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Obama wirbt für Clinton : Die große Kuschel-Show

  • -Aktualisiert am

Bild: Reuters

Barack Obama und sein Vizepräsident Joe Biden geben auf dem Parteikonvent der Demokraten die befreit aufspielenden Einpeitscher für Hillary Clinton. Die hofft vor allem auf die Wählerbasis der beiden, die so genannte „Obama Coalition“.

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          Es dauert nicht lange, bis Barack Obama den Satz sagt, auf den so viele Delegierte in der bis auf den letzten Platz gefüllten Sportarena von Philadelphia schon sehnsüchtig gewartet hatten. „Mit Zuversicht“, so Obama, könne er behaupten, dass es „niemals zuvor einen Mann oder eine Frau“ gegeben habe, die für das amerikanische Präsidentschaftsamt „besser qualifiziert gewesen wäre als Hillary Clinton“. Weder er selbst, noch Hillarys Mann, der frühere Präsident Bill Clinton, seien eine bessere Wahl gewesen. Großer Applaus beendet die fast schon andächtige Stille, die zuvor in der riesigen Halle geherrscht hatte.

          In eindringlichen Worten wirbt der amtierende amerikanische Präsident für die Frau, deren Qualitäten er vier Jahre lang in ihrer Zeit als Außenministerin „aus der ersten Reihe“ habe erleben dürfen und die er deswegen unbedingt als seine Nachfolgerin sehen wolle. „Wer noch nie an diesem Schreibtisch gesessen hat, der weiß nicht, was es heißt, eine weltweite Krise zu managen oder junge Menschen in den Krieg zu schicken, so Obama. Hillary aber habe bereits dort gesessen, habe ihren Teil zu diesen Entscheidungen beigetragen und wisse, „was auf dem Spiel steht“. Als Obama seine Rede, in der er immer wieder auch eine Bilanz seiner eigenen Präsidentschaft zieht, beendet, kommt, überraschend für viele im Saal, Clinton auf die Bühne. Viele Delegierte haben Tränen in den Augen und jubeln den beiden zu, die noch einige Minuten Arm in Arm auf der Bühne stehen, bevor sie eng umschlungen in den Kulissen verschwinden.

          Es sind Bilder einer neu entdeckten Nähe. Schließlich ist es noch gar nicht so lange her, da konnte sich Clinton gar nicht deutlich genug von Obama distanzieren. Nicht nur im Vorwahlkampf 2008, als beide gegeneinander antraten und Clinton in einem reißerischen TV-Spot ihren Kontrahenten als nicht erfahren genug brandmarkte, um in Krisenzeiten im Weißen Haus „den Telefonanruf um drei Uhr morgens entgegenzunehmen“. Nein, auch in den letzten Jahren ging Clinton, nach ihrer Zeit als Außenministerin, immer wieder auf Abstand zum Präsidenten, zum Beispiel mit Bezug auf dessen Syrien-Strategie („zu zögerlich“) oder seine Deportations-Politik („zu hart“).

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          Seit einigen Wochen nun ist von Clinton so gut wie keine Kritik mehr an Obama zu vernehmen. Im Gegenteil: Spätestens seitdem der Präsident zum Ende des diesjährigen Vorwahlrennens immer deutlicher durchblicken ließ, dass er sich eine Nominierung Clintons wünsche, scheint kein Blatt Papier mehr zwischen die beiden zu passen. Das liegt vor allem an Clinton, die sich inzwischen vor allem als Obamas politische Thronfolgerin inszeniert. Überschwänglich lobt sie bei ihren Auftritten dessen Erfolge, die es gegen den republikanischen Kandidaten Donald Trump zu verteidigen gelte. Dass Clintons Wertschätzung für Obama einhergeht mit dessen zuletzt deutlich gestiegenen Beliebtheitswerten, dürfte kein Zufall sein. Anders als etwa George W. Bush vor acht Jahren ist Obama ein Präsident, mit dem sich zur Wahl stehende Parteifreunde gerne zeigen.

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          Auch Obama selbst wird diese Dynamik nicht verborgen geblieben sein. Bei den Zwischenwahlen 2014 hatte seine Partei ihn noch gebeten, sich möglichst aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Jetzt scheint er gefragter denn je, wohl auch, weil er sich im Spätherbst seiner Amtszeit bei vielen Themen entschlossener denn je zeigt, ein politisches Vermächtnis zu hinterlassen. Entgegen aller Proteste der politischen Gegner besuchte er in diesem Jahr als erster Amtsinhaber seit Jahrzehnten das verfeindete Kuba, legte in Hiroshima einen Kranz für die Opfer des amerikanischen Atomangriffs von 1945 nieder. Immer wieder fordert er strengere Waffengesetze und wirbt beim Thema Polizeigewalt für Versöhnung und Verständnis zwischen den Konfliktparteien.

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