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Buch über James Mattis : „Diese Regierung hält sich selbst als Geisel“

  • -Aktualisiert am

Trump und Mattis (l.) Ende Oktober 2018 im Weißen Haus Bild: Reuters

Bevor sich der ehemalige Verteidigungsminister James Mattis mit Donald Trump überwarf, galt der General als mäßigende Kraft in der Regierung. Sein dauerndes Scheitern zeichnet ein neues Buch nach.

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          „Wie Sex in den Neunzigern“ sei die Außenpolitik von Donald Trump, „immer auf sofortige Befriedigung angelegt“. Das soll der ehemalige Verteidigungsminister James Mattis gesagt haben, als sich Trump im vergangenen Jahr unbedingt mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin treffen wollte. Sein ehemaliger Redenschreiber Guy Snodgrass gibt in seinem Buch „Holding the Line“ („Die Stellung halten“) einige markige Zitate des Generals zum Besten, der in Trumps Kabinett anfangs als einer der „Erwachsenen im Raum“ galt.

          Von April 2017 bis August 2018 war Snodgrass Redenschreiber von Mattis im Pentagon. Er beschreibt, wie der damalige Verteidigungsminister oftmals versucht habe, Trumps Politik in berechenbare Bahnen zu lenken – und schließlich immer mehr an Einfluss verlor.

          Politische Analysen oder gar die Frage nach der individuellen Mitverantwortung stehen allerdings nicht im Zentrum des Buches: Wie Mattis sieht sich Snodgrass, der mit Anfang 40 aus der Navy ausschied, als „unpolitischen“ Staatsdiener. Kritik an Trump gibt es trotzdem, wo dieser etablierte Prinzipien und Prozeduren der amerikanischen Außenbeziehungen verletzte und wo er unberechenbar handelte.

          Snodgrass beschreibt eine Handvoll Gelegenheiten, bei denen er den Präsidenten persönlich erlebte. Für das Team um Mattis sei es bei diesen Terminen vor allem darum gegangen, die Aufmerksamkeit Trumps für länger als ein paar Minuten bei einem Thema zu halten und ihn von bestimmten Grundprinzipien zu überzeugen – wie etwa der Wichtigkeit berechenbarer internationaler Bündnisse.

          Langsame Entfremdung: Trump und Mattis im Juni 2018 am Kabinettstisch

          Trump sei immer wieder in Tiraden abgeglitten, von Thema zu Thema gesprungen „wie ein Eichhörnchen im Straßenverkehr“, schreibt Snodgrass. Eine Diskussion über die Afghanistan-Strategie habe er schon mal mit den Worten „Wen zur Hölle interessiert Afghanistan!“ abgewürgt und sich lieber der Schwärmerei über französische Militärparaden gewidmet.

          Dauerstress im Pentagon

          „Die dünne Schicht der Zivilisiertheit, die uns normalerweise zusammenhielt, hatte sich abgenutzt und zurück blieb eine Gruppe von Menschen, die einfach von einem Tag auf den anderen überleben wollten. Wir schleppten uns alle so dahin, Mattis eingeschlossen“, schreibt Snodgrass über seinen ersten Winter im Pentagon und meint sowohl die zu dunklen, zu kalten Tage, als auch den täglichen Stress, den Trump verursachte.

          Viele Schritte des Präsidenten erwischten Mattis demnach kalt – so sei er weder über den Einreisestopp für Muslime Anfang 2017 noch über Trumps Plan, Transgender aus dem Militär zu verbannen, vorab informiert gewesen. Die Regierung halte sich selbst als Geisel, habe Mattis geschimpft, weil der Transgender-Bann der Armee mehr schaden als nützen werde.

          Snodgrass erinnert sich, dass der Minister sich die Finger wie eine Pistole an den Kopf gehalten habe: „Keiner bewegt sich!“ So sehr sich Mattis und sein Team auch vorbereiteten – immer wieder gab es die Breitseiten aus dem Weißen Haus, bei denen man nur hinterher laufen und Schadensbegrenzung betreiben konnte. Snodgrass fiel oft die Rolle zu, Präsentationen für Trump vorzubereiten, zum Beispiel zur Asien-Strategie, die man mühsam ausgearbeitet habe. Nicht zu viel Text für den Präsidenten, lieber viele Bilder, habe er vom Team mit auf den Weg bekommen.

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