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Anstieg der Gewaltverbrechen : Trump droht mit Intervention in Chicago

  • Aktualisiert am

Demonstration gegen Waffengewalt in Chicago am 31. Dezember Bild: AFP

Um das „Gemetzel“ in den Straßen Chicagos zu bekämpfen, erwägt Präsident Donald Trump eine Intervention des Bundes. Unklar bleibt, wen genau er dorthin schicken will.

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          Der neue amerikanische Präsident Donald Trump erwägt eine Intervention in Chicago. Er twitterte am späten Dienstagabend (Ortszeit): „Wenn Chicago nicht das fürchterliche 'Gemetzel' beendet, 228 Schießereien im Jahr 2017 mit 42 Toten (24 Prozent mehr als 2016), werde ich die Feds dorthin schicken.“

          Unklar bleibt zunächst, wer genau mit dem Ausdruck „Feds“ gemeint ist. Trump könnte sich damit auf die amerikanische Bundespolizei FBI bezogen haben.

          Die „New York Times“ bemerkte umgehend, dass Trump seinen Tweet nach der Nachrichten- und Talksendung „The O'Reilly Factor“ des Senders „Fox News“ absetzte. In der Sendung hatte Moderator Bill O'Reilly die Möglichkeit erörtert, dass die Bundesegierung in Städten interveniert, um die Gewalt zu bekämpfen, etwa indem sie Strafverfolger oder gar die Nationalgarde entsendet.

          Sowohl der Moderator als auch Trump bezogen sich laut der Zeitung offenbar auf einen Artikel, der am Montag in der „Chicago Tribune“ erschienen war. Diese Zeitung hatte berichtet, dass sich in Chicago in diesem Jahr schon 228 Schießereien und 42 Tötungsdelikte ereignet haben. Das wären 5,5 Prozent beziehungsweise 23,5 Prozent mehr als im selben Zeitraum zu Beginn des vergangenen Jahres.

          Mehr Tote als in New York und L.A. zusammen

          Ein Sprecher der Chicagoer Polizei nannte der „New York Times“ jedoch noch in der Nacht andere, wenn auch ähnliche Zahlen. Demnach sind im aktuellen Jahr bislang 234 Menschen beschossen worden, 38 von ihnen tödlich. In derselben Zeit im Vorjahr waren demnach 227 Menschen betroffen und 33 getötet worden. Eine andere Zahl erhielt die Nachrichtenagentur „Reuters“ von der Chicagoer Polizei. Deren Sprecher Frank Giancamilli wird mit der Angabe zitiert, zwischen dem 1. und dem 23. Januar dieses Jahres hätten sich 182 Schießereien in der Stadt ereignet, „was genau gleichviel ist wie im letzten Jahr“. Die Zahl von 38 Toten nannte auch er.

          Der Leiter der Chicagoer Polizei, Eddie Johnson, sagte der „New York Times“, wie der Bürgermeister Rahm Emanuel sei auch seine Behörde „mehr als willens“, enger mit den zuständigen Bundesbehörden zusammenzuarbeiten.

          Trump hatte die Gewalt in amerikanischen Städten schon im Wahlkampf thematisiert. Auf dem Konvent der Republikaner im Sommer versprach er: „Die Verbrechen und die Gewalt, die heute unsere Nation heimsuchen, werden bald – und ich meine: sehr bald – beendet sein.“ In seiner Antrittsrede als Präsident vor fünf Tagen sagte Trump: „Dieses amerikanische Gemetzel hört genau hier auf, und es hört genau jetzt auf.“

          Chicago wird derzeit von einer Welle der Gewalt erschüttert. Die Statistik verzeichnet insgesamt 762 Tötungsdelikte im vergangenen Jahr. Das sind mehr als in Los Angeles und New York zusammen.

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