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Bill Clinton als First Lady : Vom Mr. President zum First Gentleman

  • -Aktualisiert am

Bereits bei Hillary Clintons Amtseinführung zur Außenministerin im Februar 2009 stand Bill mit Tochter Chelsea in der zweiten Reihe. Bild: AP

Wenn Hillary Clinton Präsidentin wird, ist Bill Clinton dann der „First Gentleman“? Wir haben mit zwei Menschen geredet, die die Institution der First Lady und den ehemaligen Präsidenten Bill Clinton besser kennen, als die meisten Amerikaner. Ein Gedankenspiel.

          Das pastellgelbe, bodenlange Kleid, das Jackie Kennedy 1961 beim Staatsempfang für den tunesischen Präsidenten trug, das rosafarbene, pompöse Ballkleid von Mamie Eisenhowers Auftritt beim Staatsempfang 1957 in der britischen Botschaft, und natürlich Michelle Obamas tiefrote Robe vom zweiten Amtsantritt ihre Ehemannes 2013. Dazu ein paar hellrote Damenschuhe, ein kleiner Absatz. Wer die Geschichte der amerikanischen First Ladys aus modischer Perspektive betrachten möchte, besucht das National Museum of American History in Washington.

          Doch die feminine Modeidylle könnte hier bald einen ersten Bruch erleben. Denn Bill Clinton würde bestimmt nicht im Abendkleid die Amtseinführung seiner Ehefrau Hillary, Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, besuchen – vorausgesetzt, sie gewinnt die Wahl im November. Ein dunkler, lahmer Anzug neben den Prachtstücken, die einst Jackie, Michelle und Mamie bekleideten? Unvorstellbar.

          Die Problematik einer männlichen First Lady fängt aber schon viel früher an – bevor über einen geeigneten Schaukasten für Bill Clintons Tuxedo gar diskutiert werden kann. Sie beginnt schon mit der Anrede, denn wie wird der ehemalige Mr. President überhaupt genannt werden? First Dude? First Man? First Gentleman?

          Wer sucht dann das Porzellan fürs Weiße Haus aus?

          Der amerikanische Komödiant Jimmy Kimmel scherzte bereits vor acht Monaten mit der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton persönlich darüber, wie ihr Ehemann im Falle ihres Sieges im November wohl vom amerikanischen Volk angesprochen werden würde. Wie Clinton in der Sendung feststellte, hat ihr Mann als ehemaliger Präsident aber auch weiter einen Anspruch auf die Anrede „Mr. President“. Nach einem kurzen Hin und Her seufzte sie und gab zu: „Ich muss daran wirklich arbeiten.“

          Man berät sich: Hillary und Bill Clinton im Jahr 2007.

          Don Levy hat sich dazu schon Gedanken gemacht. Er ist Leiter des New Yorker Siena Research Institute und untersucht, wie sich die Rolle der First Lady in den vergangenen Jahrhunderten verändert hat. „Jetzt spielen die Leute noch mit dem Namen herum, aber ich denke, irgendwann werden wir uns auf ‚First Gentleman‘ festlegen.“ Ob Bill Clinton dann als „First Gentleman“ auch das Porzellangeschirr im Weißen Haus aussuchen wird? Das glaube er nicht, sagt Levy. „Vielleicht werden wir in dieser Rolle Chelsea Clinton sehen,“ die 36 Jahre alte Tochter von Bill und Hillary, sagt er, „oder einfach Mitarbeiter, die dann Porzellan und Blumen aussuchen werden.“

          Die First Lady: Das „königlichste, das wir haben“

          Traditionell fällt all das in den Aufgabenbereich der First Lady. Die Frau an der Seite des Präsidenten „ist das königlichste, das wir haben“, so Levy. Sie ist für die zeremoniellen Abläufe des Weißen Hauses zuständig, organisiert Staatsbankette, führt Smalltalk mit den geladenen Staatschefs. Letzteres wird Bill Clinton noch aus seiner eigenen Präsidentenzeit gut in Erinnerung geblieben sein. „Darin wird er gut sein. Er hat Erfahrung,“ sagt Levy.

          Einen erfahrenen Staatschef an ihrer Seite zu haben, wäre für Hillary Clinton im Amt grundsätzlich ein riesiger Vorteil: „Denn ein Präsident braucht all die Hilfe, die er bekommen kann,“ sagt Patrick Maney. Der Autor und Historiker veröffentlichte in diesem Jahr ein Buch über Bill Clintons Präsidentschaft, mit der Familie Clinton im Weißen Haus hat er sich lange beschäftigt. Dass sich sein Fachgebiet mit Don Levys nun bald überschneiden könnte, hätte er vor zehn Jahren noch nicht gedacht.

          „Bill muss aber aufpassen, dass er Hillary nicht überschattet. Es wird ein heikler Balanceakt,“ sagt er über den möglichen Wiedereinzug der Clintons ins Weiße Haus voraus. Eine offizielle Rolle im Kabinett darf der ehemalige Präsident übrigens nicht besetzen – diese Art von Vetternwirtschaft ist seit 1967 in Amerika gesetzlich verboten. Trotzdem wird er Hillary Clinton mit Sicherheit – wie es für eine First Lady üblich ist – als Berater zur Seite stehen. Und darüber hinaus vielleicht gar eine offizielle Funktion einnehmen.

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