https://www.faz.net/-gpf-90bnz

Scaramuccis Rauswurf : „The Mooch“ hat seine Schuldigkeit getan

Anthony Scaramucci musste nach nur zehn Tagen seinen Posten verlassen. Bild: AP

Der erzwungene Abgang von Anthony Scaramucci ist ein guter Start für Trumps neuen Stabschef John Kelly. Der General hat demonstriert, dass er Ordnung in das Chaos im Weißen Haus bringen will. Doch reicht das?

          2 Min.

          Neue Besen kehren gut, heißt es in einem Sprichwort und der neue Stabschef des Weißen Hauses, John Kelly, scheint so ein neuer Besen zu sein. Im ersten Tag im Amt hat er dafür gesorgt, dass Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci seinen Posten verlassen musste – nach nur zehn Tagen im Amt. Damit scheint die Voraussetzung geschaffen zu sein, damit Kelly erfolgreich arbeiten kann: der Rückhalt des Präsident. Der frühere General zeigt, dass er der neue starke Mann im Weißen Haus sein will. Die „Washington Post“ schreibt, Kelly lasse seine Muskeln spielen.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Scaramucci war vor wenigen Tagen ins Weiße Haus geholt worden, um für Donald Trump eine neue Kommunikationsstrategie zu finden. Der Präsident war Berichten zufolge unzufrieden darüber, dass Neuigkeiten über Russland-Kontakte seiner Mitarbeiter immer wieder die Nachrichten dominierten. Noch mehr ärgerte sich Trump darüber, dass seine Presseabteilung nicht entschieden genug all die „breaking news“ aggressiv zurückwies und die ihn kritisierenden Medien bekämpfte. Gefiel Trump die offene Sprache Scaramuccis anfänglich noch, soll er seine Meinung über den New Yorker Hedgefonds-Manager geändert haben, als dieser in einem Anruf bei einem Journalisten des „Magazins „New Yorker“ unter anderem den damaligen Stabschef Reince Priebus unflätig beleidigte.

          Womöglich war die Ernennung Scaramuccis auch Teil der Machtkämpfe im Weißen Haus. So gibt es in den amerikanischen Medien Spekulationen, Trumps Tochter Ivanka und deren Mann Jared Kushner – beide enge Berater des Präsidenten – hätten ihn geholt, um Priebus und den früheren Präsidentensprecher Sean Spicer loszuwerden. Beide galten als Vertreter des republikanischen Establishments im Weißen Haus. Sollte diese These stimmen, dann hätte Scarmucci (Spitzname„The Mooch“) seine Schuldigkeit durchaus getan und die Fraktion der Republikaner entscheidend geschwächt. Freuen kann sich darüber auch Steve Bannon. Der rechte Vordenker ist Trumps Chefstratege und Vertreter der Ultrakonservativen, denen Trump zu einem großen Teil seinen Wahlsieg verdankt.

          Scaramucci wird Kelly aber auch ein Dorn im Auge gewesen sein, weil dieser sich rühmte, über direkten Zugang zum Präsidenten zu verfügen. Diese Privilegien muss Kelly jedoch radikal eindämmen, will er erfolgreich sein. In einem Interview der „Washington Post“ mit dem Autor Chris Whipple, der ein Buch über Stabschefs im Weißen Haus geschrieben hat, sagte dieser, nichts dürfe den Präsidenten erreichen, ohne das Kelly es genehmigt habe. Der neue Stabschef müsse allen Mitarbeitern der Administration klar machen, dass er der Mann ist, der den Zugang zum Präsidenten überwacht und er allein für die Durchsetzung von dessen Agenda zuständig ist.

          Whipple sagt aber auch, dass Kelly bereit sein müsse, dem Präsidenten unangenehme Wahrheiten mitzuteilen. Er dürfe nicht davor zurückschrecken, dem Mann im Oval Office die Meinung zu sagen, will er das Chaos im Westflügel des Weißen Hauses beseitigen. Dafür muss sich der Präsident allerdings mit medialen Schnellschüssen an seinem Presseteam vorbei zurückhalten. Bislang hat Trump sich darin gefallen, Politik nach Bauchgefühl zu machen, ohne Ahnung von den Inhalten zu haben und auf Twitter seine Gedanken zu verbreiten.

          Ein anderes Sprichwort lautet: Der Fisch stinkt vom Kopf her. Auf die Situation im Weißen Haus bezogen, heißt das, Kelly müsste vor allem dem Präsidenten Einhalt gebieten. Das selbstzerstörerische Verhalten, das in allen, die Kritik an seiner Strategie und Politik äußern, gleich Feinde sieht, muss aufhören, soll aus der bisher chaotischen Präsidentschaft Trumps eine normale werden.

          Weitere Themen

          Ein Ende der blinden Gefolgsamkeit?

          Trump und die Republikaner : Ein Ende der blinden Gefolgsamkeit?

          Nach wie vor steht die breite Mehrheit der Republikaner hinter Donald Trump. Doch einzelne Republikaner erwägen bereits, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Amerikas Präsidenten zu unterstützen. Sie bewegen sich dabei auf einem schmalen Grat.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.