https://www.faz.net/-gpf-8tqwg

Australien und Amerika : Gekränkte Freunde

Ließ kein spitzes Wort über Trump fallen: Australiens Premierminister Malcolm Turnbull Bild: AP

Anders als viele andere hat sich die australische Regierung negativer Kommentare über Donald Trump bislang enthalten. Doch der dankte es ihr nicht. Sein ruppiger Ton ist für Australier schwer zu schlucken.

          Viele Australier haben mit Befremden auf die Ausfälle des amerikanischen Präsidenten Donald Trump gegenüber ihrem Regierungschef Malcolm Turnbull reagiert. „Rüde“ und „beispiellos“ nannte etwa der ehemalige Außenminister Bob Carr die Äußerungen Trumps. Dem Sender ABC sagte der Politiker, dass über den Stellenwert der „besonderen Beziehung“ zu Amerika nachgedacht werden müsse. Denn Australien gehört zu den treusten Freunden Amerikas, ist der wichtigste militärische Verbündete im Südpazifik und damit auch Sicherheitsanker im Wettbewerb mit China. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat Australien in jeden bewaffneten Konflikt auf ausländischem Boden, an dem die Amerikaner beteiligt waren, eigene Soldaten zur Unterstützung geschickt.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Eigentlich sind das alles Tugenden, die einem amerikanischen Präsidenten, noch dazu aus dem Lager der Republikaner, die Verbündeten in Canberra als besonders beliebte Gesprächspartner empfehlen sollten. Doch wie die Journalisten der „Washington Post“ berichteten, ist der neue Präsident Trump ausgerechnet Premierminister Turnbull gegenüber ungehalten geworden. Demnach hatte Trump das Telefonat nach nur 25 Minuten abgebrochen – was Turnbull allerdings bestreitet – und den Anruf als „bei weitem schlimmstes Telefonat“ bezeichnet, und zwar sogar im Vergleich zu einem Gespräch mit Russlands Präsident Wladimir Putin.

          Die verlorenen Seelen der australischen Politik

          Den Anlass für Trumps Ausbruch bot ein Abkommen, das Australien noch mit der Obama-Regierung abgeschlossen hatte. Es sieht die Aufnahme einer bisher noch ungeklärten Zahl von Flüchtlingen vor, die in den von Australien betriebenen Flüchtlingslagern auf den Pazifikinseln Manus und Nauru festsitzen. Die derzeit noch rund 1250 Asylsuchenden sind die verlorenen Seelen der harschen australischen Einwanderungspolitik. Unter ihr haben Flüchtlinge, die mit Booten illegal die Grenze nach Australien überqueren, keinerlei Chance auf Asyl. Schon seit Jahren hatte Canberra händeringend nach einem Land gesucht, das die Flüchtlinge, die deshalb nicht nach Australien gelassen werden, aufnehmen würde.

          Es war auch ein Ausdruck der Wertschätzung, dass sich die Obama-Regierung bereit erklärte, ein entsprechendes Abkommen mit Australien einzugehen. Doch diese Sicht auf den Verbündeten teilt Trump offensichtlich nicht. Sein ruppiger Ton ist besonders für die im Umgang stets freundlichen und jovialen Australier schwer zu schlucken. Zumal sich Australien im Gegensatz zu vielen anderen westlichen Regierungen in der vergangenen Woche negativer Kommentare über Trumps Politik enthalten hatte, auch über das umstrittene Einreiseverbot für Bürger aus sieben muslimischen Ländern, in denen Terrorgruppen besonders aktiv sein sollen.

          Selbst nach den Enthüllungen der „Washington Post“ ließ der smarte Premier Turnbull, ein ehemaliger Investmentbanker, deshalb kein spitzes Wort über Trump fallen. Er wies vielmehr darauf, dass über den Inhalt solcher Telefonate nicht öffentlich gesprochen werde. Turnbull sagte, es werde „ehrlich, freundlich und privat“ miteinander geredet. Den Bericht dementierte er allerdings nicht gänzlich, sondern nur die Darstellung, dass Trump nach 25 Minuten einfach aufgelegt hätte. Als Schwächling möchte Turnbull nämlich auch nicht dastehen. Er fügte deshalb hinzu, dass er in jeder Situation für Australien einstehe. „Mein Job sind die australischen Interessen“, sagte der Premierminister.

          Noch wichtiger als Höflichkeit im Umgang ist Canberra ist in diesen Tagen allerdings auch, dass der laut Trump „dumme Deal“ trotz wütender Telefonate derzeit noch nicht aufgekündigt wurde. Die australische Regierung wiederholt derzeit das Mantra, dass Trump zugesagt habe, die Vereinbarung einzuhalten. Und das obwohl einige der Flüchtlinge aus jenen Staaten kommen, deren Bürger unter Trumps Einreiseverbot fallen.

          Canberra ist sich bewusst, dass die in den Lagern vor sich hinvegetierenden Flüchtlinge und die Berichte über Misshandlungen und psychische Probleme der Insassen, ein Schandfleck auf der australischen Einwanderungspolitik sind. Auch die Kritik an dieser Politik würde leiser werden, wenn das Elend in den Lagern endlich ein Ende hätte.

          Weitere Themen

          Nigeria holt Präsidentschaftswahl nach Video-Seite öffnen

          Knapper Ausgang erwartet : Nigeria holt Präsidentschaftswahl nach

          Die Behörden hatten die Abstimmung am vergangenen Samstag um eine Woche verschoben, aus logistischen Gründen, wie es hieß. Es wird ein knappes Rennen zwischen den beiden Spitzenkandidaten erwartet, die beide bereits über 70 Jahre alt sind.

          Topmeldungen

          Venezuela : Maduro bricht Beziehungen zu Kolumbien ab

          Das Verhältnis Venezuelas zu Kolumbien verschlechtert sich weiter. Nach der Schließung der Grenze bricht Venezuelas Präsident nun alle Beziehungen zu dem Nachbarland ab. Bei Auseinandersetzungen sollen zwei Menschen gestorben sein.
          Bienen-Protest: Vor dem Volksbegehren gab es in Bayern auch Demos wie diese vor dem Landtag. Nicht unwahrscheinlich, dass sich solche Szenen schon bald in anderen Bundesländern wiederholen.

          FAZ Plus Artikel: Artenvielfalt : Ein Herz für Bienen

          Ein Volksbegehren in Bayern zwingt die Staatsregierung dazu, ihre Landwirtschaftspolitik zu ändern. Und das könnte erst der Anfang sein. Wie ein Insekt die Politik verändert.
          Das war’s: Sportvorstand Christian Heidel verabschiedet sich vom Schalke 04.

          Schalke 04 : Heidel gibt auf

          Das war’s für Christian Heidel: In seiner Heimatstadt Mainz verkündet er seinen Rücktritt als Schalker Sportvorstand und die Auflösung seines Vertrages. Sein Büro hat er jetzt schon geräumt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.