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Andreas Ross (anr.)

Angriff auf Saudi-Arabien : Trump droht und macht sich klein

  • -Aktualisiert am

Schwarzer Rauch über der Ölraffinerie Abqaiq am Samstag Bild: AP

Der amerikanische Präsident scheut die militärische Eskalation. Deshalb versteckt er sich hinter den Saudis. Seine Drohung an Iran ist in viel Watte gepackt.

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          Donald Trump hatte nach dem Angriff auf saudische Ölanlagen lange gewartet, bis er sich selbst zu Wort meldete. Nun hat der amerikanische Präsident auf Twitter mit militärischer Vergeltung gedroht – einerseits. Andererseits ist seine Formulierung von untypischer Vorsicht, ja Zurückhaltung gekennzeichnet.

          Es gebe „Grund zur Annahme, dass wir den Schuldigen kennen“, schrieb Trump, ohne Iran beim Namen zu nennen – das Land, das sein Außenminister Mike Pompeo schon einen Tag vorher bezichtigt hatte, einen „beispiellosen Angriff auf die Welt-Energieversorgung verübt“ zu haben. Doch er wolle zunächst die „Verifizierung“ abwarten und in Riad nachfragen, wer nach Einschätzung des Königshauses die Tat verübt habe „und unter welchen Bedingungen wir vorgehen“.

          Das spiegelt nicht die jahrzehntealte Koch-und-Kellner-Beziehung zwischen Washington und Riad. Die Vereinigten Staaten sind genauso wenig auf saudische Lageeinschätzungen angewiesen wie Kronprinz Muhammad Bin Salman Bedenkzeit brauchen dürfte, um nach dem Angriff mit dem Finger auf seine Erzrivalen in Teheran zu zeigen.

          Gewehr bei Fuß

          Trump ging es offenkundig darum, Zeit zu gewinnen. Er will sich auch jetzt möglichst nicht in einen Krieg verwickeln lassen. Schon einmal hatte er für eine Twitter-Drohung an Iran dieselbe Formulierung benutzt, zu der er auch am Sonntag griff: Amerika sei „locked and loaded“, stehe also gleichsam Gewehr bei Fuß. Doch beim vorigen Mal sagte Trump die geplante Militäraktion im letzten Moment ab. Das haben sich Amerikas Feinde gemerkt – nicht nur die in Teheran, die sich nun offenbar mehr als nur „Nadelstiche“ zutrauen.

          Womöglich hat Trump sich noch nicht von der Idee verabschiedet, nächste Woche während der UN-Vollversammlung in New York den iranischen Präsidenten Hassan Rohani zu treffen. Immerhin hat er den nationalen Sicherheitsberater John Bolton rechtzeitig herausgeworfen, der für solche Fernsehbilder erklärtermaßen nichts übrig hat. Pompeo hat sich wegen Trumps Neigung, sich ohne stringente Strategie auf Treffen mit Diktatoren als Friedensstifter zu inszenieren, weniger offen mit dem Präsidenten angelegt. Wenn Teheran durch den Angriff nun aber Trump die Entscheidung über ein Treffen abgenommen hat, so wird auch Pompeo das gewiss nicht bedauern.

          Bin Salman steht in Trumps Schuld

          Für den saudischen Kronprinzen wäre es heikel, wenn Trump ihn als Feigenblatt benutzen wollte, um sich vor der „unerbittlichen“ Antwort zu drücken, die Bolton den Iranern schon im Mai für jeden Angriff auf „amerikanische Interessen und die ihrer Verbündeten“ angedroht hatte. Doch Muhammad Bin Salman steht tief in der Schuld des amerikanischen Präsidenten, der sein Möglichstes tat, den jungen Herrscher trotz der Ermordung des saudischen Regimekritikers Jamal Khashoggi international reinzuwaschen.

          Dass in Washington der Rückzugswille, die Abkehr von der Rolle des Weltpolizisten, klar überhandnimmt, muss Riad nervös machen. Doch letztlich kann auch die saudische Führung kein großes Interesse an einer militärischen Eskalation am Golf haben. Schließlich hat sie soeben erfahren, wie verwundbar sie ist.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

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