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Bolsonaro in Washington : Vorglühen mit Bannon

Jair Bolsonaro (2.v.r.) neben Trumps früherem Strategieberater Steve Bannon Bild: AFP

Jair Bolsonaro hat bei seinem Besuch in Washington neben Donald Trump auch dessen verstoßenen Chefstrategen Steve Bannon getroffen. Dabei klang der brasilianische Präsident wie der gelehrige Schüler des rechten Meinungsmachers.

          Im Weißen Haus des Donald Trump ist der Superlativ die Normalform. Dennoch stachen die Worte hervor, mit denen ein hoher Regierungsvertreter dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro am Dienstag den roten Teppich ausrollte. Allein achtmal fiel in einer gut zwanzigminütigen Presseunterrichtung vor dem ersten Treffen der beiden Staatschefs das Adjektiv „historisch“. Während bisher „selbst die wohlgesinnteste brasilianische Regierung uns nie wirklich wohlgesinnt war“, so der Trump-Berater, stehe der westlichen Hemisphäre jetzt eine „historische Erneuerung der amerikanisch-brasilianischen Beziehungen“, ja die Bildung einer „wahrhaftigen Nord-Süd-Achse ihrer beiden größten Volkswirtschaften“ bevor.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Ausgerichtet sei diese Achse an der Beziehung zwischen Trump und Bolsonaro. Dessen Sohn Eduardo hatte sich der Washingtoner Öffentlichkeit schon am Samstag mit einer „Make Brazil Great Again“-Schirmmütze gezeigt, natürlich vor dem Trump International Hotel. Der amerikanische Regierungsvertreter hatte gegen die Copyright-Verletzung von Trumps Slogan nichts einzuwenden, sondern pries vor Journalisten die persönliche Beziehung der beiden Präsidenten als Quell „großer Synergien“. Trump habe den brasilianischen Wahlkampf voriges Jahr aufmerksam verfolgt. Als die Medien begonnen hätten, Bolsonaro einen „Tropen-Trump“ zu nennen, „da hattet ihr die Aufmerksamkeit des Präsidenten“.

          Ohne ein Wort der Kritik etwa an Bolsonaros Ausfällen gegen Homosexuelle oder seinem Lob für die Militärdiktatur, freut sich Washington bis heute darüber, dass der Brasilianer im Wahlkampf „alle Tabus“ gebrochen habe – mit seiner China-Skepsis, mit seiner Kritik an den linken Diktaturen Venezuela und Kuba sowie, vor allem, mit „dem Wunsch, der beste Freund der Vereinigten Staaten“ zu sein. Minuten nach Bolsonaros Wahlsieg gratulierte Trump ihm telefonisch.

          Seine Landung am Sonntag hatte der Brasilianer selbst auf Twitter kommentiert: „Zum ersten Mal seit langem kommt ein proamerikanischer Präsident Brasiliens in Washington an.“ Am Montagabend empfing er in der Botschaft seines Landes Meinungsmacher aus dem rechten Spektrum zum Dinner. Zu seiner Linken saß Steve Bannon – Trumps verstoßener Chefstratege, der sich heute als Strippenzieher einer populistischen Revolte in Europa und dem Rest der Welt geriert und den Präsidentensohn Eduardo Bolsonaro kürzlich als seinen „Repräsentanten für Lateinamerika“ vorstellte. Dieser hatte in etlichen Reisen den Besuch seines Vaters vorbereitet; immerhin leitet der junge Abgeordnete seit diesem Jahr den Auswärtigen Ausschuss. In der Botschaft beteuerte Bolsonaro senior, dass er „immer davon geträumt habe, Brasilien von der schmutzigen Ideologie der Linken zu befreien“. Wie Bannons Schüler klang er auch im nächsten Satz: Um das neue Brasilien aufzubauen, müsse man erstmal „viel dekonstruieren und zurückdrehen, damit wir überhaupt anfangen können“.

          Das war auch Musik in den Ohren von Bolsonaros anderem Sitznachbarn: Olavo de Carvalho. Der Essayist und autodidaktische Philosoph, der seit Jahren nahe Washington lebt, ist ein überzeugter Antikommunist und Antiglobalist sowie Kritiker des Establishments und der „politischen Korrektheit“. Er betrachtet internationale Institutionen als eine Eliten-Verschwörung. Origineller ist bloß seine Theorie, dass Pepsi seine Cola mit abgetriebenen Föten süße.

          Carvalhos Bücher, in denen er „eine Rebellion gegen den Primat des Kollektivs über das individuelle Bewusstsein“ anpreist, sind Bestseller in Brasilien. Gerade junge Leser verehren den bald 72 Jahre alten Autor. Carvalho gilt als ideologischer Übervater der neuen brasilianischen Rechten; die brasilianische Presse bezeichnet ihn gar als „Guru“ der Bolsonaros. Zahlreiche von Carvalhos „Schülern“ besetzen heute wichtige Posten in der Regierung. Zu ihnen zählen auch Außenminister Ernesto Araújo und der außenpolitische Berater Filipe Martins, die Bolsonaro am Dienstag ins Weiße Haus begleiten sollten. Während seiner Tafelrede in der Botschaft hob Bolsonaro aber Carvalho heraus. Er sei der Vater der „Revolution“, um Brasilien zu befreien. „Wir waren auf dem Weg zum Kommunismus.“

          Zu den Themen der Gespräche im Weißen Haus sollten die Venezuela-Krise, Brasiliens Wunsch nach Aufnahme in die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und mögliche Visa-Erleichterungen zählen. Schon vorab hatten die beiden Regierungen einen Pakt vereinbart, der den Vereinigten Staaten die Nutzung des Weltraumbahnhofs Alcântara im nordbrasilianischen Bundesstaat Maranhão ermöglicht. Mindestens so glücklich ist Washington darüber, dass Bolsonaros zweite Reise außerhalb Lateinamerikas nach Israel gehen soll. Der Brasilianer ist Trumps Fingerzeig gefolgt und will die Botschaft nach Jerusalem verlegen. Beide Präsidenten baden gern in der Zuneigung ihrer evangelikalen Wähler – und in ihrer neuen Achsenfreundschaft.

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