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Anschlag in Alexandria : Schock und Spaltung

  • -Aktualisiert am

Gewalt als Gipfel der politischen Spaltung

Auch, wenn Politiker angesichts der Gewalttat zur Einheit aufriefen: vielen Beobachtern gilt sie als Symptom der politischen Spaltung im Land. Peter Bergen, Professor an der Arizona State University, fragte in einem Artikel für CNN, ob man nun vor einer Rückkehr des linksgerichteten Terrorismus stehe. Hodgkinson habe auf seiner Facebook-Seite dazu aufgerufen, den „Verräter“ Donald Trump zu zerstören. Auch die Tatsache, dass der Attentäter sich in der Kampagne von Bernie Sanders engagierte, sei ein Hinweis auf ein solches politisches Motiv und auf ein mögliches Wiedererstarken linken Terrors. Bergen nennt als Beispiele aus den 1960er und 70er Jahren die „Black Panther“-Bewegung und den „Weather Underground“ – Organisationen mit sehr unterschiedlichen Vorgehensweisen und Zielen.

Terrorismus ist zudem ein umkämpfter Begriff, sobald die Gewalt nicht von muslimischen Tätern, sondern von weißen Einzelpersonen ausgeht. Die Amerikaner streiten schließlich immer noch darüber, ob Taten wie die rassistisch motivierten Morde in einer Kirche in Charleston 2015 terroristische Akte waren oder nicht. Bergen selbst betonte auch, dass den Berechnungen der Organisation „New America“ zufolge in den letzten Jahren 53 Menschen von rechten Terroristen getötet worden seien, weit mehr als von linken. Andere Beobachter meinen, dass es generell noch viel zu früh sei, Diskussionen über Terrorismus zu führen, bevor nicht mehr über den Angreifer bekannt ist.

Zornige weiße Männer gegen das „System“

Tatsächlich scheint Hodgkinson einige Merkmale zu vereinen, die auch andere Attentäter der vergangenen Jahre aufwiesen: weiß, Einzelgänger, mehrere Waffen im Schrank und Gewalt gegen Frauen in der Vergangenheit – wie etwa im Fall des Angriffs auf eine Planned-Parenthood-Einrichtung in Cleveland. Zeugen zeichnen ein Bild sozialen Niedergangs und wachsender Vereinsamung: Hodgkinson habe stundenlang vor dem Computer gesessen und wenig mit anderen Menschen gesprochen. Stattdessen machte er lieber Schießübungen. 2006 soll er seine Freundin laut „Politico“ ins Gesicht geschlagen und einen Zeugen mit einem Gewehr bedroht haben. Bekannte beschreiben ihn als einen ruhigen Mann, der sich aber immer tiefer in seine Wut auf die Rechten, die Reichen und Donald Trump hineingesteigert habe. Hodgkinson hatte zunächst eine relativ bürgerliche Existenz, lebte vom Begutachten von Immobilien und gab Partys an seinem kleinen Pool. Vor dem Attentat soll er jedoch in einem Trailer gewohnt und vor allem getrunken haben, berichtet „Politico“.

Diese Details aus Hodgkinsons Geschichte sind bruchstückhaft und müssen nun in den nächsten Wochen zu einem schlüssigen Bild zusammengefügt werden. Doch sie scheinen nicht nur für die politische Spaltung im Land zu stehen, sondern auch und vielleicht sogar vor allem für die Krise der zornigen weißen Männer jeglicher politischer Couleur, die sich vom „System“ betrogen fühlen und ihre in Verschwörungstheorien gewendeten Probleme gewaltsam ausagieren.

Am Mittwoch wurde das Herz der amerikanischen Demokratie Ziel dieser Gewalt. Angegriffen wurden auch die Formen des demokratischen Streitens, die, so dramatisch es dieser Tage zugehen mag, größtenteils immer noch funktionieren. Präsident Donald Trump habe zwar eine einende Botschaft verbreitet, schrieb „Politico“, aber jeder erwarte, dass diese nicht halte, er bald zu seinen Gewohnheiten zurückkehre und etwas Polarisierendes auf Twitter schreibe. Das mag sein. Wenn es den politischen Gegnern in Washington aber gelingt, schnell zu ihren Auseinandersetzungen zurückzukehren und nicht im Schock über die Gewalt zu verharren, dann ist das auch eine Leistung.

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