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Vorwahlen der Demokraten : Bernie oder keiner

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Sanders verdammt Flirt mit Rechten

Die Macher von „Chapo“ twitterten nach Sanders' Rückzug, man werde wohl nun noch viel über die Geschäfte von Joe Bidens Sohn Hunter in China hören. Anna Khachiyan, eine der beiden Gastgeberinnen von „Red Scare“, vergleicht gern Biden und Trump – der ehemalige Vizepräsident sei „Trump für Arme“, twitterte sie im vergangenen Sommer. Man solle nicht um Sanders trauern, schrieb Khachiyan jetzt nach dessen Ausscheiden. Hätte sich der Senator nur selbst mehr an seine progressive Botschaft gehalten, statt Dialogbereitschaft zu signalisieren, wäre er auch besser gefahren, so lautete ihre Analyse. Khachiyan, die gern verkündet, dass struktureller Rassismus und die Ideologie der weißen Vorherrschaft Dinge aus der Vergangenheit seien, lud sich vor Kurzem Trumps ehemaligen Chefstrategen Steve Bannon als Interviewgast ein.

Die ideologischen Flirts mancher Linker mit den Rechtspopulisten hat Sanders selbst stets verdammt – und im Gegensatz zu ihnen betonte er in diesem Präsidentschaftswahlkampf öfter als 2016, dass der Kampf gegen Ausbeutung und gegen strukturellen Rassismus zusammen gehörten. Viele seiner Wähler sind da auf seiner Seite. Aber sie sind auch überzeugt davon, dass die Partei ihre Stimmen für garantiert halte.

So wie Doug, ein New Yorker Bibliothekar Anfang Vierzig, der seinen Nachnamen nicht öffentlich genannt sehen möchte. „Biden teilt keinen einzigen meiner politischen Werte“, sagt er. Da der Staat New York ohnehin mit großer Mehrheit für Biden stimmen werde, könne er es sich leisten, mit seinem Gewissen zu wählen. Er werde wegen der Abstimmung über den Kongress natürlich zur Wahl gehen, aber nicht für Biden als Präsidenten stimmen. Ob er das anders sehen würde, wenn er in einem anderen Bundesstaat leben würde? „In einem Swing State würde ich darüber vielleicht noch einmal nachdenken. Aber es geht um so kleine Krumen, die sie uns hinwerfen, die Plätze am Obersten Gerichtshof, eine marginal bessere Einwanderungspolitik. Ich weiß, wie das klingt, aber ich bin weder eine Frau, der Trump das Recht auf körperliche Selbstbestimmung wegnehmen will, noch ein Einwanderer.“

Ihm seien deren Probleme wichtig, aber das Partei-Establishment sei sich seiner Stimme zu sicher und mache zu wenige Zugeständnisse. Wie viele Anhänger von Bernie Sanders würde er aber nie so weit gehen, Donald Trump zu wählen. „Der teilt ja ebenfalls keinen einzigen meiner Werte“, sagt Doug. Es gehe ihm nicht darum, Menschen davon abzubringen, für Biden zu stimmen – er werde nur niemanden ermutigen, das zu tun.

Die Kampagne von Joe Biden weiß, dass er viele solche Wähler für sich gewinnen muss, die begeistert von Sanders sind. Inzwischen ist er etwas auf sie zugegangen: das Zugangsalter zur öffentlichen Medicare-Krankenversicherung für Rentner will er von 65 auf 60 senken. Und Schulden von öffentlichen Universitäten sollen unter bestimmten Umständen erlassen werden. Die jungen Akademiker, die für Sanders Wahlkampf gemacht haben, sind aber oft bei privaten Hochschulen verschuldet – sie setzen ihre Hoffnungen nun darauf, dass Sanders auf dem Vorwahl-Zettel bleibt. Dann würde er weiter Delegierte und damit politische Manövriermasse sammeln. Die könnte er dann bis zum Nominierungsparteitag im August einsetzen, um noch deutlichere Zugeständnisse zu erreichen.

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