https://www.faz.net/-gpf-9ftbi

Nach Fund potentieller Bomben : Trump fordert Zusammenhalt, Clinton spricht von Spaltung

  • Aktualisiert am

Abgesperrtes Gebiet in New York Bild: KEVIN COOMBS

Eine Serie von Paketbomben hat in Amerika für Alarm gesorgt. Donald Trump zählt nun auf die Gemeinschaft des Landes. Die Polizei in New York nennt erste Details.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hat den Versand mehrerer mutmaßlicher Paketbomben an Politiker der Demokraten verurteilt und zu Zusammenhalt in der amerikanischen Gesellschaft aufgerufen. „Wir sind extrem sauer, traurig und unglücklich über das, was wir heute Vormittag erlebt haben – und wir werden das gründlich aufklären“, sagte Trump am Mittwoch in Washington. Politische Gewalt habe keinen Platz in Amerika. „Wir müssen zusammenhalten“, betonte der Präsident. Auch seine Sprecherin Sarah Sanders sprach von einem „verabscheuenswerten Akt“. „Diese Furcht verbreitenden Handlungen sind verachtenswert und jeder, der dafür verantwortlich ist, wird mit allen Möglichkeiten des Gesetzes zur Verantwortung gezogen“, erklärte sie.

          Hillary Clinton bezeichnete die mutmaßlichen Sprengsätze in einer ersten Reaktion indes als Ausdruck der „beunruhigenden Zeiten“, welche die Vereinigten Staaten durchmachten. Das Land sei durch „tiefe Spaltungen“ geprägt. Es müsse jetzt alles getan werden, um die Menschen wieder zusammenzubringen, sagte die ehemalige Präsidentschaftskandidatin.

          Ein großes Bürogebäude in New York, in dem unter anderem der amerikanische Fernsehsender CNN seinen Sitz hat, wurde nach dem Fund eines verdächtigen Pakets geräumt. Während einer laufenden Sendung am Mittwochvormittag (Ortszeit) war ein Sicherheitsalarm im Studio von CNN zu hören. Kurz darauf wurde das sogenannte Time-Warner-Center evakuiert. CNN berichtete, Hintergrund der Räumung sei der Fund eines verdächtigen Pakets.

          Polizei: Päckchen an CNN war Briefbombe

          Wie die Polizei am Mittwoch bestätigte, handelte es sich dabei um eine Briefbombe. Es habe weißes Pulver und einen funktionsfähigen Sprengsatz enthalten, sagte ein Ermittler auf einer Pressekonferenz vor dem Time-Warner-Gebäude, in dem CNN seine Büros hat. Auch an das Büro des Gouverneurs von New York, Andrew Cuomo, wurde nach dessen Angaben eine Briefbombe geschickt. Er wäre nicht überrascht, wenn noch weitere Sprengsätze verschickt worden seien, sagte Cuomo auf der Pressekonferenz.

          Zuvor hatte der amerikanische Secret Service zwei verdächtige Pakete mit möglichen Sprengsätzen an den früheren amerikanischen Präsidenten Barack Obama und die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton abgefangen. Das teilte die Behörde am Mittwoch in Washington mit.

          Das an Clintons Wohnsitz Westchester County, außerhalb von New York adressierte Paket sei bereits am Dienstagabend entdeckt worden. Am frühen Mittwochmorgen sei dann ein zweites, an Obama adressiertes, verdächtiges Paket in Washington D.C. aufgetaucht.

          Beide Pakete seien bei Routine-Checks als mögliche Sprengsätze aufgefallen und sofort als solche behandelt worden. Sie seien vor der Auslieferung an Clinton und Obama erkannt worden. Die beiden hätten die Pakete nicht erhalten, sie seien entsprechend zu keiner Zeit in Gefahr gewesen. Die Sendungen würden nun eingehend untersucht.

          Die „New York Times“ berichtete unter Berufung auf die Polizei, das Paket an Clinton weise Ähnlichkeiten zu der Briefbombe auf, die am Montag am amerikanischen Wohnsitz des Milliardärs und Philanthropen George Soros gefunden worden war. Ein Angestellter hatte den Sprengsatz im Briefkasten von Soros' Anwesen in Bedford nördlich von New York entdeckt. Sprengstoffexperten hätten den Gegenstand dann explodieren lassen. In den Vereinigten Staaten hat Soros seit Jahren die Demokraten unterstützt.

          Scharfe Kritik vom Vizepräsidenten

          Der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio sprach von einem Terrorakt. Es sei eindeutig ein Terrorakt, der darauf abziele, die freie Presse und Politiker einzuschüchtern, sagte er am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in New York. Ziel einer solchen Aktion sei, die Gesellschaft zu terrorisieren. Blasio sprach von einem „sehr beunruhigenden Vorfall“. Die Situation sei aber unter Kontrolle, es sei zum jetzigen Zeitpunkt keine konkrete Gefahr für weitere Ziele in New York bekannt. Dennoch sei die Polizeipräsenz in der Stadt erhöht.

          Scharfe Kritik kam auch vom Vizepräsident. Mike Pence verurteilte den Versand mehrerer potentieller Sprengsätze. „Diese feigen Aktionen sind verabscheuungswürdig und haben keinen Platz in diesem Land“, schrieb Pence am Mittwoch auf Twitter. Er sei dankbar für die schnelle Reaktion des Secret Service, des FBI und der lokalen Sicherheitsbehörden. „Die Verantwortlichen werden zur Rechenschaft gezogen werden“, fügte er hinzu. Präsident Donald Trump erklärte ebenfalls auf Twitter, er stimme seinem Vize „von ganzem Herzen“ zu.

          Obama und Clinton sind beide Demokraten. Der Fund kommt wenige Wochen vor den anstehenden Kongresswahlen in den Vereinigten Staaten, Anfang November.

          Trumps Sprecherin Sanders sagte, die amerikanische Regierung verurteile die „versuchten gewaltsamen Attacken“ auf Obama, Clinton und andere. Der Secret Service und andere Behörden untersuchten die Vorfälle genau und unternähmen alles Notwendige, um jeden zu schützen, der von „diesen Feiglingen“ bedroht sei.

          Weitere Themen

          Zehntausende trotzen Demo-Verbot Video-Seite öffnen

          Hongkong : Zehntausende trotzen Demo-Verbot

          In Hongkong sind erneut zehntausende Menschen für ihre demokratischen Rechte auf die Straße gegangen. Die Aktivisten setzten sich wie in der Vergangenheit über ein Demonstrationsverbot hinweg.

          Topmeldungen

          Proteste vor IAA : Blockade mit drei farbigen Fingern

          Hunderte Demonstranten der Aktion „Sand im Getriebe“ haben zwei der fünf Eingänge der Messe blockiert. Ihr Protest richte sich nur gegen die Konzerne, sagen sie. Das empfinden viele Besucher anders.
          Denkmal des Anstoßes: Bürgermeister Roberto Dipiazza (links) weiht die Statue Gabriele D’Annunzios in Triest ein.

          Denkmal für D’Annunzio : Dichter des Anstoßes

          In Triest ist ein Denkmal für den italienischen Dichter Gabriele D’Annunzio aufgestellt worden. Einige der Anwesenden trugen faschistische Schwarzhemden. Im benachbarten Kroatien sorgte nicht nur das für Empörung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.