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Trumps Wunschkandidat : Kavanaugh gibt Lehrauftrag an Harvard auf

  • Aktualisiert am

Brett Kavanaugh, Kandidat für das Richteramt beim Obersten Gerichtshof der USA, spricht während seiner Anhörung vor dem Senat. (Archivfoto) Bild: dpa

Ob Kavanaugh einen Platz im Obersten Gericht einnehmen wird, entscheidet sich erst noch. Klar ist, dass er ab 2019 nicht mehr an der Harvard Universität Jura lehren wird. Indes kratzt ein teures Buch am Image des Richters.

          Der Wunschkandidat des amerikanischen Präsidenten Donald Trump für das Oberste Gericht, Brett Kavanaugh, wird im Januar 2019 seinen Lehrauftrag an der Elite-Universität Harvard aufgeben, wo er derzeit Jura unterrichtet. Das geht aus einer E-Mail an die Studierenden hervor, die dem Sender CNN nach eigenen Angaben am Montag vorlag. Darin habe die Universität mitgeteilt, Kavanaugh könne sich nicht für den Kurs im kommenden Wintersemester verpflichten. Die Gründe für seinen Rückzug waren zunächst unklar. Möglich wäre seine Erwartung einer Tätigkeit am Supreme Court oder aber die jüngste Kritik an seiner Person.

          Laut dem CNN-Bericht hatten bis zum Montagabend mehr als 800 Absolventen der Harvard Law School (HLS) einen Brief unterzeichnet, in dem sie die Universität aufforderten, Kavanaugh seinen Lehrauftrag zu entziehen. Die Belästigungsvorwürfe von Christine Blasey Ford seien „glaubwürdig und schwerwiegend“ und müssten ernstgenommen werden, hieß es darin laut CNN. „Sie stellen seinen Charakter und seine Moral ernsthaft infrage und sollten ihn von einer Position auf Lebenszeit als Richter am Supreme Court disqualifizieren.“ Als Lehrender an der Harvard Law School sei Kavanaugh nicht mehr tragbar.

          Unterdessen berichtete die „New York Times“ von einer gewalttätigen Auseinandersetzung in einer Bar in New Haven im Bundesstaat Connecticut im Jahr 1985. Kavanaugh, der damals an der dortigen renommierten Yale-Universität studierte, wurde dazu seinerzeit von der Polizei befragt, es kam jedoch nicht zu einer Anzeige. Er soll Eiswürfel auf einen Kommilitonen geworfen haben; ein Freund Kavanaughs soll den Kommilitonen mit einem Glaswurf am Ohr verletzt haben. Bereits am Sonntag hatte ein ehemaliger Studienkollege von Kavanaugh den Richter bezüglich seines früheren Alkoholkonsums der Lüge bezichtigt. Chad Ludington sagte Kavanaugh sei in betrunkenem Zustand „aggressiv und kampflustig“ gewesen. Ludington leitete seine Schilderungen an die amerikanische Bundespolizei FBI weiter. 

          Das FBI begann Medienberichten zufolge mit der Befragung von Mark Judge, einem ehemaligen Freund von Kavanaugh. Nach Aussagen von Blasey Ford soll Judge zugegen gewesen sein, während Kavanaugh sie vor 36 Jahren während einer Teenager-Party zu vergewaltigen versuchte. Dessen Memoiren, „Wasted: Tales of a Gen X Drunk“ („Besoffen: Geschichten eines Säufers der Generation X“), erfreuen sich derzeit großer Nachfrage. Das 1987 veröffentliche Buch kostete am Dienstag beim Online-Anbieter Amazon knapp 1700 Euro. In dem Buch blickt Judge auf seine Erlebnisse als starker Trinker während seiner Jugendjahre zurück. Auch eine Kavanaugh-Figur und deren starke Trinkgewohnheiten kommen in den Erinnerungen vor.

          Blasey Ford hatte dem Justizausschuss des Senats am Donnerstag ausführlich darüber berichtet. Kavanaugh hatte bei der Anhörung die Vorwürfe sexueller Gewalt ebenso zurückgewiesen wie den Vorwurf, er habe ein Alkoholproblem. Präsident Trump stellte sich am Montag hinter Kavanaugh, bescheinigte ihm aber zugleich ein „kleines Problem“ mit  Alkohol in der Vergangenheit. „Ich war überrascht, wie lautstark er sich zu der Tatsache äußerte, dass er Bier mag“, sagte Trump im Weißen Haus. Sein Wunschkandidat für das Oberste Gericht habe nicht behauptet, „perfekt in Bezug auf Alkohol“ gewesen zu sein, fügte Trump hinzu.

          Der amerikanische Präsident stellte zudem die neuerliche Untersuchung des FBI zu den Vorwürfen sexueller Übergriffe infrage: „Ich denke, es ist sehr unfair, solche Dinge hoch zu ziehen." Das FBI solle alles dafür tun, eine Antwort auf die
          Anschuldigungen zu finden. Dies solle aber „schnell geschehen“ und nicht zu einer „Hexenjagd“ werden.

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