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Trumps Wunschkandidat : Kavanaugh muss zurück vor den Ausschuss

  • -Aktualisiert am

Wie hier Anfang September wird Brett Kavanaugh wohl bald wieder vor dem Justizausschuss des Senats erscheinen. Bild: AP

Der Justizausschuss verzögert den Ernennungsprozess von Brett Kavanaugh für den Obersten Gerichtshof. Eine neue Anhörung soll den Vorwurf der versuchten Vergewaltigung klären – auch die Frau, die die Vorwürfe erhebt, wird gehört.

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          Donald Trump lässt nichts auf Brett Kavanaugh kommen. „Er hatte nie auch nur den kleinsten Makel“, sagte der Präsident am Montag über seinen Kandidaten für den Obersten Gerichtshof. „Er ist jemand sehr besonderes.“ Kavanaughs Ernennung wird sich wohl verzögern, weil die Professorin Christine Blasey Ford ihm versuchte Vergewaltigung vorwirft. Trump gab sich gelassen: „Wenn eine kleine Verzögerung nötig ist, dann ist sie nötig.“ Der Senat werde „jeden anhören“. Trump kritisierte die Demokraten, die zunächst einen anonymen Brief mit den Anschuldigungen erhielten: „Sie hätten das früher machen müssen, denn sie hatten diese Information seit Monaten.“ Trump griff diesmal allerdings nicht die Glaubwürdigkeit der Frau an, die den Vorwurf erhob. Anders als bei dem Senatskandidaten in Alabama, Roy Moore, oder bei seinem wegen häuslicher Gewalt geschassten Chefsekretär Rob Porter äußerte der Präsident sich nicht zu den Anschuldigungen. Am Ende gehe es darum, dass alle Senatoren mit ihrer Entscheidung „glücklich“ sein könnten, erklärte er.

          Die Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford aus Kalifornien hatte ihre Vorwürfe zunächst in einem anonymen Brief an eine demokratische Kongressabgeordnete formuliert. Am Sonntag hatte sie sich der „Washington Post“ dann zu erkennen gegeben. Die versuchte Vergewaltigung habe stattgefunden, als sie 15 und Kavanaugh 17 Jahre alt war. Der Schüler soll sie auf einer Party gemeinsam mit einem Freund in ein Schlafzimmer gedrängt, die Tür abgeschlossen und auf ein Bett geschubst haben. Dann habe sich Kavanaugh auf sie geworfen, sie begrabscht und versucht sie auszuziehen. Sie habe sich gewehrt; der Angreifer habe ihr daraufhin den Mund zugehalten. „Ich hatte Angst, er würde mich aus Versehen umbringen“, erklärte Blasey Ford. Beide Jungen seien stark alkoholisiert gewesen. Sie sei erst entkommen, als Kavanaughs Freund mit auf das Bett gesprungen sei.

          Blasey Ford identifizierte den zweiten Jungen als Mark Judge, einen konservativen Filmemacher. Judge sagte gegenüber dem „Weekly Standard“, die Anschuldigung sei „verrückt“ und er habe „so ein Verhalten“ bei Kavanaugh nie beobachtet. Der Journalist beschrieb allerdings in seiner Autobiographie „Besoffen: Geschichten eines Alkoholikers aus der Generation X“ die ausufernden Trinkgewohnheiten an der Eliteschule und in den Schüler-Verbindungen, zu denen er und Kavanaugh gehörten. Mitschüler und frühere Freundinnen des Richters schrieben Unterstützungsbriefe für ihn. Blasey Fords ehemalige Klassenkameraden stellten sich in einer Erklärung hinter sie. Die Professorin verwies auf Notizen ihrer Therapeutin aus dem Jahr 2012. Laut der „Washington Post“ findet sich dort eine Schilderung des Angriffs, der die Patientin nach der Schulzeit für mehrere Jahre seelisch aus der Bahn geworfen habe. Auch ihr Ehemann bestätigte das der Zeitung.

          Kavanaugh und Ford sollen vor den Ausschuss

          Nun diskutieren die Senatoren über den richtigen Umgang mit den Anschuldigungen. Dabei soll es kommenden Montag zu einer Anhörung von Blasey Ford und Kavanaugh im Justizausschuss kommen. Unklar war an diesem Montagabend noch, ob diese unter Eid stattfinden wird. Eigentlich wollte der Ausschuss am Donnerstag über eine Empfehlung Kavanaughs entscheiden; noch in diesem Monat sollte dann die Abstimmung über seine Ernennung im Senat folgen. Die Republikaner hoffen nun, dass sie die Bedenken in der eigenen Partei noch ausräumen können. Doch mehrere republikanische Senatoren, darunter Jeff Flake aus Arizona und Bob Corker aus Tennessee, signalisierten, dass sie Verzögerungen in Kauf nehmen würden.

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