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Amerikanischer Wahlkampf : Wer ist Amerikas letzte Hoffnung?

  • -Aktualisiert am

Im März will Bloomberg entscheiden, ob er im November als Parteiunabhängiger kandidiert. Bild: dpa

Der Milliardär Michael Bloomberg erwägt bei der Präsidentenwahl anzutreten. Schon 2008 spielte New Yorks ehemaliger Bürgermeister mit dem Gedanken. Diesmal könnte er Ernst machen, um Amerika vor Trump und Sanders zu bewahren.

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          Die Rolle des schwerreichen New Yorkers war im amerikanischen Präsidentenwahlkampf schon bisher doppelt besetzt. Die Demokratin Hillary Clinton hat allein mit Reden und Büchern viele Millionen Dollar eingenommen, und der Republikaner Donald Trump besitzt ein Milliardenvermögen. Nun lässt ein weiterer Milliardär aus Manhattan laut darüber nachdenken, ob nicht er Amerikas letzte Hoffnung sei: Michael Bloomberg, der frühere Bürgermeister von New York und Gründer des Finanzdaten- und Medienkonzerns, der seinen Namen trägt.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Gut eine Woche vor den ersten Vorentscheiden bei den parteiinternen Vorwahlen in Iowa haben sogenannte Vertraute mehreren Medien gesteckt, dass Bloomberg ernsthaft seine Chancen auslote. Im März werde er entscheiden, ob er im November als Parteiunabhängiger kandidiere.

          Die drei wichtigsten Gründe, die Bloomberg laut diesen Einflüsterern bewegen könnten, mindestens eine Milliarde Dollar aus eigener Tasche in einen Wahlkampf zu pumpen, lauten: Donald Trump, Bernie Sanders und Hillary Clinton.

          Kein Freund von umkämpften Vorwahlen

          Die Parolen Trumps widerten Bloomberg an, heißt es aus seinem Umfeld. Dass bei den Demokraten der Sozialist Bernie Sanders so großen Zulauf habe, mache ihm wegen der von diesem propagierten Umverteilungspolitik Sorgen. Und dass Hillary Clinton in diesem Zweikampf aus taktischen Gründen so weit nach links gerückt sei und es zugleich nicht geschafft habe, die Zweifel an ihrer Vertrauenswürdigkeit auszuräumen, lasse womöglich eine Marktlücke für einen pragmatisch-technokratischen Bewerber entstehen, der sich aus dem Parteienzank heraushalte.

          Bloomberg ist kein Freund von umkämpften Vorwahlen. Deshalb war er 2001 aus der Demokratischen Partei aus- und bei den Republikanern eingetreten, die ihn gern auf ihren Schild hoben. 2002 wurde Bloomberg Bürgermeister. Während seiner zweiten Amtszeit trat er dann aber wieder bei den Republikanern aus, offenkundig in Vorbereitung einer möglichen Präsidentschaftskandidatur 2008, auf die er dann aber verzichtete.

          Bloomberg weiß natürlich, dass in den Vereinigten Staaten noch nie ein parteiunabhängiger Bewerber ins Weiße Haus gewählt wurde, und er neigt nicht dazu, sich in aussichtslose Kämpfe zu stürzen. Doch in dieser Wahlsaison scheint manch vertraute Gesetzmäßigkeit der amerikanischen Politik außer Kraft gesetzt zu sein. Und Bloomberg kann sich gleichsam aus der Portokasse das Personal leisten, das die politische Landschaft in den nächsten Wochen professionell vermessen soll, um seine Chancen einzuschätzen.

          Wirtschaftsfreundlicher Technokrat zwischen den Polen

          Am größten könnten diese sein, wenn es auf einen Wettkampf der Wutverstärker Sanders und Trump hinauslaufen sollte. Zwischen diesen Polen könnte Bloomberg sich als wirtschaftsfreundlicher Technokrat empfehlen – als einer, der wie Trump guten Geschäftssinn mit ins Weiße Haus brächte und wie die Demokraten die Waffengesetze verschärfen sowie das Recht auf Abtreibung schützen will. Kurzum: eine Art Hillary Clinton ohne E-Mail-Affäre und Benghasi-Bürde, dafür mit noch offenkundigerer Nähe zur Wall Street.

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