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Hackerangriffe : Obama sieht Russland als Drahtzieher

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Beweise hat noch niemand vorgelegt, doch auch Barack Obama gibt sich nun sicher: Russland stecke hinter den E-Mail-Hacks im Wahlkampf. Er kündigt Vergeltung an – und einen Bericht.

          Nach den Cyberattacken während des amerikanischen Wahlkampfs, die russischen Hackern zugeschriebenen wurden, hat Präsident Barack Obama deutlich wie nie Vergeltung angekündigt. Wenn eine ausländische Regierung versuche, den Wahlkampf zu manipulieren, müsse Amerika handeln, sagte Obama dem Sender National Public Radio. „Und das werden wir - zu einer Zeit und an einem Ort unserer Wahl. Manches davon könnte offen geschehen und publik gemacht werden, manches nicht.“

          Zwar machte sich Obama nicht die kolportierte Einschätzung des Auslandsgeheimdienstes CIA zu eigen, wonach Russland durch die Cyberattacken gezielt in die Wahl eingegriffen habe, um Donald Trump zum Sieg zu verhelfen. Auch achtete er darauf, Trumps Lager keine direkte Beteiligung an den Angriffen oder deren Unterstützung zu unterstellen.

          Allerdings beklagte Obama mit Blick auf die unterlegene Demokratin Hillary Clinton, dass „die russischen Hackerangriffe mehr Probleme für die Clinton-Kampagne erzeugt haben als für die Trump-Kampagne“. Über Monate hinweg hätten vor allem Clintons E-Mails und Vorwürfe gegen ihre Stiftung sowie „politische Gerüchte um die Demokratische Partei“ im Fokus der Öffentlichkeit gestanden - und Trump habe davon profitiert, sich das Ergebnis politisch zunutze gemacht.

          Vorwürfe gegen Putin

          Zuvor hatte bereits Obama-Berater Ben Rhodes dem russischen Staatschef Wladimir Putin eine direkte Verantwortung für die Hackerangriffe zugewiesen. „Nichts von derartiger Tragweise“ geschehe innerhalb der russischen Regierung, ohne dass Putin davon wisse, sagte er dem Fernsehsender MSNBC. Putin sei letztlich als oberster Amtsträger „für die Taten der russischen Regierung verantwortlich“.

          Der Sender NBC News hatte unter Berufung auf zwei ungenannte hochrangige Geheimdienstverantwortliche berichtet, dass Putin selbst Anweisungen für den Umgang mit Clintons gehackten E-Mails gegeben habe. Der russische Staatschef habe dies anfänglich aus Rache getan, weil die Demokratin als Außenministerin öffentlich die Rechtmäßigkeit der russischen Wahlen von 2011 in Frage gestellt habe. Später habe Putin dann sein Vorgehen ausgeweitet, um das politische System in den Vereinigten Staaten als korrupt darzustellen, hieß es in dem Beitrag weiter.

          Putin lässt dementieren, Trump winkt ab

          Putins Sprecher Dmitri Peskow wies die Vorwürfe als „lächerlichen Unsinn“ zurück. Auch Amerikas künftiger Präsident Donald Trump hat in Abrede gestellt, dass Russland hinter den Cyberangriffen auf die Demokraten stecke. Der Republikaner zog die Geheimdienstinformationen in Zweifel.

          Der scheidende Präsident Obama sagte in dem NPR-Interview, das an diesem Freitag Vormittag (Ortszeit) ausgestrahlt werden soll, er habe sich zum Ziel gesetzt, einen endgültigen Bericht des Weißen Hauses zu den Hackerangriffen noch vor Trumps Amtseinführung am 20. Januar vorzulegen.

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