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Briefbomben in Amerika : Terror gegen Demokraten?

  • -Aktualisiert am

Das Time Warner Center in New York wird am Mittwoch nach dem Versand der Briefbomben abgesichert. Bild: AP

Noch ist unklar, wer hinter den Briefbomben an führende Demokraten steckt. Trumps Gegner sehen in seiner aggressiven Rhetorik einen Grund. Die rechte Basis hingegen wittert Verschwörung.

          „Das ist ein terroristischer Akt”, sagte Paul Ryan am Abend über die Briefbombensendungen an Demokraten. Der Sprecher des Repräsentantenhauses sollte die Fans bei einer Wahlkampfveranstaltung in seinem Heimatstaat Wisconsin für den Star des Abends aufwärmen: Donald Trump. „Baut die Mauer”, grölten die Zuschauer. „Dazu komme ich noch!” entgegnete Ryan. „Aber habt ihr heute die Nachrichten gesehen? Diese Sprengsätze, das ist ein terroristischer Akt. Dafür ist in unserer Demokratie kein Platz. Wir lehnen das ab.”

          Viele in der Masse der Trump-Fans gaben sich unbeeindruckt. Selbst heute stimmten sie den Schlachtruf an, der auf keiner Trump-Veranstaltung fehlen darf: „Lock her up – sperrt sie ein!” Gemeint ist nach wie vor Hillary Clinton.

          Noch suchen die Behörden nach dem oder den Tätern, die die besagten Briefbomben verschickt haben. Nicht nur die Obamas und die Clintons waren Ziel der vereitelten Anschläge. Am Montag war bei dem Milliardär George Soros, einem der Großspender der Demokraten, eine Briefbombe unschädlich gemacht worden. Der Sprengsatz, der am Mittwoch bei CNN in New York gefunden wurde, war an den ehemaligen Direktor der CIA, John Brennan, adressiert. Er kommentiert hier häufig aktuelle Ereignisse. Ein Paket mit Sprengstoff wurde auch in der Poststelle des Kongresses entdeckt, bestimmt für die prominente Abgeordnete Maxine Waters aus Kalifornien. Der ehemalige Justizminister Eric Holder sollte ebenfalls eine Bombe erhalten. Als Absenderadresse war das Büro von Debbie Wasserman-Schultz angegeben – sie war von 2011 bis 2016 Vorsitzende des Demokratischen Nationalkomitees.

          Trump hatte die versuchten Anschläge am Mittwoch verurteilt und gesagt, er sei „extrem wütend, traurig und unglücklich” darüber. „Wir müssen zusammen finden und eine sehr klare, unmissverständliche Botschaft senden, dass Akte oder Drohungen politischer Gewalt keinen Platz in den Vereinigten Staaten von Amerika haben.” Pressesprecherin Sarah Huckabee Sanders sagte, Ziel der Sendungen sei es gewesen, die Amerikaner zu „terrorisieren”. Steve Scalise, der als „Majority Whip” einer der ranghöchsten Abgeordneten der Republikaner ist und im vergangenen Jahr ein Attentat auf einem Baseballplatz in Alexandria überlebte, erklärte: „Diese versuchten Attentate sind mehr als kriminell, sie sind pure Terrorakte. Gewalt und Terror haben keinen Platz in unserer Politik und Gesellschaft.”

          Kritiker geben Trump Mitschuld

          Doch für viele Kritiker von Donald Trump ist klar: In seinen zwei Jahren im Amt hat er so viel Aggression gegen politische Gegner und gegen Minderheiten geschürt, dass sich auch politische Attentäter davon ermutigt fühlen könnten. „In dieser Woche sind die Zielscheiben von Trumps Rhetorik zu Zielen tatsächlicher Gewalt in Form von Rohrbomben geworden,” schrieb Philip Rucker in der „Washington Post”.

          Der ehemalige Präsident Obama und die Clintons, George Soros, CNN, Maxine Waters – sie alle greift Trump tatsächlich besonders häufig an. Die Spitzen der Demokraten im Senat und im Abgeordnetenhaus reagierten denn auch kühl auf Trumps Appelle zur Einigkeit. Senator Chuck Schumer aus New York und die Abgeordnete Nancy Pelosi aus Kalifornien erklärten: „Präsident Trumps Worte klingen leer, bis er die Äußerungen zurücknimmt, mit denen er Gewalt fördert.” CNN-Chef Jeff Zucker sagte: „Im Weißen Haus herrscht ein kompletter Mangel an Verständnis dafür, wie schädlich die dauernden Attacken auf die Medien sind. Der Präsident und insbesondere die Sprecherin des Weißen Hauses sollten verstehen, dass ihre Worte zählen.”

          Kritik an Trump übte auch der republikanische Senator Jeff Flake aus Arizona, der im November nicht zur Wiederwahl steht. Für ihn sei ziemlich offensichtlich, dass die Sprengstoffsendungen einen politischen Hintergrund hätten, sagte Flake bei CNN. Auf die Frage nach den möglichen Effekten von Trumps Hasstiraden erklärte er: „Was der Präsident sagt, hat Gewicht. Und wenn er einen zivileren Ton anschlagen würde, dann würde das einen Unterschied machen. Anstand und Respekt können nicht bis nach der Wahl warten. Trump sollte die Medien nicht als Feinde des Volkes bezeichnen. Die Leute hören das und sie folgen dem.”

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