https://www.faz.net/-gpf-8ytr5

Anschlag in Alexandria : Schock und Spaltung

  • -Aktualisiert am

Kundgebung in Solidarität zu den Anschlagsopfern Bild: AFP

Das Attentat auf republikanische Abgeordnete in Alexandria ist für amerikanische Kommentatoren ein Symptom der politischen Spaltung. Präsident Trump tritt hingegen mit einer gemäßigten Botschaft vor die Öffentlichkeit.

          Als Donald Trump am Mittwoch vor die Presse tritt, weiß er längst, dass in der Russland-Affäre nun auch gegen ihn persönlich ermittelt wird. Doch Wut darüber ist ihm nicht anzumerken. Trumps erste Reaktion auf das Attentat von Alexandria ist gemessen und nüchtern. Er verzichtet auf jegliche politische Auslegung der Attacke auf dem Baseballfeld und sagt: „Wir sind uns alle einig, dass wir uns glücklich schätzen können, Amerikaner zu sein, dass unsere Kinder es verdienen, in einem Land aufzuwachsen, in dem Sicherheit und Frieden herrschen, und dass wir am stärksten sind, wenn wir geeint sind und zusammen für das Wohl aller arbeiten.“

          Der 66-jährige James Hodgkinson aus Illinois hatte, bevor er selbst von den Sicherheitskräften getötet wurde, auf Republikaner gefeuert, die auf einem Baseballfeld trainierten. Alexandria liegt auf der anderen Seite des Flusses Potomac, aber nicht weit weg vom Zentrum Washingtons. Hier bereiteten sich die Politiker auf ein Match gegen die demokratischen Kollegen vor. Fünf Menschen wurden verletzt, der ranghohe republikanische Abgeordnete im Repräsentantenhaus Steve Scalise wurde in kritischem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Am Mittwochabend wurde gemeldet, dass er weitere Operationen benötigen wird.

          Unterdessen werden immer mehr Details bekannt, die zeigen, dass der Attentäter gezielt Republikaner angreifen wollte. Jeff Duncan, Republikaner im Repräsentantenhaus, schilderte, wie der Mann ihn auf dem Parkplatz fragte, ob Republikaner oder Demokraten dort trainierten. Republikaner, habe Duncan geantwortet – „Ok, danke“, habe Hodgkinson gesagt.

          Baseball als gemeinsamer Nenner

          Baseball gilt als uramerikanische Sportart, die gleichzeitig individuelles Streben und Teamgeist anspricht und damit Tugenden feiert, die man hier gern amerikanisch nennt. Das Baseball-Spielen ist eine einigende und ausgleichende Tradition zwischen Republikanern und Demokraten im Kongress. Egal, wie hart die Konflikte werden – Politiker der beiden Parteien können auf dem Spielfeld ihre Differenzen zwar nicht lösen, aber doch beiseite legen und einander als faire Spieler gegenübertreten – ein bemerkenswertes Ritual, das der Attentäter wohl bewusst angriff.

          Viele Reaktionen auf die Gewalt betonten die Einigkeit über Parteigrenzen hinweg – man dürfe sich nun nicht entzweien lassen. Der demokratische Senator Bernie Sanders, den der Attentäter unterstützt hatte, sagte, jegliche Gewalt sei zu verurteilen und die Tat sei verachtenswert. Der Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, Paul Ryan, erklärte: „Wir lassen unsere Menschlichkeit nicht hinter uns, wenn wir hier ins Parlament kommen. Trotz all des Lärms und der Wut, wir sind eine Familie.“ Ryan sagte auch: „Ein Angriff auf einen von uns ist ein Angriff auf uns alle.“ Es gab aber auch bereits Versuche, das Attentat politisch auszuschlachten. Der rechte Republikaner Newt Gingrich sagte laut dem Magazin „The Hill“, das Attentat sei ein Zeichen wachsender Bösartigkeit der Linken.

          Weitere Themen

          Großer Protest gegen Nationalismus Video-Seite öffnen

          Europa vor den Wahlen : Großer Protest gegen Nationalismus

          Eine Woche vor der Europawahl sind tausende Menschen in mehreren Städten in Deutschland auf die Straße gegangen, um ein Zeichen gegen Nationalismus zu setzen. Europaweit waren Demonstrationen in rund 50 Städten geplant.

          Zehntausende demonstrieren für Europa Video-Seite öffnen

          Gegen Nationalismus : Zehntausende demonstrieren für Europa

          Sie sind für Europa und gegen Nationalismus – das zeigten zehntausende in vielen Städten Deutschlands. Auch das Scheitern der rechtspopulistischen Koalition in Österreich war auf den Demonstrationen ein Thema.

          Topmeldungen

          Kurz’ Zögern : Gefangen in der Ibiza-Falle

          Lange wartete Österreichs Kanzler, bis er sich zum Video von FPÖ-Chef Strache äußerte. Dabei war ihm schnell klar, dass sein Vize nicht zu halten ist. Dessen Parteifreund Gudenus soll derweil weiter Kontakt zu der vermeintlichen Oligarchennichte gehalten haben.
          Die 45. Internationale Waffen-Sammlerbörse im März in Luzern

          Mit rund 64 Prozent : Schweizer stimmen für schärferes Waffenrecht

          Die Eidgenossen haben sich den Verbleib im Schengen-Raum gesichert: Eine Mehrheit sprach sich für die Übernahme der verschärften Waffenrichtlinie der EU aus. Bei einer Ablehnung wäre die Mitgliedschaft automatisch nach sechs Monaten erloschen.
          Heiko Maas vor einer Regierungsmaschine auf dem Flughafen in Berlin-Tegel

          Antrittsbesuch in Bulgarien : Maas hat wieder Pech mit seinem Flieger

          Zum dritten Mal in drei Monaten: Heiko Maas hat wieder Ärger mit einem Flieger der deutschen Bundeswehr. Bei seiner Reise nach Bulgarien hatte der deutsche Außenminister mehr als eine Stunde Verspätung, weil ein Triebwerk nicht ansprang.
          Werner Bahlsen

          Bahlsen gibt Fehler zu : „Es muss alles auf den Tisch“

          Der Bahlsen-Verwaltungsratsvorsitzende kündigt an, dass die Geschichte des Unternehmens fundiert aufgearbeitet werden soll. Was seine Tochter gesagt habe, sei falsch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.