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Anklage gegen Manafort : Jetzt muss sich Trump Sorgen machen

  • -Aktualisiert am

Donald Trump beim Wahlkonvent der Republikaner im vergangenen Jahr. Paul Manafort (Mitte) hält sich im Hintergrund. Bild: Reuters

Die Anklage gegen den früheren Wahlkampfmanager von Donald Trump hat zwar direkt nichts mit Donald Trump zu tun. Sie ist aber dennoch ein Zeichen: Sondermittler Mueller forscht auch in der ferneren Vergangenheit.

          Der amerikanische Präsident ist noch nicht einmal ein Jahr im Amt – und wird schon von der Vergangenheit eingeholt. Die Ermittlungen des Sonderermittlers Robert Mueller zur russischen Einflussnahme auf die amerikanische Präsidentenwahl schweben seit Mai wie ein Damoklesschwert über Trumps Amtszeit und haben nun ihr erstes Opfer gefunden. Sein ehemaliger Kamapagnenmanager Paul Manafort hat sich am Montag dem FBI gestellt und wird nun angeklagt unter anderem wegen Verschwörung gegen die Vereinigten Staaten, Geldwäsche und Steuerbetrug.

          Diese Punkte haben zwar nichts direkt mit den russischen Eingriffen in die Präsidentenwahl zu tun, doch sind sie sowohl für Trump – als auch für alle, die ins Visier von Mueller geraten könnten – ein Grund, sich Sorgen zu machen. Der Sonderermittler hat nämlich nicht nur die Aufgabe, die russischen Machenschaften aufzuklären und zu prüfen, ob es eine direkte Zusammenarbeit zwischen dem Wahlkampfteam Trumps und dem Kreml gegeben hat. Sondern er kann auch alle Verbrechen verfolgen, die zwar nichts damit zu tun haben, die ihm aber durch seine Nachforschungen bekannt werden.

          Unterlagen über Trumps Familienmitglieder?

          Manafort muss sich nun wegen seines Finanzgebarens verantworten, das zum größten Teil vor der Zeit lag, in der er für Trump arbeitete. Es ist durchaus möglich, dass Mueller solche Unterlagen auch über andere Mitarbeiter oder Familienmitglieder von Trump besitzt. Der Präsident, der selbst am besten weiß, warum er seine Steuerklärungen nicht veröffentlichen will, könnte also über etwas stolpern, das ihm seine politischen Gegner noch gar nicht vorwerfen.

          Denn ob Mueller eine direkte Zusammenarbeit der Wahlkämpfer mit Moskau je wird nachweisen können, ist fraglich. Falls es diese tatsächlich gegeben haben sollte, ist es aber wohl unwahrscheinlich, dass Trump davon wusste. Wieso auch? Er hat seine Kollaboration mit dem Kreml ja nie versteckt. Ganz öffentlich forderte er russische Hacker auf, die „verlorenen Mails“ von Hillary Clinton zu finden und zu veröffentlichen. Nein, die geheime Zusammenarbeit würde, wenn überhaupt, wohl in seinem Team ohne sein Wissen stattgefunden haben.

          Bleibt einzig abzuwarten, wie der amerikanische Präsident reagiert. In seiner typischen Weise hat er schon versucht, die Vorwürfe auf die Demokraten und Hillary Clinton zurückzulenken. In einer der Debatten im Wahlkampf hatte Clinton ihm vorgeworfen, eine Marionette des Kremls zu sein. Trump antwortete: „Keine Marionette. Keine Marionette. Du bist die Marionette.“ Genauso läuft es auch jetzt. Nicht er sollte Gegenstand von rechtlichen Nachforschungen sein, sondern die ehemalige Außenministerin, schrieb er auf Twitter. Immer mehr ähnelt der Immobilienmagnat aus New York mithin einem kleinen Kind, das sauer ist, dass ihm nicht die Aufmerksamkeit geschenkt wird, die ihm gebührt. Die Vereinigten Staaten stünden dank ihm vor einer historischen Steuerreform und das drohe nun in den Hintergrund gedrängt zu werden; so scheint er zumindest die Realität wahrzunehmen.

          Taten hat er seinen Worten bislang nicht folgen lassen. Sollte er auf die Idee kommen, sämtliche von Mueller Angeklagten zu begnadigen oder gar den Sonderermittler zu entlassen, schlüge endlich die Stunde der Republikaner im Kongress, die dann zeigen müssten, ob sie tatsächlich noch ein Rückgrat besitzen.

          Die Anklage gegen Manafort nun ist zwar ernst, aber auch noch ein Stück von Trump entfernt. Gefährlich könnte es für ihn werden, wenn Mueller so viel Druck auf Manafort ausübt, dass der umkippt und all sein Wissen über den Wahlkampf Trumps ausplaudert. Und dann könnten noch viele Anklagen und viele wütende Tweets des Präsidenten folgen.

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