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Bereit für Regierungsposten : Loyal und kämpferisch für Trump

John Ratcliffe bei der Mueller-Anhörung am vergangenen Mittwoch in Washington Bild: AP

Bei der Anhörung des früheren Sonderermittlers Mueller zeigt John Ratcliffe Qualitäten, die Trump gut gebrauchen kann. Wer ist der Mann, der bald nationaler Geheimdienstdirektor sein könnte?

          Sollte Donald Trump noch Zweifel gehabt haben, ob John Ratcliffe der richtige Mann für den Posten ist, wären sie während der Anhörung des früheren Sonderermittlers Robert Mueller vor dem Kongress verflogen gewesen. Eigentlich stand schon vor zehn Tagen nach einem Gespräch zwischen dem amerikanischen Präsidenten und dem bisherigen Abgeordneten im Repräsentantenhaus fest, dass dieser Dan Coats als Nationalen Geheimdienstdirektor ersetzen solle.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          In der Anhörung präsentierte sich der frühere Staatsanwalt dann als loyal und kämpferisch: Er warf Mueller vor, sein Mandat überschritten zu haben. Schließlich gebe es keine gesetzliche Grundlage dafür, eine Person, die nicht angeklagt werde, nicht zu entlasten. Es gelte nämlich die Unschuldsvermutung. Der Präsident stehe nicht über dem Gesetz, sagte Ratcliffe, aber „verdammt sicher sollte er auch nicht unter dem Gesetz stehen“. Später äußerte er in einem Interview, die fahrige Präsentation Muellers habe doch gezeigt, dass nicht er die Ermittlungen geleitet habe, sondern dessen Leute, die faktisch „Hillary Clintons Rechtsberater“ gewesen seien.

          „Konservativster Mandatsträger aus Texas“

          Trump weiß also, was er an Ratcliffe hat. Der Präsident lobte am Sonntag per Twitter dessen Führungsstärke und Patriotismus. Der Name des 53 Jahre alten Mannes war schon häufiger gefallen, wenn es um die Vergabe von Regierungsposten ging. Zuletzt bei der Suche nach einem Nachfolger für Justizminister Jeff Sessions. Er hat eine makellose Bilanz vorzuweisen: In den Rankings rechter Denkfabriken über das Abstimmungsverhalten im Kongress wird er als der „konservativste Mandatsträger aus Texas“ geführt. Eine solche Bilanz sichert Spendengelder für den nächsten Wahlkampf – oder eben die Gunst des Präsidenten.

          Geboren in Illinois, nördlich von Chicago, führte ihn das Jura-Studium nach Texas. Der Republikaner, der zwischen 2004 und 2012 ehrenamtlicher Bürgermeister der kleinen texanischen Gemeinde Heath war, arbeitete als Bezirksstaatsanwalt im östlichen Texas und brüstet sich noch heute damit, in jener Zeit einmal „300 illegale Migranten an einem Tag“ festgenommen zu haben.

          Das Weiße Haus, Amtssitz des amerikanischen Präsidenten in Washington, in der Morgendämmerung. Öffnen

          2014 forderte er den 91 Jahre alte Ralph Hall heraus, der seinen Kongressbezirk 17 Wahlperioden lang in Washington vertreten hatte. In einer Stichwahl, in der er vom „Tea Party“-Flügel der Republikaner, der „National Rifle Association“ und namhaften dezidiert konservativen Parteivertretern unterstützt wurde, setzte er sich durch. Im Repräsentantenhaus engagierte er sich vor allem im Geheimdienstausschuss.

          Der verheiratete Vater zweier Töchter ist künftig, seine Bestätigung durch den Senat vorausgesetzt, für die Koordination von insgesamt 17 Nachrichtendiensten zuständig – eine Position, die als Konsequenz aus den Terroranschlägen des 11. September 2001 geschaffen wurde. Ratcliffe sieht Moskau als Herausforderung. Wie Trump will er den Ursprüngen der Russland-Affäre nachgehen. Auch er glaubt an eine Verschwörung, in der Hillary Clintons Leute und der „tiefe Staat“ mit russischer Hilfe eine Desinformationskampagne gegen Trump losgetreten haben sollen.

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