House“, das am 11. September in den Vereinigten Staaten erscheint, zeichnet ein dunkles Porträt von den Vorgängen im Weißen Haus unter Präsident Donald Trump.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Wie die „Washington Post“ berichtet, die am Dienstag vorab Auszüge aus dem Buch veröffentlichte, halten Mitarbeiter des Präsidenten diesen für nicht geeignet, den Job auszuführen. Wiederholt zitiert Woodward, der sich auf hunderte Stunden Interviews stützt, Minister mit Beleidigungen des Präsidenten. Verteidigungsminister James Mattis soll demnach gesagt haben, der Präsident habe die Auffassungsgabe eines Sechstklässlers, Stabschef John Kelly soll ihn einen Idioten geziehen haben und der ehemalige Wirtschaftsberater Gary Cohn habe Trump für einen notorischen Lügner gehalten. Cohn sei sogar so weit gegangen, ein Schriftstück von Trumps Schreibtisch zu entwenden, damit dieser es nicht unterzeichnen und damit ein Wirtschaftsabkommen mit Südkorea beenden könne. Außerdem präsentiert Woodward ausführliche Zitate des Präsidenten, der sich über seine Minister mokiert und diese offen oder hinter ihrem Rücken beleidigt. So soll er beispielsweise Justizminister Jeff Sessions als „zurückgeblieben“ bezeichnet haben.

          Die Reaktion des Weißen Hauses auf die Enthüllungen folgt dem gleichen Muster, das schon bei früheren Büchern über Trumps Präsidentschaft zu beobachten war: Die Motive des Autors werden in Zweifel gezogen, und ansonsten wird alles abgestritten. So unterstellt Trump Woodward auf Twitter er wolle mit dem Buch die Kongresswahlen im November im Sinne der Demokraten beeinflussen. Die Zitate seien ausgedacht, das Buch sei ein „Betrug der Bevölkerung“. In Stellungnahmen streiten außerdem der Verteidigungsminister, der Stabschef und eine Pressesprecherin die die ihnen zugeschriebenen Zitate ab.

          Die „Washington Post“ berichtet jedoch, Mitarbeiter im Weißen Haus bereiteten sich schon auf den mit Sicherheit folgenden Ausbruch des Präsidenten vor und rätselten, wen er entlassen könnte. Denn obwohl Trump öffentlich alles abstreitet, was in dem Werk steht, könnte er es zum Anlass nehmen, sich seines Stabschefs Kelly oder seines Verteidigungsministers Mattis zu entledigen. Besonders mit Kelly soll er Medienberichten zufolge schon lange unzufrieden sein.

          Während die Buchauszüge bei liberalen Medien für großes Aufsehen sorgen, werden sie unter Trumps Anhängern nur zurückhaltend rezipiert. Laut Alex Jones, einem Verschwörungstheoretiker mit eigener Radiosendung und leidenschaftlichem Trump-Anhänger, versucht Woodward nur, sich in den Vordergrund zu spielen und wieder im Rampenlicht zu stehen. Dessen Ziel sei es, „unseren Präsidenten“ zu stürzen, mutmaßt Jones. Seine Hörer wüssten aber, dass das alles sowieso nur Lügen seien und sie keinem Pressevertreter trauen könnten. Diese Einstellung wird auf Twitter von vielen geteilt, unter anderem von Barack Obamas Halbbruder Malik.

          Die Rhetorik von Trump und seinen Vertrauten, die seit langem die Medien als „Fake News“ verunglimpfen und ihre Anhänger auffordern, diesen nicht zu trauen, scheint somit Früchte zu tragen. Doch selbst wenn einigen Aussagen Glauben geschenkt werden sollte, könnten sie als Bestätigung dafür herhalten, dass die arrivierten Kräfte immer noch versuchen, Trump an der Umsetzung seiner Agenda zu hindern, denn Leute wie Kelly und Mattis genießen hohen Respekt in Washington. So könnte das Buch ein Argument untermauern, mit dem einige Staatsbedienstete es rechtfertigen, weiter unter Trump im Amt zu bleiben: die Verhinderung von Schlimmerem.

          Auf der anderen politischen Seite werden die Zitate hingegen genüsslich seziert, scheinen sie doch zu bestätigen, was Trumps Gegner schon lange zu wissen glauben, etwa dass der New Yorker Immobilienmogul nicht dazu in der Lage ist, das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten gewissenhaft auszufüllen. Trumps Gegner könnte dadurch noch entschlossener werden, den Republikanern und damit dem Präsidenten bei den Kongresswahlen einen Denkzettel zu verpassen. Während Woodwards Buch Trump und seinen Anhängern also kaum schaden dürfte, wäre es durchaus möglich, dass sich die zweite Hälfte dieser Amtszeit für ihn wesentlich unangenehmer gestaltet, wenn Anhänger der Opposition und bislang Unentschlossene – unter anderem angefeuert von diesem Buch – an die Wahlurnen strömen und den Demokraten zur Kontrolle des Kongresses verhelfen.

          Bücher über Trump

          Während in den vergangen Jahren viele Bücher erschienen sind, die sich direkt oder indirekt mit Donald Trump auseinandersetzen, hat keines davon ihm bei seinen Anhängern bleibenden Schaden zufügen können. Ein (sehr unvollständiger) Überblick:

          Michael Wolff: Fire And Fury – Inside the White House

          Michael Kranish and Marc Fisher: Trump Revealed – An American Journey of Ambition, Ego, Money, and Power

          Omarosa Manigault Newman: Unhinged – An Insider's Account of the Trump White House

          David Cay Johnston: It's Even Worse Than You Think – What the Trump Administration Is Doing to America

          Luke Harding: Collusion – Secret Meetings, Dirty Money, and How Russia Helped Donald Trump Win

          James Comey: A Higher Loyalty – Truth, Lies and Leadership

          Hillary Clinton: What Happened

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