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Aufschwung in Amerika : Wirtschaftsboom, made by Trump?

  • -Aktualisiert am

Applaus für den Präsidenten: Donald Trump Ende April bei einem Besuch des amerikanischen Unternehmens „Nuss Truck and Equipment“ in Burnsville, Minnesota Bild: AFP

Der amerikanische Präsident ist sich sicher: Für die guten Wirtschaftsdaten ist er im Alleingang verantwortlich. Doch die gute Stimmung bringt er mit neuen Drohungen gegen China in Gefahr.

          Die niedrigste Arbeitslosenquote seit Ende der 1960er Jahre, gute Stimmung an den Börsen und eine geringere Inflationsrate als vorhergesagt: Donald Trump konnte am Freitag endlich mal wieder gute Nachrichten verkünden. „Wir können uns alle darauf einigen, dass AMERIKA jetzt Nummer Eins ist. Die ganze WELT beneidet uns – und das Beste kommt erst noch!“ twitterte er und verlinkte eine Grafik vom rechten Blog „Drudge Report“, die die amerikanische Flagge, die neuesten Wirtschaftsdaten und für Trump einen Beliebtheitswert von 50 Prozent zeigte. „Ich werde mit der Wirtschaft Wahlkampf machen“, sagte der Präsident den Reportern im Weißen Haus. Und sein Berater Larry Kudlow jubelte: „Er ist der Präsident der gesamten Wirtschaft.“

          Wahlkampf mit der Wirtschaft zu machen erscheint angesichts der neuesten Zahlen als gute Idee. Viele Menschen verdienen mehr Geld, den Märkten geht es gut und bislang gibt es nicht die befürchtete höhere Inflationsrate – sie liegt mit 1,6 Prozent unter den Prognosen der vergangenen Jahre. Amerika hat laut dem Arbeitsministerium die niedrigste Arbeitslosenquote seit dem Jahr 1969, im April sank sie auf 3,6 Prozent. Im vergangenen Monat schufen Arbeitgeber 263.000 neue Jobs, damit gab es einen kontinuierlichen Zuwachs an Arbeitsplätzen für 103 Monate am Stück – ein Rekord.

          Die amerikanische Notenbank Federal Reserve war im Jahr 2016 noch von einer Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent für die kommenden Jahre ausgegangen. Die Entwicklung scheint auch deswegen stabil zu sein, weil die Stimmung unter den Konsumenten gut und die Nachfrage entsprechend hoch ist. Gleichzeitig wuchs die Produktivität im ersten Vierteljahr 2019 um 2,4 Prozent. Und auch die Löhne stiegen im letzten Jahr an, um 3,2 Prozent und damit über der Inflation. Laut der „Washington Post“ profitierten davon besonders Geringverdiener, weil viele Bundesstaaten ihre Mindestlöhne anhoben und gleichzeitig viele Unternehmen dringend Arbeitskräfte suchten. Dem Finanznachrichtenportal „Bloomberg“ zufolge hatten auch Führungskräfte von Banken etwas davon, die ihre Löhne im Durchschnitt um elf Prozent angehoben hätten.

          Die Trump-Regierung lieh sich viel Geld, um die letzten Steuervergünstigungen für Unternehmen und Bürger zu finanzieren. Das Defizit im Bundeshaushalt wird im Jahr 2020 bei 1,1 Billionen Dollar liegen, die Staatsverschuldung liegt zur Zeit bei insgesamt etwa 22 Billionen. Und dazu sollen nach dem Willen des Präsidenten noch weitere Stimulationsprogramme kommen, obwohl sich das Land in einem Auf- und nicht im Abschwung befindet. Trump plant ein zwei Billionen Dollar teures Infrastruktur-Investitionspaket und höhere Militärausgaben. Vor einigen Tagen hatte der Präsident zudem die Zentralbank aufgerufen, die Zinsen zu senken und mehr Staatsanleihen zu kaufen – Maßnahmen, die sonst eher in Krisenzeiten ergriffen wurden.

          Viele Wähler folgen Trumps Erzählung

          Trump selbst glaubt, dass auch seine Zölle mit verantwortlich für die guten Wirtschaftsdaten sind und droht eine neue Eskalation im Handelskonflikt mit China an. „In den vergangenen zehn Monaten hat China den USA Zölle von 25 Prozent aus 50 Milliarden High-Tech-Produkte und zehn Prozent auf 200 Milliarden Dollar für andere Waren gezahlt“, twitterte er. „Die zehn Prozent werden am Freitag auf 25 Prozent steigen.“ Trump ignoriert, dass die Zölle auch die Preise in die Höhe treiben können. Laut der Universität Chicago zahlten Kunden seit ihrer Einführung zwölf Prozent mehr für Waschmaschinen. Die Drohungen, die die Verhandlungen mit China belasten werden, beeinträchtigten die gute Stimmung, die Kurse an der Wall Street fielen am Montag.

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