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Anti-Nordkorea-Diplomatie : Menschenrechtler kritisieren Trumps Einladung an Duterte

  • Aktualisiert am

Eingeladen ins Weiße Haus: Präsident Duterte darf sich über eine diplomatische Aufwertung freuen. Bild: AP

Kein Autokrat ist ihm zu schmutzig: Donald Trump hat auch den philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte ins Weiße Haus eingeladen. Menschenrechtler kritisieren die Entscheidung, Trumps Stab verteidigt sie.

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          Die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ fordert den amerikanischen Präsidenten Donald Trump auf, den philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte für die tausenden extralegalen Tötungen in dessen Krieg gegen Drogen zur Rechenschaft zu ziehen. „Staaten mit engen Verbindungen zu den Philippinen, vor allem die Vereinigten Staaten, haben die Pflicht, auf Rechenschaft zu dringen für die Opfer von Dutertes missbräuchlichem Drogenkrieg, statt den roten Teppich auszurollen für offizielle Staatsbesuche“, sagte der stellvertretende Asien-Direktor der Organisation, Phelim Kine, am Montag.

          In der Nacht auf Sonntag hatte Trump Duterte überraschend ins Weiße Haus eingeladen. Der philippinische Präsident geht mit großer Härte gegen mutmaßliche Drogendealer und -konsumenten vor. Sie werden meist ohne Prozess und teils auf offener Straße getötet. Unter den mittlerweile etwa 7000 Opfern sind nach Angaben von Kritikern auch Unschuldige. Anders als sein Amtsvorgänger Barack Obama hat Trump die extralegalen Tötungen auf den Philippinen bisher nicht öffentlich kritisiert.

          Thailands Junta-Chef nimmt Einladung an

          Neben Duterte lud Trump auch Thailands Junta-Chef Prayut Chan-O-Cha nach Washington ein. Der nahm die Einladung am Montag an und lud seinerseits Trump nach Thailand ein. Thailands früherer Armeechef Chan-O-Cha hatte vor drei Jahren die Macht übernommen, ernannte sich selbst zum Ministerpräsidenten und führte die autokratischste Herrschaft in dem Königreich seit Jahrzehnten ein. Sein Militärputsch hatte die Beziehungen zu Präsident Obama belastet.

          Trump zeigt hingegen weit weniger Bedenken gegenüber autokratischen Führern. Schon im Wahlkampf fand er lobende Worte für Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Und erst kürzlich rief er den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an, um ihm zu dessen Sieg bei dem umstrittenen Verfassungsreferendum zu gratulieren, durch das Erdogan seine Macht deutlich ausgeweitet hat.

          In der Mitteilung des Weißen Hauses vom Samstag über das „sehr freundliche“ Telefonat Trumps mit Duterte findet sich kein Wort der Kritik – im Gegenteil klingt sogar Lob an. Zum Thema Drogen heißt es, die Präsidenten hätten „auch über die Tatsache gesprochen, dass die philippinische Regierung sehr hart dafür kämpft, das Land von den Drogen zu befreien, ein Übel, das viele Länder auf der ganzen Welt betrifft“.

          Das Weiße Haus verteidigte Trumps geplantes Treffen mit Duterte am Sonntag gegen Kritik. Stabschef Reince Priebus sagte, die Einladung bedeute nicht, „dass Menschenrechte nicht zählen“, sondern, „dass die Herausforderungen, vor denen wir stehen, die sich in Nordkorea entwickeln, so ernst sind, dass wir in der Region mit so vielen Partnern wie möglich eine gewisse Form der Zusammenarbeit unterhalten müssen“.

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