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Rezension zu Woodward-Buch : Die Politik der notorischen Lüge

  • -Aktualisiert am

Trump selbst benutzte das titelgebende Wort „Angst“ in einem Gespräch mit Woodward – jedoch bevor Beginn des Buchprojektes. Bild: EPA

In Bob Woodwards Enthüllungsbuch steckt viel mehr als die vorab vermarkteten Zitate: Der Journalist zeigt, wie Donald Trump Angst als Mittel der Macht einsetzt. Sein Vorgehen ist allerdings nicht unproblematisch.

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          Bob Woodward hört da auf, wo er angefangen hat. Er überliefert am Ende seines Buchs einen Dialog zwischen Sonderermittler Robert Mueller und John Dowd, einem der Anwälte Donald Trumps, aus dem Frühjahr dieses Jahres. Es geht um eine Befragung des Präsidenten in der Russland-Affäre, die Dowd unbedingt verhindern möchte. Die Gesprächsatmosphäre ist angespannt. Dowd wirft Mueller vor, Trump mit Hilfe einer Geschworenenjury mit einer Vorladung zu drohen. Das sei präzedenzlos. Mueller wird zitiert mit den Worten, er drohe nicht, er breite nur Optionen aus. Dowd leugnet irgendeine Art von Konspiration; es gebe nichts Illegales. Er wolle nur verhindern, dass der Präsident, der sich nicht erinnere, am Ende wie ein Idiot aussehe.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Genauer gesagt, Dowd fürchtet, dass Trump sich in Widersprüche verstrickt – gar nicht einmal in Sachen Moskau, sondern eher mit Blick auf die Umstände der Entlassung James Comeys, des FBI-Direktors. Dowd mutmaßt, Mueller wolle Trump eine Falle stellen und letztlich des Meineids überführen. Er rät Trump nach dem Gespräch mit Mueller dringend davon ab, mit dem Sonderermittler zu reden. Er redet auf ihn ein. Ty Cobb, ein zweiter Anwalt, plädiert indes dafür auszusagen. Trump neigt dazu, Cobb zuzustimmen. Dazu Dowd: Als sein Anwalt könne er ihm nicht zur Aussage raten, wenn er, Dowd, wisse, dass er, der Präsident, dazu nicht in der Lage sei.

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