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Anhörung im Senat : „Das ist kein Prozess, sondern ein Bewerbungsgespräch für Kavanaugh“

  • Aktualisiert am

Unmittelbar vor der Anhörung im Senat: Christine Blasey Ford Bild: AFP

Die Professorin Christine Blasey Ford hält an ihren Vorwürfen gegenüber dem Richterkandidaten fest. Kavanaugh soll versucht haben, sie zu vergewaltigen. Vor Gericht verliest sie ein Protokoll des Tatabends und schließt eine Verwechslung aus.

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          Im Streit um die Nominierung des Supreme-Court-Kandidaten des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, Brett Kavanaugh, hat eine entscheidende Anhörung vor dem amerikanischen Senat begonnen. Der Justizausschuss des Senats hört am Donnerstag Kavanaugh und die Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford an. Ford wirft Kavanaugh vor, 1982 versucht zu haben, sie zu vergewaltigen. Auch andere Frauen haben Missbrauchsvorwürfe gegen den Kandidaten erhoben. Kavanaugh hat die Anschuldigungen pauschal zurückgewiesen.

          Sie halte es für ihre „staatsbürgerliche Pflicht“, über den sexuellen Angriff zu berichten, den Kavanaugh im Jahr 1982 auf sie verübt habe, sagte die 51 Jahre alte Professorin zu Beginn ihrer Anhörung durch den Justizausschuss. Anschließend las Ford ihren vorbereiteten Zeugenbericht vor und beschrieb, wie Kavanaugh versucht habe, sie auszuziehen. Als sie versucht habe, um Hilfe zu rufen, habe Kavanaugh ihr den Mund zugehalten. „Das war es, was mir am meisten Angst gemacht hat“, sagte Ford. Sie habe Angst gehabt, dass Kavanaugh sie „versehentlich töten könnte.“ 

          Zudem beschrieb sie, dass Kavanaugh und sein Begleiter, Mark Judge, die ganze Zeit über gelacht hätten. Dieses Lachen werde sie nie vergessen. Kavanaugh und Judge hätten wie zwei Freunde gewirkt, die zusammen Spaß auf ihre Kosten hätten. Ford sagte, die Erinnerung an die Tat verfolge sie bis heute. Sie leide außerdem an Klaustrophobie und Panikattacken.

          Nach ihrem Statement befragten eine auf Verfolgung sexueller Gewalttaten spezialisierte Staatsanwältin und die Senatoren die Wissenschaftlerin im Wechsel. Auf die Frage, ob sie den Täter womöglich verwechsele, antwortete Ford: „Auf keinen Fall.“ Vorwürfe, politisch motiviert zu handeln, wies sie zurück. Mehrere demokratische Senatoren forderten zudem, dass sich die Bundespolizei FBI mit dem Fall beschäftigen sollte und dass auch Mark Judge vorgeladen werden sollte. 

          „Habe ihr das niemals angetan“

          Als nächstes folgt die Aussage und Befragung Kavanaugh.  In seinem vorab verbreiteten vorbereiteten Eingangsstatement wies er erneut alle Anschuldigungen zurück. „Das sind schlicht und einfach Verleumdungen in letzter Minute“, heißt es dort. Kavanaugh räumte ein, auf der High School gelegentlich zu viel getrunken zu haben. Rückblickend habe er in seiner Schulzeit „Dinge getan und gesagt, die mich heute erschaudern lassen. Aber das ist nicht, warum wir heute hier sind.“ Er wolle zwar nicht in Abrede stellen, dass Ford sexuelle Gewalt erfahren habe. „Aber ich habe das niemals ihr oder jemand anderem angetan.“

          Der Vorsitzende des Justizausschusses, Chuck Grassley, entschuldigte sich zu Beginn der Sitzung bei Ford und Kavanaugh für das, was ihnen widerfahren sei, seit die Vorwürfe bekannt wurden. 

          Grassley holte dann zu einer Kritik an den Demokraten aus. Er warf der stellvertretenden Ausschussvorsitzenden, der demokratischen Senatorin Dianne Feinstein, vor, der republikanischen Seite einen Brief von Ford mit den Vorwürfen vorenthalten zu haben. Feinstein entgegnete wenig später, sie habe den Brief vertraulich behandelt, bis Ford bereit gewesen sei, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Feinstein fügte hinzu: „Das ist kein Gerichtsprozess für Dr. Ford. Es ist ein Bewerbungsgespräch für Richter Kavanaugh.“

          Die Anhörung in Washington wurde landesweit mit großer Spannung erwartet. Vor den Kongresswahlen Anfang November ist die Personalie Kavanaugh Gegenstand einer erbitterten Auseinandersetzung zwischen Trumps Republikanern und den oppositionellen Demokraten geworden. Für diesen Freitag ist eine Abstimmung im Justizausschuss über eine Empfehlung Kavanaughs angesetzt. Danach muss der amerikanische Senat über die Berufung des 53 Jahre alten Mannes an das höchste amerikanische Gericht abstimmen.

          Trump verteidigte Kavanaugh am Mittwochabend (Ortstzeit) zwar nochmals. Angesichts der zunehmenden Missbrauchsvorwürfe schloss der amerikanische Präsident eine Abkehr von der Nominierung des umstrittenen Richters aber nicht generell aus. Trump hatte Kavanaugh im Juli für den Richterposten vorgeschlagen. Kurz vor der geplanten Entscheidung des amerikanischen Senats über die Personalie waren Fords Vorwürfe gegen Kavanaugh an die Öffentlichkeit gekommen.

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