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Bloomberg empfiehlt Obama : Der Klimawandel als Wahlkampfhelfer

  • -Aktualisiert am

Erst die Cola, dann das Klima: New Yorks Bürgermeister Bloomberg Bild: REUTERS

Sturm Sandy sorgt für ein neues Thema im amerikanischen Wahlkampf. New Yorks Bürgermeister Bloomberg ruft deshalb zur Wahl Obamas auf.

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          Rand Paul, republikanischer Senator aus Kentucky und einer der Lieblinge der rechtskonservativen „Tea Party“ im Kongress, war nicht überrascht, als der Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, am Donnerstagabend seine Unterstützung für Barack Obama bei den Präsidentenwahlen vom kommenden Dienstag bekanntgab. „Hat jemand im Ernst geglaubt, dass die Gouvernante Bloomberg einen Republikaner unterstützen würde?“, fragte Paul. „Man kann ja heute nicht einmal mehr eine anständige Cola in New York trinken. Bloombergs Neigungen und Überzeugungen haben mit uns Republikanern nichts zu tun.“

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Gewiss, Rand Paul liebt den schrillen Ton, seine Haltung aber dürfte repräsentativ sein für die meisten Anhänger der Republikaner. Bloomberg, der bis zuletzt versichert hatte, er werde keinen der beiden Präsidentschaftskandidaten unterstützen, begründete seine Entscheidung für Obama mit dessen Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel. „Unser Klima verändert sich“, schrieb der Bürgermeister in einem Meinungsbeitrag für den von ihm gegründeten Finanznachrichtendienst Bloomberg News. Extreme Wetterentwicklungen könnten die Folge sein. Es müsse sofort gehandelt werden, schrieb Bloomberg und verwies auf die gewaltigen Schäden, die der Sturm Sandy angerichtet habe. Weil Obama immerhin wichtige Schritte unternommen habe, um dem Klimawandel zu begegnen, während Romney von früheren Positionen abgerückt sei, habe er sich trotz einer im Ganzen enttäuschenden Amtszeit von Präsident Obama zu dessen Wiederwahl entschlossen.

          Den Zusammenhang zwischen dem Wirbelsturm Sandy und dem Klimawandel hatten vor Bloomberg schon der demokratische Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, und der frühere Vizepräsident Al Gore hergestellt. Allerdings nehmen viele Amerikaner das Thema nicht sehr wichtig. Eine von der Tageszeitung „Washington Post“ bei der Universität Stanford in Auftrag gegebene Umfrage hat im Sommer ergeben, dass nur noch 18 Prozent der Amerikaner im Klimawandel das drängendste Umweltproblem sehen. Vor fünf Jahren waren es noch 33 Prozent. Heute sehen dagegen 29 Prozent der Amerikaner ihre Umwelt vor allem von Wasser- und Luftverschmutzung bedroht.

          „Elitäre Öko-Aktivisten“

          Dieser Meinungswandel dürfte vor allem zwei Ursachen haben. Erstens wurde das Vertrauen der Öffentlichkeit in die wissenschaftlichen Grundlagen der Klimaforschung erschüttert. In der Debatte finden in Amerika zunehmend skeptische Stimmen Gehör, die allenfalls einen minimalen Einfluss des Menschen auf den Klimawandel gelten lassen. Beispielhaft für diese wachsende „Klimaskepsis“ ist etwa der Beitrag des Professors für Umweltforschung an der Universität Colorado Roger Pielke in der Tageszeitung „Wall Street Journal“ vom Donnerstag. Sandy sei ein „historischer Sturm“ gewesen, der gerade nicht auf ein neues Wettermuster schließen lasse, argumentiert Pielke. Seit 2005 habe kein Hurrikan der Kategorie 3 mehr die amerikanische Küste getroffen, das sei die längste relativ ruhige Periode seit mehr als einem Jahrhundert. Dass bei Unwettern in Küstengebieten zuletzt mehr Menschen umkamen, sei vor allem der Zersiedlung des Küstenstreifens und der damit einhergehenden Zerstörung natürlicher Schutzbarrieren wie Marschland und Dünen geschuldet.

          Der zweite Grund ist die anhaltende Wirtschaftskrise. Wenn die Benzinpreise steigen, die Strompreise klettern und das Einkommen sinkt, werden Umweltschutz und der Kampf gegen den Klimawandel in den Hintergrund gedrängt. Viele Republikaner verstärken diesen Trend, indem sie gegen die „elitären Öko-Aktivisten“ in den linken Enklaven an der Ostküste und in Hollywood polemisieren, denen die Sorgen der kleinen Leute im amerikanischen Herzland egal seien. Umweltauflagen werden als Auswüchse der Regulierungswut eines „Gouvernantenstaates“ (Nanny State) gebrandmarkt, der – wie Bürgermeister Bloomberg in New York – den Menschen am Ende sogar vorschreibt, in welcher Menge sie Erfrischungsgetränke kaufen dürfen. Im Wahljahr 2012 ging es um Arbeitsplätze und Familieneinkommen, um Staatsschuld und Haushaltsdefizit, auch um Kohle, Öl und Erdgas aus heimischer Produktion. Umwelt- und Klimapolitik kamen in Wahlkampf bestenfalls am Rande vor. Nun hat Sandy das Thema auf die Tagesordnung gesetzt.

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